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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Warum Männer in Rastede einen eigenen Raum bekommen

03.01.2018

Rastede Das kleine Gebäude inmitten der Wohnblocks an der Lessingstraße in Rastede fällt auf den ersten Blick kaum auf. Doch das soll sich schon bald ändern. Das seit Jahren nicht mehr genutzte Waschhaus soll ein neuer Treffpunkt werden, eine Erweiterung des bereits bestehenden Stadtteiltreffs „MitEinAnder“, der dort Mitte 2015 von der Kreisvolkshochschule etabliert wurde.

Das Wohnviertel an der Lessingstraße

Das Wohnviertel an der Lessingstraße in Rastede ist eine alte Werkssiedlung von Brötje. 1966 waren die ersten Gebäude fertiggestellt worden. Heute leben viele Zugewanderte und Menschen in sozial schwachen Haushalten in dem Viertel, der Migrationsanteil ist hoch. Um das Miteinander zu fördern, richtete die Kreisvolkshochschule im Jahr 2015 einen Stadtteiltreff ein. Dazu stellte die Ammerländer Wohnungsbaugesellschaft eine Dreizimmerwohnung an der Lessingstraße 24 zur Verfügung.

„Hier muss noch eine ganze Menge gemacht werden“, sagt Frank Ritterhoff, kommunaler Koordinator der Bildungsangebote für Neuzugewanderte bei der Kreisvolkshochschule. Weil das Waschhaus lange Zeit ungenutzt war, muss das Gebäude erst einmal auf Vordermann gebracht werden – und eine Heizung muss eingebaut werden.

Dank einer Spende der Firmen Brötje Heizung, Brötje Handel und Wärme-Service Dieter Müller konnte dieser erste Schritt nun vollzogen werden. Kosten der brandneuen Therme und für den Einbau: rund 12 000 Euro. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Ritterhoff.

Unterstützt wird das Vorhaben, das unter dem Projekttitel „Ausgewaschen“ firmiert, auch vom Land Niedersachsen. Um das Waschhaus zu sanieren und zu einer Begegnungsstätte für (junge) Männer umzubauen und dort die Arbeit von Dozenten bezahlen zu können, erhielt die Kreisvolkshochschule im vergangenen Jahr eine Förderung über knapp 64 000 Euro. Geld gab es zuletzt auch von der LzO-Stiftung, die 750 Euro beisteuerte.

Doch warum einen eigenen Raum für die Männer einrichten? Nachdem der Stadtteiltreff „MitEinAnder“ vor etwa zweieinhalb Jahren seine Arbeit aufgenommen hatte, interessierten sich vor allem Mädchen und Frauen für das Angebot. Nähgruppen, eine Kochgruppe, Konversationstreffen und eine Mädchengruppe wurden erfolgreich etabliert. Männer konnten indes nicht begeistert werden. „Sie wünschten sich einen eigenen Raum“, sagt Ritterhoff.

In den Umbau des Waschhauses sollen die Männer aus der Lessingstraße nun bereits eingebunden werden. Im Frühjahr sollen bei einer Planungswerkstatt dann gemeinsam Ideen entwickelt werden, welche Angebote sinnvoll sind. Auch die Gemeindejugendpflege soll eingebunden werden.

„Man könnte zum Beispiel eine kleine Holzwerkstatt einrichten“, sagt Ritterhoff. Was zusammen erarbeitet wird, könnte dann beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden. Auch als Ausstellungsraum würde sich das Waschhaus eignen. Die Bewohner aus dem Viertel könnten dort Fotos ausstellen und Besuchern, „ihre“ Lessingstraße zeigen. So könnte ein weiteres Problem angegangen werden. „Die Leute kommen nicht hierher, weil sie ein schlechtes Bild haben. Das wollen wir ändern“, sagt Ritterhoff.

Pro-Kommentar von Frank Jacob

Vorurteile

abbauen

Die Idee, das ehemalige Waschhaus mitten im Rasteder Wohnviertel Lessingstraße umzubauen und künftig als Erweiterung der dort bereits bestehenden Begegnungsstätte „MitEinAnder“ zu nutzen, ist richtig. Zuletzt diente das kleine Gebäude als Abstellraum für nicht benötigte Möbel, eine sinnvollere Nutzung ist da nicht verkehrt.

Nachdem das „MitEinAnder“, das in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung untergebracht ist, in den vergangenen zweieinhalb Jahren bereits erfolgreiche Arbeit vorweisen konnte, bietet die Erweiterung nun neue Möglichkeiten.

Bisher wurden vornehmlich Angebote für Mädchen und Frauen etabliert. Im Waschhaus sollen nun auch die Männer ihren festen Platz haben. Dort wäre Raum für eine kleine Holzwerkstatt, die in der Drei-Zimmer-Wohnung nicht untergebracht werden könnte.

Und die Idee, dort Ausstellungen zu veranstalten, kann dazu beitragen, das Viertel für andere Rasteder zu öffnen. So werden Vorurteile abgebaut und Integration gefördert.

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Contra-Kommentar von Jasper Rittner

Macho- Mottenkiste

Zu den wesentlichen Werten unserer Gesellschaft gehört die Gleichstellung von Mann und Frau. Wer sich bei uns integrieren will, muss dies praktizieren. Doch das ist für manche Männer aus anderen Kulturkreisen nicht leicht. Sie kommen aus einer anderen Gesellschaft, unsere Werte müssen sie erst lernen. Und dabei sollte man sie unterstützen.

Ein eigenes Männerhaus ist aber genau der falsche Schritt. Wie sollen Männer Gleichberechtigung und Respekt vorm anderen Geschlecht lernen, wenn sie unter sich bleiben. Und wer sagt, dass Frauen immer nur Näh- und Kochkurse machen müssen? Was ist mit jungen Migrantinnen, die vielleicht tischlern wollen? Der Ansatz der Kvhs gehört in die Macho-Mottenkiste.

Durch ein rein auf männliche Migranten zugeschnittenes Angebot schafft man keine Integration. Dort wird man deutsche Nachbarn (und vor allem Nachbarinnen) wohl kaum finden.

Integration gelingt nur gemeinsam – deshalb Angebote für alle Geschlechter, Deutsche und Ausländer unter einem Dach.

Den Autor erreichen Sie unter
Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

Weitere Nachrichten:

Kreisvolkshochschule | Brötje Heizung | LzO

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