• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Ammerland Blaulicht

Wie Cannabis ein Leben verändert

15.07.2017

Wehnen Als Elfjähriger kam Max (Name geändert) das erste Mal durch eine Klassenkameradin mit Cannabis in Berührung. Bald kiffte er jeden Tag und mit 15 war er abhängig. Zuletzt drehte sich sein gesamter Alltag um die Droge. „Das Erste, was ich nach dem Aufstehen gemacht habe, war eine Pfeife stopfen oder einen Joint rauchen“, sagt der 19-Jährige heute. Nachts war er unterwegs und dealte mit Drogen, um seinen eigenen Konsum zu finanzieren, tagsüber schlief er. Durchschnittlich konsumierte er zehn Gramm Cannabis am Tag, an manchen Tagen bis zu 30 Gramm. Rund 10.000 Euro benötigte er monatlich für seine Sucht.

„Das schafft dann nur der Suchtdruck“, erklärt Kai Rettberg, Oberarzt der Karl-Jaspers-Klinik für die Station zur Entzugsbehandlung von illegalen Drogen. Seit rund zwei Wochen ist Max dort in Behandlung. Die Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie besteht aus vier Stationen und hat insgesamt 89 Betten.

Max hat schon öfter über einen Entzug nachgedacht. Die eigentliche Motivation dazu kam letztlich doch aus der Familie. „Mein kleiner Bruder wollte den Kontakt abbrechen, wenn ich nicht aufhöre.“ Seine ersten Tage in der Klinik waren schwierig – der Entzug machte sich besonders durch vieles Schwitzen und Einschlafprobleme bemerkbar. Nur durch Medikamente konnte er abends einschlafen. „Ich fand das schon richtig heftig“, erklärt Max.

Hilfe für Süchtige

Allgemeine Informationen zur Akutaufnahme in die Klinik der Suchtmedizin der Karl-Jaspers-Klinik gibt es unter Telefon   04 41/ 9 61 53 34. Eine Übersicht der Kontakte der verschiedenen Stationen der Klinik finden Sie unter

Jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr können sich Betroffene an die offene Beratung der Fachstelle für Sucht und Prävention Rose 12 wenden. Infos unter Telefon   04 41/8 35 00.

Eine bundesweite Drogen- und Sucht Hotline ist unter Telefon   0 18 05/ 31 30 31 erreichbar.

www.karl-jaspers-klinik.de/behandlung/aufnahme

Zuhause hätte er das nicht geschafft, denn um vorm Einschlafen zu entspannen, hätte er vermutlich wieder zu einem Joint gegriffen, so Rettberg. Obwohl Cannabis öfter verharmlost wird, haben die Patienten auch mit der psychischen Abhängigkeit zu kämpfen. Auch den Kontakt zu vielen Freunden musste Max abbrechen, da einige selbst drogenabhängig sind. Vor dem Entzug hat er 90 Kontakte in seinem Smartphone blockiert, um nicht wieder durch sie angestachelt zu werden.

Beschaffungskriminalität

Andere Patienten bekommen auch Medikamente zur Entzugsbehandlung, welche dann schrittweise während der Therapie ausgeschlichen werden. Durch eine Substitutionsbehandlung werden die Begleitrisiken des Heroinkonsums, wie andere Erkrankungen durch eine verschmutzte Nadel, gemindert. Auch die Beschaffungskriminalität, um an Geld zu gelangen, soll dadurch eingedämmt werden.

Nach dem Entzug steht bei Max – wie für viele andere Patienten auch – eine Therapie an. Darin wird sich darauf konzentriert, wieder eine Tagesstruktur für die Drogenkranken herzustellen. „Die konzentrieren sich nur noch auf den Suchtstoff und machen gar nichts anderes mehr“, erklärt der Oberarzt. Sie stehen morgens auf und überlegen direkt, wie sie an die Droge kommen oder an Geld, um die Sucht zu finanzieren.

In der Klinik sieht das anders aus: Morgens früh aufstehen, Frühstück, verschiedene Aktivitäten wie Sport und Einzel- sowie Gruppentherapien stehen auf dem Plan der Patienten. Diese Struktur soll auch ein positives Gefühl vermitteln, etwas geschafft zu haben, ohne dass Drogen dieses Gefühl künstlich herbeigeführt haben. Doch nicht jeder Patient macht so eine Therapie nach dem Entzug. „Ohne Therapie werden viele rückfällig“, erklärt Prof. Dr. Jörg Zimmermann, Direktor der Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie.

Ursachenforschung

Auch die Ursache der Sucht und andere Krankheiten werden in der Therapie aufgearbeitet. Man dürfe nicht vorschnell urteilen und sagen, Drogensüchtige haben selbst Schuld an ihrer Situation, sondern man müsse herausfinden, wozu der Patient konsumiert, berichtet Rettberg. Bei Cannabis-Konsum könnte zum Beispiel auch zusätzlich eine affektive Erkrankung (z.B. eine Angsterkrankung) vorliegen und der Suchtkranke konsumiert dann mitunter auch, um sich zu entspannen.

Bei Max wurde als Kind ADHS diagnostiziert. Laut Rettberg kann bei ADHS-Patienten eine frühe Neigung zu Suchtstoffen vorkommen. Darüber hinaus hat der 19-Jährige noch mit einer weiteren Krankheit zu kämpfen: Diabetes. Gerade im Zusammenhang mit Drogenkonsum wurde es dann gefährlich. „Je älter ich wurde, desto mehr habe ich das vernachlässigt.“ Durch häufigen Cannabis-Konsum können Süchtige motivationslos, apathisch sowie interessenlos werden, sie ziehen sich häufig immer mehr zurück. Bei Teenagern, deren Gehirn noch nicht ausgereift ist, kann es zu Gedächtnisstörungen und Schädigungen des emotionalen Systems kommen.

Durch die Auswirkungen der Sucht hat Max nicht nur sich, sondern auch seine Diabetes-Krankheit vernachlässigt. Als Diabetiker ist die richtige Ernährung ein wichtiger Faktor. Er hat jedoch wenig gegessen und wenn, dann nur Süßes, was sich negativ auf seinen Blutzuckerwert auswirkte. In der Klinik wird ihm sein Handeln bewusst.

Nach zwei Wochen im Entzug geht es für Max bergauf. „Ich fühle mich schon wesentlich besser.“ Besonders die Struktur hilft dem 19-Jährigen, wieder Kontrolle über sein Leben zu bekommen. Nach seinem Klinikaufenthalt möchte der 19-Jährige als Zimmermann ausgebildet werden.

Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Weitere Nachrichten:

Karl-Jaspers-Klinik