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NWZonline.de Region Ammerland Blaulicht

„Schutzmann“ bleibt Traumberuf

10.04.2018

Bad Zwischenahn Wann immer man in den vergangenen Jahren in Bad Zwischenahn einen Streifenwagen der Polizei auf der Straße sah, war die Chance nicht schlecht, dass man Raimund Sindermann darin entdeckte. Als Leiter des Einsatz- und Streifendienstes hätte er auch viel öfter am Schreibtisch bleiben können.

Sindermann fand es aber wichtig, nicht nur bei Großeinsätzen auf der Straße zu sein, sondern auch im Alltag. In Zukunft wird sein Platz im Streifenwagen und im Büro von einem anderen besetzt. Ralf Becker, wie Sindermann Erster Polizeihauptkommissar, besetzt den Posten. Für den Vorgänger endete die Dienstzeit Ende März, mit 62 Jahren ist er in den Ruhestand gegangen. Im Gespräch mit der NWZ blickte er auf fast 40 Dienstjahre zurück.

Der Nachfolger

Ralf Becker, (57) erster Polizeihauptkommissar, war zuletzt bei der Polizei in Oldenburg, davor mehrere Jahre bei der Polizei in Varel, ebenfalls bereits als Leiter Einsatz- und Streifendienst.

Der Wiefelsteder freut sich über die neue Aufgabe und hat sich nach eigenen Worten bereits davon überzeugt, dass er in Bad Zwischenahn auf ein eingespieltes Team mit gutem Ruf setzen kann.

Die Einsätze

Manche Einsätze bleiben einem Polizisten ein Leben lang in Erinnerung, Raimund Sindermann fällt als erstes leider ein besonders schrecklicher ein: „Ich wurde zu einem Unfall auf der B 401 gerufen. Das Fahrzeug brannte, der Fahrer war eingeklemmt und ich konnte ihn nicht befreien.“ In solchen Situationen sei es wichtig, mit Kollegen sprechen zu können, um den Fall zu verarbeiten. „Zum Glück hat man erkannt, das Polizisten in solchen Situationen Hilfestellung brauchen. Heute haben wir eine regionale Beratungsstelle, mit geschulten Kollegen, die uns unterstützen“, sagt Sindermann. Auch mit Gefahr für das eigene Leben müssen Polizisten umgehen können. „Ich wurde in meiner Dienstzeit einmal mit einer Waffe bedroht. Wir mussten aber nicht schießen, sondern konnten den Mann dazu bringen, die Waffe wegzulegen.“

Jeden Tag neue Herausforderungen zu erleben, nie zu wissen, was der Tag bringen wird, dass macht für Sindermann den Reiz des Polizeiberufs aus. Eine dieser Herausforderungen, an die er sich gerne erinnert, ist die „Operation Lindwurm“ – der Abtransport amerikanischer Giftgasgranaten über den Midgard-Hafen in Nordenham im Jahr 1990. „Dafür war ich abgeordnet zur Bezirksregierung Weser-Ems.“ Als Sachbearbeiter musste Sindermann die Zusammenarbeit der Polizei mit Bundespolizei, Amerikanern und Bundeswehr mit koordinieren. „Das war schon eine Leistung, die wir da vollbringen mussten“, erinnert er sich.

Der alltag

Oft unspektakulärer, aber nicht weniger fordernd war der Dienst in Bad Zwischenahn, die Koordination von Unfallaufnahmen, Tatortaufnahmen oder Verkehrsüberwachung. „Es kann passieren, dass man an einem Tag drei schwere Unfälle bearbeiten muss, es kann aber auch gar kein Einsatz kommen.“ Dann könnten sich die Kollegen zum Beispiel der Verkehrsüberwachung widmen – auch wenn dafür heute manchmal zu wenig Zeit bleibe.

Die wenigsten Einsätze könnten im Voraus geplant werden, trotzdem sei eine gute Zusammenarbeit mit anderen Behörden wichtig. Und das habe mit den Gemeinden und dem Landkreis immer gut funktioniert. „Besonders froh war ich immer über die extrem gut ausgebildete und gut ausgerüstete Freiwillige Feuerwehr mit ihren großen Einsatzmotivation“, sagt Sindermann. „Ohne die Kameradinnen und Kameraden wären viele Einsätze viel schwieriger gewesen.“

Der Wandel

Im Dezember 1978 ging Sindermann, vorher Zeitsoldat, zur Polizei: „Mein Bruder war schon zwei Jahre in diesem Beruf und schwärmte immer davon.“ Bereut hat er die Entscheidung nicht, aber auch Sindermann hat die Erfahrung gemacht, dass es schwieriger geworden ist. „Früher war der Schutzmann eine Respektsperson. Heute muss man jedes Mal diskutieren, wenn man einen Menschen darüber aufklärt, dass er gerade etwas falsch gemacht hat“, so Sindermann. Dennoch: „Für mich ist und bleibt Polizist ein Traumberuf.“ Weiter im Dienst bleiben wollte er aber doch nicht. „Als ich anfing, war 60 Jahre das Pensionsalter, dann wurde es auf 62 hochgesetzt. Mit 62 im Zweifel einem 16-Jährigen hinterherzurennen ist ganz schön viel verlangt“, sagt Sindermann. „Auch wenn ich selbst nicht mehr in die Verlegenheit gekommen wäre, weil ich ja nicht mehr im Schichtdienst war.“ Der Polizist will sich jetzt auf das Privatleben konzentrieren. „Ich habe gerade geheiratet und wir haben ein Haus in Westerstede gekauft. Da ist viel zu tun“, sagt er. „Langweilig wird mir garantiert nicht.“

Die Kollegen

In Bad Zwischenahn wird man Sindermann vermissen. „Raimund hat trotz des schweren Dienstes nie den Humor verloren“, sagt Heinz Schevel, Leiter des Kommissariats in Bad Zwischenahn. „Er ist jemand, der immer den kurzen Weg und die praktikabelste Lösung sucht. Er ist absolut einsatzerfahren, genießt hohe Anerkennung bei den Mitarbeitern und hat hervorragende Verbindung zu „Land und Lüü“. Das alles, so Sindermann, bringe aber auch Nachfolger Ralf Becker mit. Beide kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Polizei in Rastede. „Wir ticken gleich“, sagt Sindermann. Er fühle sich jedenfalls nach den ersten Tagen im Ruhestand schon ziemlich erleichtert. „Man will ja bis zum letzten Tag 100 Prozent bringen und ein gut aufgestelltes Haus hinterlassen.“

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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