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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Zuckerrohr und Gelbwesten

14.01.2019

Bad Zwischenahn /Reunion Auf einer kleinen Insel im indischen Ozean mit den Protesten der sogenannten „Gelbwesten“ gegen die Politik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron konfrontiert zu werden – damit hätten 19 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bad Zwischenahn-Edewecht wohl kaum gerechnet. Eigentlich sollten sie bei dem Schüleraustausch unter anderem die Arbeitswelt im französischen Übersee-Département La Réunion kennenlernen und ein Kurzpraktikum absolvieren, doch daraus wurde nichts, denn die Streiks der „Gelbwesten“ legten auch im indischen Ozean das öffentliche Leben lahm – Straßenblockaden inklusive. Mit Behinderungen hatten Lehrerin Renate Kilian und Lehrer Matthias Trümer zwar gerechnet, das Ausmaß der Proteste hatte sie dann aber doch überrascht.

Seit einigen Wochen ist die Gruppe bereits wieder in Deutschland und arbeitet jetzt ihre Erfahrungen und Eindrücke auf. Sehr freundlich und offen seien die Menschen auf La Réunion, so die einhellige Meinung. Trotz der Blockaden kamen der 18-jährigen Amira die Proteste zunächst ein wenig wie ein Dorffest vor: „Man brauchte nur viel Geduld. Pünktlich irgendwo anzukommen, funktionierte einfach nicht.“

Dass die Proteste durchaus dramatische Auswirkungen hatten, wurde den Schülern aus Deutschland aber bald klar. Einer der wenigen gelungenen Ausflüge in die Wirtschaftswelt der Insel führte zu einer Zuckerfabrik. „Dort hörten wir, dass diese auf keinen Fall stillstehen dürfe. Wenige Tage später lag der Betrieb lahm und überall an den Straßen standen Lastwagen, auf denen das Zuckerrohr vergammelte“, berichtet Kilian.

Auch in einigen Gastfamilien machten sich die Folgen der Proteste bemerkbar. „Mein Gastvater ist Landwirt“, berichtet Raif (18). „Er pflanzt Porree, Kartoffeln und Süßkartoffeln an. Einen Teil seiner Ernte musste er verschenken, ein Teil ging kaputt, weil der Großmarkt geschlossen hatte.“ Bei einem anderen Landwirt erlebten die Schüler, dass er seine Milch wegschütten musste, während es im benachbarten Ort keine mehr zu kaufen gab. Grundsätzlich hätten viele Menschen die Proteste unterstützt, hat Paulina (17) festgestellt: „Meine Gastmutter hatte die gelbe Warnweste immer im Auto. Sie war auch sehr unzufrieden, zum Beispiel über die Benzinpreise. Aber sie hat sich geärgert, dass der Streik teilweise aus dem Ruder gelaufen ist.“

Einblicke in die Arbeitswelt haben die deutschen Austauschschüler zwar kaum gewonnen und auch die Schule fiel bis auf einen Tag aus. Land und Leute haben sie dafür vielleicht umso besser kennengelernt. Raif schwärmt noch immer von der Wanderung durch ein ausgetrocknetes Flussbett, Delfinen im Ozean und Mangos und Bananen direkt vom Baum. Chiara (17) war überzeugt: „Durch den Ausfall der Praktika haben wir viel erlebt, was wir sonst nicht mitbekommen hätten.“ Und Renate Kilian ist sicher: Der Kontakt zu den Familien war so viel enger – für die sprachliche Entwicklung war das gut.

Jetzt bereiten die Schülerinnen und Schüler den Gegenbesuch vor: Im März werden Schülerinnen und Schüler von der Insel in Bad Zwischenahn und Edewecht erwartet. Und sie sollen dann tatsächlich das Arbeitsleben in verschiedenen Betrieben bei Kurzpraktika kennenlernen – mit Streiks und Straßenblockaden ist im Ammerland ja nicht zu rechnen.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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