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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Das vertauschte Klassenzimmer

19.09.2019

Westerstede Kalt ist es an diesem Morgen. Nur langsam kämpfen sich wärmende Sonnenstrahlen durch die Äste. Ein Buntspecht schimpft über die unerwartete Lärmbelästigung: 17 Kinder in Gummistiefeln, Turnschuhen oder Boots stapfen im Gänsemarsch durch den angrenzenden Wald am Jaspershof. „Hier ist es ja noch kühler als vor dem Wald“, stellt eines der Kinder überrascht fest. Försterin und Waldpädagogin Imke Reiners, grauhaarig, Zopf, Försterhut mit Feder, Jeans und Wanderstiefel, nickt zustimmend: „Ja, an heißen Tagen kann der Temperaturunterschied sogar bis zu sechs Grad betragen“. Denn nicht nur das Blätterdach schützt vor zu viel Sonne, sondern die Blätter verdunsten an warmen Sommertagen kühlenden Wasserdampf.

Gemeinschaft stärken

Statt Unterricht im Klassenzimmer steht für die „Dwarslooper“, die Krebse, der Grundschule Westerloy an diesem Mittwochmorgen Unterricht im Wald an: „Wir machen das zum ersten Mal“, sagt Klassenlehrerin Kerren Driever. Zum einen steht die Projektwoche Wald im Vordergrund, aber zum anderen gehe auch darum, die Klassengemeinschaft der neu zusammengewürfelten Drittklässler zu stärken und Vertrauen zu schaffen. „In der Schule ist der Unterricht eher platzbezogen, da ist im Wald alles offener und freier“, erklärt die Pädagogin.

Inzwischen sind die Mädchen und Jungen auf einer kleinen Lichtung angekommen. Reiners zieht ein geschnitztes Holzkästchen aus ihrem Rucksack. „Meine Schatztruhe“, sagt sie und öffnet das Kästchen. Sie drückt jedem Kind einen Gegenstand in die Hand, ohne dass die ihn sehen können. „Und, was fühlt ihr?“, fragt Reiners. Eicheln sind dabei, Bucheckern, aber auch Wildschweinzähne und leere Patronenhülsen – von jedem zwei, so dass sich jeweils zwei Kinder zusammen tun, um im nächsten Schritt gemeinsam mit einem Spiegel das Walddach zu erkunden: „Wer schaut sonst schon nach oben?“, fragt Reiners.

Sie führt die Kinder an diesem Morgen spielerisch durch den Wald, lässt sie fühlen, begreifen und sammeln: Blätter, Knospen, Rinden und Früchte. Während die Rinde der Eiche eher knorrig und scharfkantig ist, fühlt sich die Buchenrinde glatt an: „Wie Sandpapier“, findet Emily. In kleinen Gruppen stellen sich die Kinder gegenseitig ihre Ergebnisse vor.

Zwischendurch hüpft dem achtjährigen Erik eine kleine Erdkröte vor die Füße, die er begeistert in die Hand nimmt. „Die setz’ mal schnell zurück“, ermahnt ihn die Försterin, „du würdest es ja auch nicht gut finden, wenn jemand einfach in dein Haus kommen würde, dich unter den Arm klemmt und nach draußen schleppt.“

Inzwischen steht die Gruppe vor einer uralten Stiel-Eiche und betrachtet die Früchte, die an einem langen Stiel sitzen – namensgebend für diese Eichen-Art, weiß Reiners. „Das habe ich gar nicht gewusst“, sagt die Klassenlehrerin Drievers. Beim Unterricht im Wald lernen eben nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene.

Katja Lüers Redakteurin / Redaktion Westerstede
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