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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Ausbildung In Osterscheps: Zwei Herzen für Landmaschinen

22.06.2019

Osterscheps Yoan Sabourin kniet vor einem Rolltisch und arbeitet mit einem Inbusschlüssel am Aggregat einer Motorhacke. Seit vier Tagen arbeitet er bei der Firma Werner Marken in Osterscheps. Das Unternehmen, das unter anderem Landmaschinen repariert, Ersatzteilen beschafft und Oldtimer instand setzt, beschäftigt ihn seit einigen Tagen. Sabourin ist aber nicht fest angestellt, sondern nur für zwei Wochen im Betrieb – um Erfahrungen zu sammeln.

Einer von zehn

Der 20-Jährige ist einer von zehn jungen Franzosen, die derzeit im Ammerland wertvolle Einblicke in den deutschen Arbeitsalltag erhalten. In Frankreich absolvieren sie eine Aus- oder Fortbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker. Sabourin selbst hat die Ausbildung schon hinter sich und macht eine Fortbildung, die es ihm ermöglicht, sich später vielleicht einmal selbstständig zu machen. „Geplant ist das aber bisher nicht“, sagt er.

Insbesondere die Sprachbarriere stellt für die Gäste in Deutschland eine spannende Herausforderung dar. „Diese Hürde wird aber meistens mit Zeigen und Nachmachen überwunden“, weiß Kirsten Grundmann, die diesen Austausch in ihrer Funktion als Mobilitätsberaterin der Handwerkskammer organisiert.

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„Ich spreche ein bisschen Englisch“, sagt Yoan Sabourin, der aus Jarnac, etwa 120 Kilometer südöstlich von La Rochelle, kommt. „Mit den Kollegen, die auch Englisch sprechen, klappt die Verständigung sehr gut. Ansonsten erklärt man Dinge eben mit den Händen.“

Andere Uhrzeiten

Die Partnerschaft der beiden Handwerkskammern Charente-Maritime im südwestfranzösischen La Rochelle und in Oldenburg, die es seit mehr als 40 Jahren gibt, macht es möglich: Auf diese Weise lernen die Auszubildenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennen. „Und zugleich können sie mal über den Tellerrand schauen“, sagt Kirsten Grundmann. Doch wo liegen sie, diese Unterschiede? „Rauchen am Arbeitsplatz, das geht in Frankreich gar nicht“, fällt Sabourin auf Anhieb ein.

Aber es gibt noch mehr: „Hier muss man morgens sehr früh aufstehen, um sechs Uhr“, nennt er ein weiteres Beispiel. „In Frankreich fangen wir erst gegen halb zehn mit der Arbeit an, stehen also erst so gegen halb acht oder acht Uhr auf.“

Auch das Abendessen ist sehr zeitig: „Zwischen fünf und sechs Uhr abends gibt es Essen.“ Gemeinsam geht es dann in die Deula. „Anders konnten wir es nicht regeln“, sagt Kirsten Grundmann. In Frankreich, erklärt Anne-Catherine Toso, Beauftragte für europäische Mobilität, „gibt es erst gegen 20.30 Uhr warmes Essen“.

Übernachten in Westerstede

Untergebracht sind die zehn Nachwuchs-Mechatroniker in der Hössen-Sportanlage. „Abends um 22 Uhr habe ich wieder so viel Hunger, dass ich noch einmal essen muss“, sagt Sabourin. Nach Feierabend verbringen die Gäste ihre Freizeit mit Fußball, Schwimmen oder Filmegucken. In der nächsten Woche wird es ein Länderspiel zwischen deutschen und französischen Kickern geben.

Aber die Gäste aus dem Nachbarland lernen auch die Region und ihre Angebote kennen, waren beim „Laser Tag“ in Oldenburg, im Kletterwald und fahren nach Hamburg. Eine Sache, die ihm an Deutschland gefällt, schießt ihm noch in den Kopf: „Das Bier ist super.“ Und das Ammerland selbst?

„Es ist sehr schön hier, die Architektur mit den roten Klinkern – und es gibt richtig große Häuser, das ist in Frankreich anders“, schildert Yoan Sabourin seine Eindrücke. Auch die Landschaft hat es ihm angetan, die Sauberkeit überall. „Das Pfandsystem ist sehr gut in Deutschland“, findet der 20-Jährige. „In Frankreich werden Plastikflaschen häufig in die Gegend geworfen.“

Dass Yoan Sabourin in Osterscheps neue Erfahrungen sammeln kann, hat er auch Kirsten Grundmann zu verdanken. Sie telefoniert viel, wenn die Azubis aus La Rochelle einmal im Jahr kommen. Dieses Mal sind es die Landmaschinen-Mechatroniker, im nächsten Jahr eine andere Berufsgruppe. „Wir sind froh, dass es Betriebe gibt, die sich um die jungen Leute kümmern“, sagt sie.

Und die Betriebe selbst? In wiefern profitieren sie von den fremdsprachigen Kollegen? „So bekommen wir mit, wie in Frankreich gearbeitet wird. Es ist eine positive Erfahrung, die Spaß macht“, sagt Sven Reil, der bei „ Marken“ Meister und Ausbilder ist. „Man merkt, dass es eine andere Herangehensweise an die Arbeit gibt und dass dort Werkzeuge gang und gäbe sind, die hier nicht genutzt werden.“

Gutes Verhältnis

Als besonders schwierig empfindet Reil die Sprachbarriere nicht. „Am Morgen zeige ich ihm etwas, das kaputt ist, erkläre ihm, wo der Fehler liegt, dann schauen wir uns das zusammen an und anschließend macht er allein weiter“, beschreibt Reil die Abläufe. „Er ist total nett, wir haben ein gutes Verhältnis“, sagt der junge Franzose über seinen Ausbilder.

Betreut wird Yoan Sabourin von Karine Tosi, eine von wenigen Frauen, die das Fach Maschinentechnik lehren. Machen ihr die Jungs Probleme? „Nein, auf keinen Fall“, sagt sie. Denn die wissen, worum es hier geht: um Erfahrungen. „Ich habe schon jetzt viel gelernt. Wenn ich zurück nach Frankreich komme, kann ich den Kollegen erklären, wie in Deutschland gearbeitet wird.“

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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