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NWZonline.de Region Ammerland Blaulicht

Krankenwagen braucht 28 Minuten zum Einsatzort

23.08.2018

Augustfehn Im Notfall zählt jede Sekunde. Einem kleinen Mädchen aus Augustfehn konnte am Dienstagabend allerdings nicht schnell geholfen werden, denn die Umleitung einer Baustelle war unzureichend ausgeschildert.

kommentar

Das war ein

Warnschuss

Menschen machen Fehler, Schilder können gestohlen werden, klar. Aber dass ein kleines Mädchen 28 Minuten auf Hilfe warten muss, darf einfach nicht passieren. Gemeinden müssen nicht nur kontrollieren, ob Auflagen und Verordnungen eingehalten werden, sondern auch überlegen, ob das Standard-Soll überhaupt ausreichend ist und wirklich alle Eventualitäten bedacht wurden – so etwa die Weitergabe von Informationen an alle Rettungsdienststellen.

Manchmal muss einfach mehr gemacht, intensiver informiert, umfangreicher ausgeschildert werden als es das Gesetz vorsieht. Dieses Mal ist der Notfall glimpflich ausgegangen – ein Warnschuss, der gehört werden sollte.

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Es war 19.40 Uhr, als die knapp drei Jahre alte Nora am Esstisch hochsprang und mit ihrem Brustkorb mit voller Wucht gegen die Tischkante prallte. Nora weinte, atmete sehr hektisch, hatte sich eine sechs Zentimeter lange Abschürfung zugezogen, ebenso einen sofort sichtbaren Bluterguss. Als dann plötzlich noch Blut aus der Nase lief und die Kleine irgendwie apathisch wirkte, alarmierten ihre Eltern den Notdienst.

Laute Sirenen

„Ich rief um 19.42 Uhr also die 110. Natürlich war das der Polizeinotdienst – ich war einfach zu aufgeregt. Um 19.43 Uhr hatte ich dann den Rettungsdienst am Telefon“, erinnert sich Mareike Pargmann. Sie gab die Adresse ihres fünf Jahre alten Hauses durch. Als der Standort nicht lokalisiert werden konnte, nannte sie die Hausnummern der Nachbarn. „Zusätzlich teilte ich mit, dass unsere Hauptzufahrtsstraße wegen einer Baustelle gesperrt sei, und der Rettungswagen unbedingt über die Umleitungsstrecke geschickt werden soll.“ Um 19.46 Uhr legte sie wieder auf.

Noras Nase blutete weiter. Sie schluchzte und klagte über Schmerzen am Brustkorb. Die Familie setzte sich nach draußen auf eine Bank und wartete auf den Rettungsdienst. Kaum waren Sirenen zu hören, lief der Vater los, um das Einsatzteam abzufangen. Sehen konnte er den Wagen, er war hinter der Baustelle an der Straße „An den Moorkämpen“, doch da war kein Durchkommen. Er ging zurück zu seiner Familie. Mittlerweile war es 20 Uhr. Nora hörte langsam auf zu weinen.

Lange Wartezeit

„Mein Mann machte Quatsch und versuchte sie aufzuheitern. Sie lachte! Der Moment in dem dich dein Kind nach so einem Vorfall anlächelt ist unbeschreiblich schön. Ich war so erleichtert! Mit fielen riesig große Steine vom Herzen. Aber auch jetzt war der Rettungswagen noch nicht da“, so Mareike Pargmann. Erst um 20.11 Uhr, 28 Minuten nach dem Anruf, fuhr der Krankenwagen auf den Hof. 28 Minuten für eine Strecke, die mit dem Auto rund zehn Minuten gedauert hätte.

Die Rettungsdienstmitarbeiter kümmerten sich sofort um Nora. Schnell stand fest, dass die Kleine zum Glück nur einen Schock und wohl eine kleine Brustkorbprellung davongetragen hatte – kein Bruch, keine schwereren Verletzungen. „Bezüglich der lange Anfahrt entschuldigten sich die beiden Mitarbeiter“, erläutert Mareike Pargmann. Sie hätten die Straße aufgrund der Baustelle und der außerordentlich schlechten bzw. nicht vorhandenen Umleitungsschilder einfach nicht gefunden.

Ein Satz, der Mareike Pargmann zutiefst erschüttert. Schließlich hatte sie schon vorher die Gemeinde aufgefordert, bessere Lösungen für die Zeit der Bauphase zu finden. „Wir haben davor gewarnt, dass im Notfall keiner diese Umleitung finden wird. Wissen Sie, wie lange Ihnen eine halbe Stunde vorkommt, wenn Sie Angst um Ihr Kind haben?“, fragt Mareike Pargmann.

Mutter erschüttert

Noch am selben Abend macht sie ihrem Ärger Luft, wendet sich an die NWZ, schreibt die Geschichte in den sozialen Netzwerken nieder – und mailt auch Apens Bürgermeister Matthias Huber, teilt ihm ihr Entsetzen mit, dass es soweit kommen musste, ihrem Kind erst so spät geholfen werden konnte.

Gegenüber der NWZ erklärt der Verwaltungschef: „Dass das mit dem Kind geschehen ist, bedaure ich zutiefst.“ Die Verantwortung für die Beschilderung habe bei der Bauleitung, also der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG), gelegen. Das sei vertraglich so vereinbart. Gleiches gelte für die Informierung der Rettungsdienste.

Retter nicht informiert

Diese, so ergaben Recherchen der NWZ, wurden allerdings nur teilweise informiert. So hatte der Rettungsdienst Ammerland Kenntnis von der Baustelle, nicht aber der Rettungsdienst Cloppenburg. Doch gerade dieser hätte davon erfahren müssen, denn aufgrund der Nähe von Augustfehn zur Rettungswache Barßel, hatte die Großleitstelle Oldenburg ein Team aus Barßel zum Einsatz geschickt.

Dörthe Meyer, stellvertretende Leiterin der NLG-Geschäftsstelle Oldenburg, teilte ihr Bedauern über die Geschehnisse mit und erklärte, dass die Beschilderung Sache des Bauunternehmens Post sei. Gleichzeitig betonte sie, dass die NLG die Retter im Ammerland und die Großleitstelle in Oldenburg über die Baustelle informiert habe. Dass sie auch den Rettungsdienst Cloppenburg hätte informieren müssen, sei dem Unternehmen nicht bekannt gewesen. Man sei davon ausgegangen, dass eine Information an die Großleitstelle ausreiche.

Schilder gestohlen

Nachfragen bei Großleitstellen-Chef Frank Leenderts ergaben, dass die Großleitstelle nicht für die Weitergabe solcher Hinweise zuständig ist. Sie muss lediglich über Baustellen in Kenntnis gesetzt werden, um entscheiden zu können, welches Rettungsteam zum Einsatz geschickt wird. Die Mitteilung über Baustellen müssten von den Gemeinden verteilt werden.

Und was ist mit der Beschilderung? Hier schaltete sich am Mittwochnachmittag noch Thorsten Buß vom zuständigen Bauunternehmen Post ein, das die Bauarbeiten im Auftrag der NLG durchführt. Der Geschäftsführer teilte mit, dass von Dienstag zu Mittwoch zwei Schilder gestohlen und einige umgedreht worden seien. Dies sei jetzt behoben worden. Somit sei die Beschilderung wieder so, wie es die verkehrsrechtliche Anordnung fordert.

Anuschka Kramer
Redakteurin
Redaktion Westerstede
Tel:
04488 9988 2602

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NLG | Rettungsdienst Ammerland

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