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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Hier wurde Geschichte geschrieben

01.06.2019

Westerstede Die Mädchen stehen ordentlich aufgereiht vor der Brakenhoffschule in Westerstede, brav angezogen, ihre Gesichter sind ernst. Schließlich werden sie fotografiert – ein erhebender Moment. Zu Zeiten, als Deutschland noch einen Kaiser hatte, war ein Foto wertvoll, wurde aufgehoben und an nachfolgende Generationen weitergegeben. Heute ist es im Besitz von Jürgen Boyn aus Hude, dessen Vater und Großvater Lehrer in Torsholt waren. „Das Mädchen dort, die dritte von rechts, ist meine Großmutter Marie Klees“, erklärt er und tippt auf das Schwarzweiß-Bild. Aus welchem Jahr es stammt? Da kann der gebürtige Westersteder nur raten: „Meine Großmutter war Jahrgang 1890 und den Abschluss machte man nach 14 Jahren. Also muss das Foto um die Jahrhundertwende herum entstanden sein.“

Auch Jürgen Boyn hat Erinnerungen an die Schule. 1952 wechselte er aufs Gymnasium, und seine fünfte Klasse wurde aus Raummangel dorthin ausquartiert. Eindeutig zu erkennen ist der wuchtige Eingang der Schule hinter den Kindern. Es handelt sich um ein historisches Gebäude, das bis 1979 an der Kirchenstraße stand und noch vielen älteren Westerstedern vertraut ist. Es wurde vor 40 Jahren abgerissen und an der Von-Weber-Straße durch einen Neubau ersetzt.

Die SChule am neuen Standort

Seit 40 Jahren befindet sich die Westersteder Brakenhoffschule am neuen Standort. Im Sommer 1979 wurden erstmals Schülerinnen und Schüler an der Von-Weber-Straße eingeschult.

Aus diesem Anlass feiert die Schule am 14. Juni von 14 bis 17 Uhr ein Schulfest. Dazu sind alle Ehemaligen eingeladen, insbesondere die Schulanfänger des Jahrgangs 1979. Interessierte Westersteder erhalten Einblick ins Schulleben.

Dem Fest voran gehen Projekttage, die sich mit dem Thema „Schule gestern - heute - morgen“ befassen. Die Ergebnisse werden auf dem Schulfest präsentiert. Zudem bieten einzelne Klassen Spiel- und Mitmachaktionen an, wie eine große Tombola und eine Hüpfburg. Angeboten wird eine Cafeteria und ein Grillstand.

Tatsächlich reicht die Geschichte der Schule viel weiter zurück, als manch einer weiß. Die Anfänge der Brakenhoffschule können bis 1579 zurückverfolgt werden – sie gehört damit zu den ältesten im Ammerland. Ihren Namen erhielt sie aber erst Anfang der 50er Jahre. Vorbild war der ehemalige Hauptlehrer Hermann Brakenhoff (1874 bis 1892).

Wie Hans Wächter in seinem Büchlein „Liebe alte Brakenhoffschule“ zusammengetragen hat, gibt es kein offizielles Gründungsjahr, aber bei einer Kirchenvisitation 1579 gab es sie bereits. Eng verknüpft war in den ersten Jahrhunderten das Schulleben mit der Kirche. Der Schulmeister war gleichzeitig auch Küster und mit der 1687 angeschafften ersten Orgel dann auch Organist.

1641 wurde angeregt, auch in den Dörfern Schulen zu gründen. In den bald darauf gegründeten Nebenschulen in Linswege und Hüllstede wurde aber nicht regelmäßig unterrichtet, sondern nur zeitweise, wenn sich jemand fand, der dazu bereit und dafür geeignet war.

So hatte die Brakenhoffschule 1700 immer noch als Bildungseinrichtung eine zentrale Funktion. Sie stand unmittelbar neben dem Kirchturm. Dieser war aber in einem baulich sehr schlechten Zustand, wie der Chronist schreibt. „Als dann sogar herabfallende Steine das Schuldach durchschlugen, geriet man 1715 ernsthaft in Sorge wegen der Gefährdung der Kinder.“ Die Schüler zogen in ein Nebenhaus um, und an anderer Stelle wurde ein Neubau in Angriff genommen. Das alte Gebäude wurde abgebrochen und das Gelände für Gräber freigegeben. Gebaut wurde auf einem Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche an der Kirchstraße, wo die Schule bis zum Abriss 1979 blieb.

Doch nicht alle Zeiten verliefen ruhig. So wurde 1795 das Gebäude zwangsgeräumt, um dort ein Lazarett für an Ruhr erkrankte Soldaten einzurichten. Es herrschte Krieg zwischen den verbündeten Preußen und Engländern gegen die Franzosen.

„Für die Schüler gab es um 1800 herum 17 Bänke aus Eichenholz und vier lange Schreibtische und einen kleineren“, heißt es in der Chronik weiter. Demnach konnten nicht alle Schüler gleichzeitig an Tischen sitzen und schreiben. Das war auch nicht erforderlich, da nicht alle das Schreiben und Rechnen lernten; das musste noch gesondert bezahlt werden.“

Das Schulgebäude war 1825 baufällig und die Schülerzahlen stiegen. So wurde an der Küsterei ein neuer Anbau errichtet. Der Unterricht unterschied sich auch 1895 noch sehr vom heutigen Schulwesen. Die durchschnittliche Klassenstärke lag bei 58 Schülern, schreibt Wächter. „Zwei Handarbeitslehrerinnen waren die einzigen weiblichen Lehrkräfte.“ Auch Ohrfeigen und Züchtigungen mit dem Stock gehörten zum Alltag.

1922 waren die Schülerzahlen noch einmal so angestiegen, dass die alte Küsterei abgebrochen wurde, um den Schulstrakt durch einen Neubau erweitern zu können. Beim Bauen 1922/23 machte sich die Inflation kräftig bemerkbar – die Endabrechnung belief sich auf 13 589 Billiarden Mark. Später wurde das neue Gebäude auch als Kreisberufsschule genutzt.

Doch vorher schon gab es einen tiefen Einschnitt durch den Krieg. Von April bis August 1945 fiel der Unterricht aus, danach mussten 750 Kinder in sieben Klassenräumen ohne Bücher und Schreibmaterial unterrichtet werden. Durch die hinzukommenden Flüchtlingskinder verschärfte sich die Situation. Besser wurde es, als die Berufsschule 1950 auszog.

Der immer größer werdende Platzbedarf – die Brakenhoffschule musste noch die Kinder aus der aufgelösten Linsweger Schule aufnehmen – führte zu neuen Plänen: Ein zeitgemäßer Ersatzbau sollte an anderer Stelle entstehen. So nahmen die Westersteder wehmütig Abschied vom alten Gebäude. Die Abrissbagger rollten im August 1979 an. Die Schüler besuchten fortan den Neubau an der Von-Weber-Straße.

Kerstin Schumann Redakteurin / Redaktion Westerstede
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