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NWZonline.de Region Ammerland Blaulicht

Bürgermeister fordert sichere Lösung in Vreschen-Bokel

11.10.2018

Vreschen-Bokel Die Sonne steht tief an diesem Mittwochvormittag. Es ist kurz vor 9 Uhr, gleich wird ein Zug den Bahnübergang Eschstraße in Vreschen-Bokel auf seinem Weg nach Augustfehn passieren. Das Blinklicht beginnt zu leuchten, im gleichen Moment fährt ein kleiner Lkw über den Bahnübergang. Hat der Fahrer das Blinklicht nicht gesehen? Kurze Zeit später, nachdem das Fahrzeug den Übergang verlassen hat, jagt der Zug vorbei.

„Hier sind schon zwei Menschen umgekommen“, schnaubt der Lkw-Fahrer, der hinter den Schienen kurz stoppt und sich durch die tief stehende Sonne geblendet sah. „Warum gibt es hier eigentlich keine Schranken, wenigstens Halbschranken?“

kommentar

Wer zahlt für Sicherheit?

Was gestern war, gilt heut’ nicht mehr: Der unbeschrankte Bahnübergang Eschstraße wurde zwar früher wenig genutzt, ist aber heute ein Übergang an einer stark frequentierten Straße. Und nicht nur das: Auch der Bahnverkehr hat auf der Strecke Oldenburg – Leer zugenommen.

Mehr Verkehr – mehr Sicherheit! Das sollte nicht gefordert werden müssen, sondern selbstverständlich sein. Denn ein Personenzug, der mit 100 km/h unterwegs ist, hat bei einer Vollbremsung bis zu 1000 Meter Bremsweg. Das sind andere Dimensionen als auf der Straße. Schutz für die schwächeren Verkehrsteilnehmer muss Priorität haben.

Doch Sicherheit kostet Geld. Für die Bahn ist der Übergang Eschstraße technisch sicher. Wenn Schranken gefordert sind, heißt das, Apen muss mitbezahlen. Will die Gemeinde das? Die Diskussion wird weitergehen.

Die Autorin erreichen Sie unter

Eine Frage, die nicht nur diesen Lkw-Fahrer beschäftigt, sondern viele Menschen umtreibt, die über die Eschstraße fahren.

Vier Wochen ist es her, als an diesem Bahnübergang der Bahnlinie Oldenburg – Leer eine 85-jährige Augustfehnerin starb. Von einem Regionalzug war die Frau mit ihrem Elektrorollstuhl erfasst und getötet worden. Im April 2014 kam hier bereits ein 29-jähriger Autofahrer ums Leben.

Und die Deutsche Bahn? Gegenüber der NWZ hatte eine Bahnsprecherin kurze Zeit nach dem Unfall im September schriftlich mitgeteilt, dass es fast ausschließlich an verkehrsarmen Strecken Bahnübergänge ohne technische Sicherung gebe und Verkehrsteilnehmer hier besonders vorsichtig sein müssten.

Die Eschstraße ist alles andere als eine verkehrsarme Straße, sondern eine beliebte Abkürzung und Augustfehns Umgehungsstraße: Will man z.B. aus Vreschen-Bokel in Richtung Autobahn, wird sie von vielen genutzt; will man aus Augustfehn oder Vreschen-Bokel in Richtung Detern, ist man hier ebenfalls unterwegs. Die Fahrt über den Esch erspart viel Warterei an den Augustfehner Bahnübergängen Südgeorgsfehner Straße und Stahlwerkstraße.

„Übergang sicher“

Nochmals hat die NWZ am Mittwoch nachgefragt, warum es an dem Bahnübergang Eschstraße keine (Halb-)Schranken gibt. Will sich die Bahn ein Bild vor Ort machen und wenn ja, wann? hieß eine weitere Frage an die Pressestelle der Bahn.

Wie eine Bahnsprecherin am frühen Abend in einem Telefonat sagte, sei der unbeschrankte Bahnübergang Eschstraße aus technischer Sicht sicher. Er habe Andreaskreuze, vier Lichtsignale und sei gut einsehbar. Wie stark oder wie schwach der Verkehr dort sei, sei kein Aspekt, der die Bahn beträfe. Das sei Sache des Besitzers der Straße, der Gemeinde Apen.

Wenn die Gemeinde Apen mehr Sicherheit an diesem Bahnübergang wolle, müsse sie das nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz beantragen. Verkehrszählungen habe die Gemeinde dann zu veranlassen. Wenn die Ergebnisse vorlägen, würden Kommune und Bahn gemeinsam über Maßnahmen sprechen und wie diese zu finanzieren seien. Dabei werde die Gemeinde finanziell beteiligt.

Dass die Sicherheit am Bahnübergang Eschstraße in Vreschen-Bokel überprüft wird, dafür macht sich auch Apens Bürgermeister Matthias Huber stark. Den tragischen Unfall im September nahm er zum Anlass, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Richard Lutz, zu schreiben. Huber weist darauf hin, dass ein unbeschrankter Bahnübergang an dieser viel befahrenen Straße seiner Ansicht nach absolut nicht mehr zeitgemäß sei. Vor Jahren habe es sich noch um einen für die Landwirtschaft notwendigen Übergang zur Erschießung der Felder gehandelt. Durch den Ausbau der Straßen im Rahmen der Flurneuordnung habe auch der Privatverkehr zugenommen.

Bald eine Antwort

 Der Bahnübergang Eschstraße läge, so Huber, mitnichten an einer verkehrsarmen Strecke. Obendrein habe der Bahn- und insbesondere der Güterverkehr stark zugenommen. Aufgrund des jüngsten tragischen Unfalls bittet Huber eindringlich darum, den Bahnübergang Eschstraße zumindest mit einer Halbschranke auszustatten, damit dort weitere Unfälle verhindert werden könnten. Eine Antwort auf sein Schreiben sei, so erklärte die Bahnsprecherin, in Arbeit.

Doris Grove-Mittwede
Redakteurin
Redaktion Westerstede
Tel:
04488 9988 2605

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