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NWZonline.de Region Ammerland Blaulicht

See soll Flugzeug frei geben

25.04.2018

Rostrup Viele Jahre hat Boris Koletschka auf diese Gelegenheit gewartet. Schon lange wusste der Segelflieger aus Varel vom Absturz zweier Flugzeuge über dem Zwischenahner Meer am 21. Juli 1942. Bereits 2013 berichtete die NWZ über seine Spurensuche. Denn, so hatte Koletschka herausgefunden: Nur eine der beiden Maschinen, die damals über dem Meer zusammengestoßen waren, (und ihre Besatzung) war damals geborgen worden. Das zweite Flugzeug des Typs Ju88, davon war er überzeugt, lag noch im Schlick auf dem Grund des Sees.

Mehrere Augenzeugen des Absturzes meldeten sich nach dem Bericht 2013, die Gespräche bestätigten seine Vermutung. „Viele von denen, mit denen ich damals gesprochen habe, sind allerdings inzwischen verstorben“, sagt der Vareler. Wenig ist seitdem geschehen, denn nicht nur eine Bergung wäre ausgesprochen teuer. Schon die Suche nach dem Wrack ist schwierig und kaum zu finanzieren. An dieser Stelle kommt Kilian Pallapies (24) ins Spiel. Er stammt aus Bad Zwischenahn und hatte von den abgestürzten Flugzeugen gehört. Inzwischen ist er im Masterstudium Geowissenschaften an der Uni Bremen und musste gemeinsam mit Fynn Warnke (23) und Robin Zindler (22) ein Geländeprojekt für das Fach angewandte Geophysik entwickeln. Pallapies stieß im Netz auf den NWZ-Artikel von 2103 und kontaktierte Koletschka. Der war begeistert von dem Angebot der drei Studenten, die Suche nach dem Wrack zu ihrem Projekt zu machen.

Seit dem vergangenen Sonntag sind die vier Männer mit einem selbst gebauten Messaufbau auf dem See unterwegs. Ein Schlauchboot mit Außenbordmotor zieht zwei Faltboote hinter sich her. Die sind durch eine Holzkonstruktion verbunden und an der Konstruktion hängen im Abstand von 1,5 Metern sechs Sensoren. Je zwei dieser Sensoren sind mit einem Magnetometer auf dem Schlauchboot verbunden. Metallische Objekte verändern das Erdmagnetfeld leicht“, erklärt Pallapies. Diese Veränderungen zeichnen die Sensoren auf. Um Störungen durch den Bootsmotor auszuschließen, werden die Faltboote mit den Messinstrumenten 20 Meter hinter dem Schlauchboot her geschleppt. Die Konstruktion erlaubt den Studenten, den Seeboden auf 7,50 Metern Breite abzusuchen. Noch bis Mittwoch werden die Forscher zwei 200 mal 100 Meter große Meßgebiete abfahren

„Das Boot und der Motor gehören der Uni, genau wie die Messinstrumente“ erläutert Warnke, „die Faltboote konnte Kilian sich leihen.“ Dann blieb aber noch viel Eigenarbeit. Den die Magnetometer sind für den Einsatz an Land gedacht und dürfen nicht nass werden. Auch alle Kabelverbindungen mussten abgedichtet werden.

„Netterweise durften wir unser Equipment beim Zwischenahner Segelklub aufbauen“, sagt Koletschka. Und auch der Landkreis spielte mit, er erteilte eine Ausnahmegenehmigung, damit die Forscher mit ihrem Motorboot vor dem früheren Fliegerhorstgelände suchen konnten. Eigentlich dürfen Motorboote wegen des Landschaftsschutzes nicht auf den See. „An einer Stelle hat einer der Sensoren etwas angezeigt, sagt Koletschka. „Ob dort wirklich etwas liegt, wird sich aber erst zeigen, wenn die Studenten alle Daten ausgewertet haben. Das wird noch eine ganze Zeit dauern.“

Und wenn er mit seinen jungen Helfern das Flugzeug wirklich finden sollte?

Koletschka zuckt die Schultern. „Das Wrack gehört der Bundesrepublik Deutschland. Aber ob die ein Interesse an der Bergung hat?“ Sollte das Flugzeug tatsächlich gehoben werden, müsste es sofort professionell konserviert werden. Das alles würde eine Menge Geld verschlingen. Koletschka allerdings findet: „Die Besatzung sollte, wenn sie noch dort unten liegt, in ihren Gräbern bestattet werden.“ Denn Gräber gibt es – auf dem Friedhof in Bad Zwischenahn. Der Vareler glaubt, dass sie leer sind. „Vermutlich hat man, als die Mannschaft nicht geborgen werden konnte, versucht, auf diese Weise einen Abschluss zu schaffen.“

Lesen sie auch: Vier Gräber geben Rätsel auf


 Ein Video unter     www.nwzonline.de/videos 
Christian Quapp
Redakteur
Redaktion Bad Zwischenahn
Tel:
04403 9988 2630

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