Ammerland - Mal eben einen Film runterladen, das Büro gegen das Homeoffice tauschen oder nur Schulaufgaben online bearbeiten – für viele Menschen im Ammerland ist das schlicht nicht möglich. Sie wohnen in Gebieten, die man weiße Flecken nennt. Und dort ist das Internet so langsam, dass man Kaffee kochen kann, bis sich eine komplexe Seite am Bildschirm aufbaut. 5624 Haushalte gibt es kreisweit, die mit maximal 30 MBit/s versorgt sind. Damit kann man online nur ganz simple Dinge erledigen. Und auch nur, wenn die anderen Hausbewohner nicht das WLAN nutzen.
780 Gewerbestandorte
So wie diesen Haushalten geht es auch 780 gewerblichen Standorten – vor allem landwirtschaftliche Betrieben oder Baumschulen abseits der bereits gut angeschlossenen Gewerbegebiete. Damit soll es Stück für Stück vorbei sein. „Bis 2025 werden die weißen Flecken ans Giganetz angeschlossen“, verspricht Erster Kreisrat Thomas Kappelmann. Im Bereich Godensholt/Apen/Augustfehn läuft der Ausbau schon seit März.
Der Landkreis lässt sich das viele Millionen kosten. Doch auch das Land unterstützt den Ausbau. Nachdem es vor zwei Jahren bereits rund 9,7 Millionen Euro aus Hannover gab, war nun Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) wieder mit viel Geld im Kreishaus zu Besuch. Förderbescheide über insgesamt knapp über acht Millionen Euro hatte er mitgebracht.
„Eine Breitbandversorgung gehört ebenso wie Straßen, Strom oder Wasser zur Daseinsvorsorge“, sagt der Wirtschaftsminister. Gewerbegebiete ohne digitale Infrastruktur seien jetzt schon nicht mehr denkbar. Aber gerade in der Fläche, auf dem platten Land, ist der Nachholbedarf groß. Was auch daran liegt, dass die Telekommunikationskonzerne lieber in Großstädten investieren. Da lassen sich mit ein paar Kabeln Tausende Kunden anschließen, auf dem Lande ist es genau umgekehrt. Weshalb hier die Chancengleichheit mit Steuermitteln hergestellt werden muss.
Eine Milliarde Euro
In dieser Legislaturperiode hat das Land dafür eine runde Milliarde Euro in die Hand genommen. „In den letzten dreieinhalb Jahren haben wir den Anteil der Haushalte mit Gigabyte-Fähigkeit von sechs auf 63 Prozent gesteigert“, sagt Althusmann, in dessen Ministerium auch das „Digitale“ angesiedelt ist. Zwölf weitere Prozent sind aktuell in Planung. Von den Schulen sind 96,3 Prozent bereits im Gigabyte-Zeitalter angekommen oder werden es demnächst sein. Bei Kliniken und Rehaeinrichtungen liegt die Quote bei 93 Prozent.
Althusmann lobte auch den Landkreis Ammerland, der sehr früh Projekte angeschoben habe. Dadurch sei man hier auch etwas weiter als in anderen Flächenkreisen. Wie wichtig die Digitalisierung ist, zeigten gerade die aktuellen Krisen. „Intelligente Heizungs- und Energiesteuerung, bessere Abläufe in der Verwaltung oder die Bereiche Smart-Farming, Home-Schooling und Homeoffice gehen nur mit der entsprechenden Anbindung“, so Althusmann.
Auch die nächste Landesregierung müsse weiter in die Digitalisierung investieren, so der Wirtschaftsminister. Dafür ist seiner Meinung nach erneut eine Milliarde notwendig.
