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NWZonline.de Region Ammerland Blaulicht

Wie ein Rasteder zum Lebensretter wurde

30.05.2017

Hankhausen Wenn Pham Huy Hoang unter der Dusche steht und kaltes Wasser sein Gesicht trifft, kommen manchmal noch immer Angstgefühle auf. Als Fünfjähriger trieb er mit seiner Mutter und über 100 anderen so genannten „Boatpeople“, gepfercht in eine kleine Barke, im Pazifischen Ozean, um dem kommunistischen Regime in Südvietnam zu entkommen – 32 Jahre ist das inzwischen her. „Die Wellen warfen eine Menge Wasser in unser Boot und brachten es langsam zum Kentern“, erzählt Pham Huy Hoang im Dorfkrug Küpker in Hankhausen. Dort feierte der Rasteder Manfred Schander am Wochenende seinen 80. Geburtstag und hatte dazu auch 24 Männer und Frauen eingeladen, allesamt sogenannte „Boatpeople“.

Schander war Kapitän des Rettungsfrachters „Anja Leonhardt“. Als dieser vor 32 Jahren auf dem Weg von Casablanca nach Taiwan war, kreuzte im Südchinesischen Meer ein marodes Flüchtlingsboot seinen Kurs. An Bord der zehn mal drei Meter großen Barke waren 110 Menschen, darunter auch Pham Huy Hoang. Am 24. Oktober 1985 um 20.50 Uhr nahm Kapitän Schander die Schiffbrüchigen an Bord.

Hintergrund zu den „BoatPeople“

Der Begriff „Boatpeople“ bezeichnet ursprünglich Menschen, die in der Folge des Vietnamkrieges in Südostasien flohen. Heute wird er auch für Menschen aus anderen Regionen verwendet, die in Booten fliehen. Mehr als 1,6 Millionen Vietnamesen versuchten, in den 1970er und 80er Jahren per Boot über das Südchinesische Meer ins Ausland zu gelangen.

Unter ihnen war auch Bathio Luong. Der damals 20-Jährige hatte lange Zeit Albträume. Heute geht es ihm und auch Pham Huy Hoang gut. Letzterer wuchs nach der Rettung in München auf und ist inzwischen als Informatiker in der Schweiz tätig. Im November wird er Vater. Bathio Loung lebt in Berlin und arbeitet als Elektroniker für Energieanlagen.

„Viele Schiffe waren vorher vorbei gefahren“ erinnert sich Pham Huy Hoang an die Zeit vor der Rettung. „Es ist weder in Worten zu beschreiben noch vermag eine Sprache auszudrücken, welche tiefe Dankbarkeit wir gegenüber Kapitän Schander empfinden“, sagt Pham Huy Hoang in Hankhausen.

Die Reederei hatte Schander nicht so recht geglaubt, als er die Anzahl der Flüchtlinge mit 110 angab. „Bitte berichtigen Sie auf 10“, hieß es per Funk. Aber es blieb bei 110. Die USA und Deutschland hatten damals je zur Hälfte für die Übernahme der Passagiere gebürgt. „Auch, weil man sowohl in den USA als auch in Deutschland gute Erfahrungen mit dem Integrationswillen der Vietnamesen gemacht hatte“, so Schander.

In Pulawan in Süd-Sumatra (Indonesien) gingen die Flüchtlinge damals von Bord und wurden vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen aufgenommen, bevor sie sich in alle Erdteile verstreuten.

In Hankhausen wurden nun viele Erinnerungen ausgetauscht, häufig noch in der Muttersprache, wenn das deutsche Vokabular nicht ausreichte, wobei alle fließend Hochdeutsch sprechen. „Wir nennen Manfred immer noch gern Papa“, sagen einige Gäste. „Er hat uns gerettet, und das ist wie ein zweiter Geburtstag“, sagt Bathio Luong und betont: „Unser Schicksal hing an einem seidenen Faden, der über Leben und Tod entschied.“

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