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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

„Wat schall ik jo denn nu vertell’n?“

01.07.2013

Bokel Wenn Leonie Grote mit ihren Eltern am Frühstückstisch sitzt und erzählt, wirkt das Gespräch für Außenstehende merkwürdig. Mit ihrer Mutter spricht Leonie Hochdeutsch, mit ihrem Vater dagegen nur Plattdeutsch. Darüber muss die 13-Jährige nicht nachdenken, sie springt vom Hoch- ins Plattdeutsche und wieder zurück. Denn seit ihrer Kindheit kennt Leonie es nicht anders. Ihre Eltern haben sie sozusagen zweisprachig erzogen.

Eine echte Rarität

Es ist heute nicht selten, dass ambitionierte Eltern ihre Kinder zweisprachig erziehen: Der eine spricht nur Deutsch mit dem Sprössling, der andere nur Englisch. In Großstädten gibt es chinesische Kindergärten, wo die Kleinen gleichzeitig deutsch und chinesisch sprechen lernen. Die Kinder sollen davon in ihrem späteren Leben profitieren.

So wie Leonie Grote. Sie hat vor Kurzem in Lüneburg den Landesentscheid des Wettbewerbs „Schüler lesen Platt“ für den Bezirk Oldenburg gewonnen (NWZ  berichtete). Außerdem schreibt Leonie plattdeutsche Geschichten für einen Kalender und spielt bei plattdeutschen Theaterstücken mit. Schon mit fünf Jahren hat sie auf Omas Geburtstag etwas Plattdeutsches vorgetragen und mit sieben niederdeutsche Witze auf dem „Bokeler Abend“ erzählt.

Es gab Zeiten, da mussten Schüler vom Land mühsam Hochdeutsch lernen, wenn sie eingeschult wurden – Plattdeutsch war die Hauptsprache der Menschen im Norden. Heute sind plattschnackende Jugendliche eher eine echte Rarität. Leonie ist es gewohnt, dass die Menschen sie manchmal überrascht anstarren, wenn sie das junge Mädchen Platt schnacken hören. „Ich kann verstehen, dass viele Leute das merkwürdig und ungewohnt finden“, sagt Leonie. Dass sie manchmal angeguckt wird wie ein bunter Hund, störe sie nicht.

Freudiges Erstaunen

Einmal, berichtet Leonie, habe sie in der Schule vom Sekretariat aus ihren Vater angerufen – natürlich hat sie Platt mit ihm gesprochen, anders kennt sie es ja nicht. „Ein Lehrer hat bei dem Gespräch zugehört und hat ganz große Augen bekommen“, erzählt Leonie. Das hören Lehrer nicht oft – junge Schülerinnen, die nicht nur Platt sprechen können, sondern es auch tun. „Für mich ist es wie eine Muttersprache“, sagt Leonie und zuckt mit den Schultern.

Zur jüngsten Sitzung des Wiefelsteder Gemeinderates war Leonie mit ihrer Familie gekommen, weil auch die Gemeinde sie für ihren Erfolg beim Lesewettbewerb ehren wollte. Bürgermeister Helmut Völkers hatte sie nach vorn gebeten, um ihr eine Urkunde und einen Kino-Gutschein zu überreichen, aber auch, um Leonie zu fragen, ob sie nicht etwas sagen wolle.

Die 13-jährige Schülerin hatte einen niederdeutschen Zungenbrecher mitgebracht, doch bevor sie den Spruch aufsagte, fragte sie völlig locker: „Wat schall ik jo denn nu vertell’n?“ Den Anwesenden – Politikern und Gästen – war das schon genug. Sie lachten ebenso erfreut wie erstaunt über den reichlich ungewohnten Klang.

Sandra Binkenstein
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2506

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