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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Warum für Rektor Lüschen Förderschulen unverzichtbar sind

30.03.2019

Edewecht Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch seine Biografie: Wie kann man Kinder und Jugendliche mit Handicaps optimal fördern? Wie ihnen neben Schulwissen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl vermitteln? Wie sie in die Gesellschaft integrieren und ihnen dennoch (Schutz-)Räume für individuelles Lernen ermöglichen?

Dr. Arend Lüschen lassen diese Fragen seit über 40 Jahren nicht los, sie prägen seinen Alltag: Der 63-Jährige leitet die Astrid-Lindgren-Schule (ALS) in Edewecht – noch drei Monate. „Ab Ende Juni bin ich Rentner“, lacht der gebürtige Oldenburger, der viele Pläne nach seiner Schulzeit hat. Reisen mit seiner Frau, sich intensiv um die Enkelkinder kümmern, sich ehrenamtlich engagieren oder vielleicht ein Buch schreiben. An Ideen fehlt es nicht.

2002 kam Arend Lüschen, der heute in Huntlosen (Landkreis Oldenburg) lebt, ans sonderpädagogische Förderzentrum Edewecht, das derzeit 148 Mädchen und Jungen mit den Förderschwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung besuchen. Dass die Schule in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Leuchtturm in der Schullandschaft wurde, daran hat er entscheidenden Anteil. Die Liste der Auszeichnungen und Preise für die ALS, die Unesco-Projektschule, sportfreundliche Schule und Umweltschule ist und eine vielfach prämierte Mensa hat, ist lang. „Das ist Teamarbeit – ein Ergebnis vieler engagierter Kolleginnen und Kollegen und engagierter Schülerinnen und Schüler“, betont Lüschen. Sich selbst zurücknehmen, das Miteinander stets in den Mittelpunkt stellen, Teamplayer sein, der Wert auf eine harmonische, respektvolle Zusammenarbeit legt, das zeichnet ihn aus.

Was war die Triebfeder?

Dass Arend Lüschen, der in Tungeln aufwuchs und am Gymnasium in Eversten 1974 sein Abitur machte, Sonderpädagogik studierte, hat vor allem persönliche Gründe. Er hatte einen Bruder, der kleinwüchsig war, dafür von Kindesbeinen an gehänselt wurde und mit 25 Jahre starb. Diese einschneidende Erfahrung, dass Menschen aufgrund von Andersartigkeit respektlos und herabwürdigend behandelt werden, war seine Triebfeder, sich für Schwächere einzusetzen. „Lehrer wollte ich eigentlich nicht werden“, sagt er, dessen Vater Schulmeister war und den er zu Kinderzeiten – wenn der Vater z.B. Hausmeistertätigkeiten in der Volksschule erledigte und Rasen mähte – oft begleitete.

Nach dem Studium und ersten Erfahrungen mit Lernbehinderten und Menschen mit geistigen Handicaps landete er doch in der (Förder)Schule, direkt nach dem 1. Staatsexamen in der Marienschule in Damme, später als Lehrer an der Förderschule im ostfriesischen Wittmund. Zwischenzeitlich hatte Lüschen geheiratet und war Vater geworden.

Durch einen Stellentausch wechselte er 1986 zur Kleistschule nach Oldenburg, 2002 schließlich nach Edewecht. Fachseminarleiter beim Studienseminar für Geistige Entwicklung war er und arbeitete neben Schulalltag und Familie von 1988 bis 1995 an seiner Promotion. Entwickelt hat er dafür ein Schulkonzept, wie man Schüler mit Handicaps integrieren kann. Die Frage, wie sinnvoll es ist, Kinder mit Handicaps in einer eigenen Schule zu unterrichten, habe am Anfang der Sozialpädagogik gestanden, sagt er.

Seitdem habe es einen Quantensprung gegeben. Menschen mit Handicaps hätten ein Recht darauf, in Schule, Arbeit und Gesellschaft integriert zu sein. Das Thema Inklusion – heute in aller Munde – sei weit mehr als nur gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Handicaps, sondern gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen des Lebens, so wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention verbrieft sei.

Für das Schulwesen in Niedersachsen hieße das, dass Kinder mit Handicaps langfristig nur Regelschulen besuchen sollten und dort (stundenweise) Inklusionsstunden durch Förderschullehrer erhielten. Auch jetzt unterstützten Förderschullehrer der ALS bereits Schülerinnen und Schüler mit sozialpädagogischen Förderbedarf, die Regelschulen besuchten. Zu den Kooperationspartnern gehören z.B. die Grundschule Edewecht, die Oberschule Edewecht und die Grund- und Oberschule Friedrichsfehn.

Ist für Kinder mit Handicaps gemeinsamer Unterricht mit Kindern ohne Handicpas besser oder Unterricht in einer eigenen Förderschule? „Das sollte im Einzelfall entschieden werden, denn beides hat Vor- und Nachteile“, sagt Arend Lüschen, der davon überzeugt ist, dass es immer Kinder geben werde, die in Förderschulen mit kleinen Klassen, Lernen ohne Druck und gezielter individueller Förderung besser klar kämen.

Pro Förderschule

„Die Förderschule sollte nicht in Frage gestellt werden, sondern sogar um weitere Förderschwerpunkte ergänzt werden“, sagt er. Inklusion sei schon deshalb gewährleistet, weil Förderschulen wie z.B. die ALS sich auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen nach außen orientier. Wünschenswert wäre nach Lüschens Vorstellung, dass – wie z.B. in Sachen-Anhalt – Förderschulen ausgebaut statt abgeschafft würden. Der Elternwille und der Grundsatz ,Die richtige Schule für jedes Kind’ sollte auch der Maßstab für Mädchen und Jungen mit Handicaps sein.

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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