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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Wo der Lkw-Fahrer so gut wie blind ist

17.05.2019

Wiefelstede Lkw-Fahrer, die an Kreuzungen und Einmündungen rechts abbiegen wollen, haben trotz mehrerer Spiegel ein eingeschränktes Sichtfeld auf das, was vor und vor allem rechts neben ihrem Fahrzeug vorgeht. Darin steckt nicht nur für Grundschüler, die dort auf einem Geh- und Radweg unterwegs sind, echtes Gefahrenpotenzial. Das lernten am Donnerstag auch Viertklässler der Grundschule Wiefelstede: Der „Schulexpress“ hatte dort Station gemacht und veranschaulichte den Schülern aller vier vierten Klassen, welche Gefahren solche Situationen bergen und wie sich Schüler dabei verhalten sollten.

Die Firma Springer und Sohn aus Oldenburg hatte auf einer Fläche der Firma Imken einen Lkw mit Hänger zur Verfügung gestellt. Fahrer Michael Prieur demonstrierte den Schülern nicht nur, wie ein Lkw mit Hänger beim Rechtsabbiegen durchaus über den Bordstein hinausragen und dort stehende Verkehrsteilnehmer gefährden kann, sondern auch, wie sehr sein Gesichtsfeld trotz sechs vorhandener Spiegel am Fahrzeug vor allem zur Beifahrerseite und nach vorn hin eingeschränkt ist. Verena Nölle vom „Schulexpress“ und Verkehrssicherheitsberaterin Karen Görlich vom Polizeikommissariat Bad Zwischenahn rieten den Kindern, auf dem Geh- und Radweg Abstand zum Lkw zu halten, Blickkontakt zum Fahrer herzustellen und etwa übers Winken auf sich aufmerksam zu machen, bis der Fahrer auf sie reagiert. Was ein 40 oder mehr Tonnen schwerer Lkw anrichten kann, bewiesen an die 40 Unfälle dieser Art pro Jahr in Deutschland, weiß Nölle. Sie erinnerte da nicht zuletzt an den tödlichen Unfall in Oldenburg, bei dem im Januar eine 17-jährige Radfahrerin mit einem 40-Tonnen-Kipplaster zusammengestoßen war.

Die Schüler probten am Donnerstag, sich so zu platzieren, dass der Fahrer sie sehen kann, zu winken und auf eine Reaktion des Fahrers zu warten. Mit einem Absperrband war zuvor der tote Winkel an der Beifahrerseite ermittelt worden. Die Schüler stellten sich in dieses abgesperrte „Dreieck“ – und die ganze Gruppe war vom Fahrer in seinem Führerhaus auch über die Spiegel überhaupt nicht zu sehen.

Für Verena Nölle, die mit anderen Eltern im Jahr 2004 den „Schulexpress“ ins Leben gerufen hatte, ist das Thema „Toter Winkel“ wichtiger Bestandteil der von dieser Initiative angebotenen Verkehrserziehung. Bei einem zweiten Termin am 4. September an der Grundschule Wiefelstede, bei dem es dann einen kompletten Verkehrssicherheitstag geben soll, werden auch die dann neuen Viertklässler auf die Gefahren des „toten Winkels“ hingewiesen.

Der „Schulexpress“ ist nun fester Bestandteil des Grundschul-Alltags in Wiefelstede, denn am Donnerstag wurden acht neue „Schulexpress“–Haltestellen in bis zu einem Kilometer Entfernung rund um die Schule in Betrieb genommen. „Von dort laufen die Kinder in kleinen Gruppen eigenständig zur Schule. „Es hat in der Vergangenheit wirklich unschöne Szenen mit langen Rückstaus auf den Parkplätzen rund um die Schule gegeben, wenn die Eltern ihre Kinder mit dem Auto bringen“, begründete Schulleiterin Doris Tapken, warum sich die Schule vor gut einem Jahr an die Aktion „Schulexpress" gewandt hatte. Mit den nun eingerichteten Haltestellen soll der Autoverkehr rund um die Schule reduziert werden. Die Kinder sammeln praktische Erfahrungen im Umgang mit dem Verkehr, haben Bewegung und kommunizieren miteinander, macht Tapken auf weitere Vorteile aufmerksam. Die Standorte für die Haltestellen hat ein Arbeitskreis „Schulexpress“ der Eltern gemeinsam mit der Polizei erarbeitet, berichtet die Schulleiterin. Zudem organisierten Eltern den Schulweg der Kinder von den jeweiligen Standorten aus selbst. „Viele unserer derzeit 320 Schüler kommen ja auch mit dem Bus“, macht Tapken deutlich, dass die Haltestellen zwar für alle Schüler gedacht sind, jedoch lediglich von einem Teil genutzt werden. „Wir sind schon gespannt, wie sich der Schulexpress auf den Autoverkehr rund um die Schule auswirken wird“, sagt die Schulleiterin.

Verena Nölle freut sich, dass sich mittlerweile mehr als 130 Schulen in Bremen und umzu dem Projekt „Schulexpress“ angeschlossen haben. Auch die Grundschule Metjendorf beispielsweise ist seit September 2017 dabei.

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