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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Es hätte auch sie treffen können

03.09.2019

Wehnen Hätten die zehn Schülerinnen der Carlo-Collodi-Schule aus Linswege nicht heute sondern vor 80 Jahren gelebt – sie wären möglicherweise zwangsweise sterilisiert worden oder hätten, wie 1500 andere Menschen im Oldenburger Land, im Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten ihr Leben lassen müssen. Die Schule in Linswege ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.

Nach einem Besuch der Gedenkstätte in Wehnen hatten die Schülerinnen die Gelegenheit bekommen, die jährliche Gedenkfeier des Gedenkkreises Wehnen mitzugestalten. Am Sonntag, parallel zum Jahrestag des Beginns des 2. Weltkriegs am 1. September hatte der Gedenkkreis, Träger der Gedenkstätte „Alte Pathologie“ wieder zur Erinnerung an die in Wehnen, Blankenburg und dem Gertruden-Heim ermordeten Patienten eingeladen.

Mit bewegten und bewegenden Worten berichteten die Schülerinnen von ihren individuellen Problemen und Defiziten. Zudem stellten sie ein Geocaching-Projekt vor. Die auf Satellitennavigation gestützte „Schnitzeljagd“ beginnt am ehemaligen Peter Friedrich Ludwigs Hospital (PFL) in Oldenburg und führt über viele geschichtsträchtige Stationen nach Wehnen. Außerdem überreichten die Schülerinnen eine Kiste aus den dreißiger Jahren mit ihren verfremdeten Porträts sowie einem Tablet-Computer, auf dem die 1500 Namen der im Oldenburger Land Ermordeten in einer Endlosschleife liefen.

Im gut gefüllten Festsaal der Karl-Jaspers-Klinik hatten sich etwa 100 Personen zum Gedenken versammelt. Eingerahmt von Bachkantaten der Cellisten Dr. Karl- Joseph Burkhard und Dr. Ekkehard Seeber erfolgten mehrere Grußworte. Miriam Ahrenholz, 1. Vorsitzende des Gedenkkreises und Urenkelin einer in Wehnen ums Leben gekommenen Patientin forderte auch im 19. Jahr des Bestehens des Gedenkkreises, stets zu mahnen und dem Vergessen keinen Raum zu geben. Man könne zwar die Vergangenheit nicht mehr ändern, dafür aber die Zukunft. Mit einer Schweigeminute wurde der Toten gedacht. Anschließend folgten Grußworte der Repräsentanten des Landkreises, der Stadt Oldenburg, der Gemeinde Bad Zwischenahn und der ärztlichen Leitung der Karl-Jaspers Klinik.

Übereinstimmend forderten die Redner, die Mahnungen an die nächste Generation zu übertragen, zu erkennen, dass in Wehnen die Würde des Menschen mit Füßen getreten wurde. Rechtes Gedankengut und völkische Phrasen bräuchten stete Empörung und Widerstand. Auch die Schulen müssten stärker thematisch in die Pflicht genommen werden und Besuche in der Gedenkstätte sollten zum festen Bestandteil des Unterrichts werden. Medizinier, so Christian Figge, ärztlicher Direktor der Karl-Jaspers-Klinik, müssten sich bewusst machen, dass sie jederzeit persönliche Verantwortung für ihr Tun übernehmen können müssten.

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