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Freunde und Verwandte helfen Nach Schlaganfall von Mutter halten auf Hof in Borbeck alle zusammen

Jens Schopp
Ohne sie geht es nicht: Freunde und Verwandte von Joachim Strahler (mit Tochter Alia auf dem Arm) helfen auf dem Hof, wo es geht. Auch Tochter Mia (7. von rechts) fasst bei jeder Gelegenheit mit an, um die Tiere zu versorgen.

Ohne sie geht es nicht: Freunde und Verwandte von Joachim Strahler (mit Tochter Alia auf dem Arm) helfen auf dem Hof, wo es geht. Auch Tochter Mia (7. von rechts) fasst bei jeder Gelegenheit mit an, um die Tiere zu versorgen.

Jens Schopp

Borbeck - Die Begriffe Solidarität und Zusammenhalt haben für Joachim Strahler eine ganz neue Dimension bekommen, leider vor einem dramatischen Hintergrund. Ende Juni bekam seine Ehefrau Antje einen schweren Schlaganfall. Seitdem liegt die 39-Jährige im Krankenhaus. Ohne die Hilfe von Verwandten und Freunden wäre das Leben der Familie auf ihrem Hof in Borbeck nicht zu stemmen.

Denn neben den beiden Töchtern Mia (13) und Alia (5) gehören noch sieben Pferde, zwei Hunde und vier Katzen zur Familie. Mit den Tieren verdiente Antje Strahler noch etwas zum Familieneinkommen hinzu. Sie gab Reitstunden, Pferdecamps oder -workshops. In Teilzeit hat sie auch an Krebs erkrankte Kinder gekümmert. „Sie ist der mitfühlendste Mensch, den ich kenne“, sagt Schwester Maren Gärtner. Mit dem zusätzlichen Geld wurden auch die Tiere versorgt. „Das wäre mit meinem Einkommen alleine alles nicht zu schaffen“, sagt der Standortleiter Service bei Brötje-Automation in Loy. Dieses Zusatzeinkommen fällt jetzt erst einmal auf unbestimmte Zeit weg, falls Antje Strahler überhaupt wieder in den Sattel kommt.

Viele Probleme

Aber das ist nur eines der vielen Probleme, mit denen sich Joachim Strahler und seine Kinder derzeit herumschlagen.

Hart ins Gericht geht der 44-Jährige mit den Krankenkassen. „Von denen ist außer Antragsformularen bisher gar nichts gekommen.“ Noch immer wartet der Familienvater auf eine Haushaltshilfe. Da er in seinem Job viel unterwegs ist, kümmert sich die Verwandtschaft um die beiden Töchter.

Und auch die Freunde sind aktiv. Die sorgen sich vornehmlich um die Tiere, besorgen das Futter oder säubern die Anlagen. Alles Dinge, die Joachim Strahler neben seiner Berufstätigkeit nicht leisten kann.

Schließlich will er so oft wie möglich seine kranke Frau in der Klinik im emsländischen Lingen besuchen. Das sind bei einer Fahrt über die Autobahn 150 Kilometer und dauert rund eineinhalb Stunden. Auf die Einrichtung ist er alles andere als gut zu sprechen. Die Besuchszeit ist bis 18 Uhr begrenzt. Die erforderlichen Coronatests werden in der Klinik erst ab 15 Uhr abgenommen, die Besuchszeit zu überziehen, gehe gar nicht. Strahler ist stocksauer. „Beim letzten Mal habe ich meine Frau gerade mal zehn Minuten besuchen dürfen.“ Und nicht zuletzt den beiden Kindern fehle die Mutter sehr.

Sprache wiederfinden

Und längere Besuche seien wichtig, gerade jetzt, wo Antje Strahler ganz, ganz langsam ihre Sprache wiederfinde. „Sie lebt ja wie in einem Schneckenhaus. Sie versteht alles, kann sich aber kaum artikulieren. Das ist wie Einzelhaft“, berichtet der Ehemann. Mittlerweile habe man eine Ebene der Kommunikation gefunden. Die schlimmste Zeit sei vorüber, sagt Joachim Strahler. Ziel sei es jetzt, eine Verlegung von Antje Strahler in eine Oldenburger Klinik zu erreichen. Das würde die Situation in der Familie erheblich entspannen.

Damit der Betrieb auf dem Hof mit den Tieren so weiter laufen könne, braucht es Geld. Einige Spenden seien hereingekommen, aber es brauche was Dauerhaftes. „Antje soll alles wieder so vorfinden, wie sie es kennt. Die Tiere sind auch ihr Leben“, so der Ehemann.

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