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NWZonline.de Region Ammerland Blaulicht

Rettung bei Wespenstich und Herzinfarkt

21.08.2017

Bad Zwischenahn Wo sich viele Menschen aufhalten, kann auch mal etwas passieren. Medizinische Notfälle gibt es deshalb auf der Bad Zwischenahner Woche jeden Tag – von Wespenstichen über gebrochene Finger bis zu Verletzungen bei Schlägereien oder Zusammenbrüchen, weil jemand zu tief ins Glas geschaut hat.

Um die Behandlung all dieser kleinen und großen Notfälle kümmern sich die ehrenamtlichen Helfer der DRK-Bereitschaft Bad Zwischenahn – jeden Tag von Mittwoch bis Sonntag, vom Start des festes bis tief in die Nacht. Die NWZ hat die Männer und Frauen auf einem Rundgang begleitet und sich im Sanitätsbereich hinter dem Rathaus umgesehen.

Nach langer Planung und Vorbereitung hat am Dienstag vor der Zwischenahner Woche der Aufbau begonnen – und schon der hat es in sich. „Für die Energieversorgung haben wir 435 Meter Kabel verlegt“, sagt Jonas Keppner, stellvertretender Leiter der Bereitschaft. Strom brauchen nicht nur die bis zu drei Fahrzeuge, die die Retter auf dem Gelände bereit halten. Zwei Garagen sind während der Woche zu Behandlungs- oder Ruheräumen umfunktioniert.

In der einen stehen vier Feldbetten. „Für die Besucher, die zu viel getrunken haben und sich mal etwas ausruhen müssen“, sagt Keppner. Nebenan stehen zwei Behandlungsliegen. Beatmungsgerät, EKG, Defibrillator – die Helfer sind auch für schwere Notfälle gerüstet. „Theoretisch könnten wir hier sogar einen Operationssaal aufrecht erhalten“, so Keppner. Ein wahrscheinliches Szenario ist das aber nicht – wer mehr Hilfe braucht, wird mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Das gilt übrigens nicht nur für Woche-Besucher. Während der fünften Jahreszeit deckt die Bereitschaft den Rettungsdienst für den gesamten Ortskern ab. „Wir sind an diesen Tagen von hier aus einfach schneller als der hauptamtliche Rettungsdienst“, sagt Keppner. Der Ausbildungsstand der Ehrenamtler ist dabei identisch mit dem der hauptamtlichen Rettungsdienstler.

Jeden Abend gibt es eine Einsatzbesprechung, Funkgeräte werden ausgegeben, Streifen eingeteilt. Denn die Ehrenamtler warten nicht nur in ihrem Sanitätsbereich auf Einsätze, sie sind den ganzen Abend über in mehreren Gruppen auf dem Festgelände unterwegs.

„Viele auswärtige Besucher wissen ja nicht, wo sie uns auf dem Gelände finden“, sagt Keppner. Nicht nur zwischen den Buden und Zelten sind die Männer und Frauen vom DRK unterwegs – besonders nach Einbruch der Dunkelheit gilt ihre Aufmerksamkeit auch den dunklen Ecken am Seeufer. „Da legen sich gerne mal Leute hin, die zu viel getrunken haben“, sagt Keppner. „Dann sieht man hier plötzlich mal ein Paar Füße aus dem Gebüsch ragen.“

Neben dem Funkgerät und Taschenlampen hat jede Streife einen Rucksack bei sich. Er enthält das Nötigste für die Erstversorgung von Verletzungen – wer mehr Hilfe braucht, kann neuerdings auch mit einer rollbaren Trage in den Sanitätsbereich gebracht werden. „Mit dem Auto ist es besonders abends und am Sonntag fast nicht möglich, auf dem Gelände durchzukommen“, sagt Keppner.

Überhaupt, mit dem Durchkommen haben die DRKler so ihre Probleme. Die Ausfahrt vom Rathaus-Hof auf das Festgelände ist mit Zäunen abgesperrt, die zur Ausfahrt der Rettungswagen beiseite geschoben werden können. Diese Zäune werden leider öfter als Fahrradständer missbraucht – im Ernstfall fehlen dann kostbare Minuten.

Fehlender Respekt, Menschen die Rettungswege blockieren, Pöbeleien, sogar tätliche Angriffe – darüber klagen Retter bei Großveranstaltungen immer wieder. Bei der Zwischenahner Woche halten sich solche Erlebnisse zum Glück in Grenzen, erzählt Bereitschaftsleiter Matthias Janssen. „Es gibt natürlich Patienten, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss aggressiv werden“, sagt er. „Aber wir wissen dann, dass sich das eigentlich nicht gegen uns richtet.“ Einfach sind solche Momente dennoch nicht. „Wir hatten einen Fall, da war ein Patient unter Drogeneinfluss mit Kabelbindern auf der Liege im Rettungswagen fixiert. Er hat sich losgerissen und so um sich getreten, dass er Fußabdrücke unter dem Dach des Fahrzeuges hinterlassen hat“, erinnert sich Janssen. „Nach solchen Einsätzen überlegt man sich, ob man weiter macht. Wenn man eine Nacht drüber geschlafen hat, ist das aber wieder vorbei.“

Und ab und zu gibt es auch mal anerkennende und dankbare Worte für die Helfer. „Meistens kommt das, wenn es schon etwas später ist und die Leute ein bisschen was getrunken haben“, erzählt Jonas Keppner. „Dann werden sie gerne mal etwas redselig.“

Wenn der Großteil der Partygäste den Weg nach Hause angetreten haben, endet auch für die Ehrenamtlichen ihr Dienst – nur am Sonntag nicht. Da wurde der Sanitätsbereich noch in der Nacht wieder komplett abgebaut. Bezahlt wird übrigens keiner der Helfer – jede Minute ist ehrenamtlich. „Als reines Hobby kann man das nicht machen – das ist schon eine Berufung“, sagt Matthias Janssen.

Christian Quapp
Redakteur
Redaktion Bad Zwischenahn
Tel:
04403 9988 2630
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