Rastede - Krise bei Broetje-Automation: Das Unternehmen, das Maschinen und Anlagen zur Montage von Flugzeugen plant und realisiert, wird weltweit rund 200 Arbeitsplätze streichen. Auch am Hauptsitz in Rastede seien „umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen unumgänglich“, teilte das Unternehmen auf Anfrage unserer Redaktion mit. Damit reagiere Broetje-Automation auf den deutlich rückläufigen Auftragseingang. Dieser sei eine Folge der anhaltend negativen Marktlage in der Luftfahrtindustrie, hervorgerufen durch die Corona-Pandemie.
Arbeitsplätze sichern
Lutz Neugebauer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Broetje-Automation, sagte dazu: „Angesichts des Marktumfelds sind die nun ergriffenen Maßnahmen notwendig, um die verbleibenden 430 Arbeitsplätze zu sichern und dem Unternehmen eine langfristig erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen. Wir arbeiten mit den Betriebsräten eng zusammen, um eine solide Basis für eine gute Zukunft des Unternehmens zu schaffen.“
Broetje-Automation ging 1979 aus dem alteingesessenen Rasteder Unternehmen August Brötje für Maschinenbau und Heiztechnik hervor. Seit 2016 gehört das Unternehmen zur chinesischen Shanghai Electric Group.
Broetje-Automation ist nach eigenen Angaben „der weltweit führende Experte für Produktionsprozesse der Luft- und Raumfahrtindustrie“. Rund 630 Mitarbeiter werden weltweit beschäftigt, die meisten, etwa 400, in Rastede.
Bereits 2019 sei für Broetje-Automation nicht einfach gewesen, sagte Norbert Steinkemper, Leiter Kommunikation und Marketing bei Broetje-Automation, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Probleme mit der Boeing 737 Max hätten auch bei Broetje-Automation zu Einschnitten geführt. Kurzarbeit habe seinerzeit vermieden werden können. Es seien auch keine Mitarbeiter entlassen worden. Allerdings sei auch kein Personal mehr eingestellt worden.
In das Jahr 2020 sei das Unternehmen wieder sehr zuversichtlich gegangen. „Doch dann kam Corona“, sagte Steinkemper. Der Flugverkehr erreiche zurzeit nur rund zehn Prozent des Volumens, das er vor dem Ausbruch der Pandemie hatte. „Die Airlines fliegen nicht, brauchen also auch keine Flugzeuge“, erläuterte Steinkemper.
In der Folge hätten auch die Flugzeughersteller ihre Produktionsraten heruntergefahren. Aufgrund der fehlenden Auslastung hatte Broetje-Automation bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um neue Geschäftsfelder in anderen Branchen zu erschließen. „Wir haben über den Sommer bereits beachtliche Ergebnisse neuer Projektansätze in der Textilindustrie, der Gesundheitswirtschaft und anderen Branchen erreicht. Gleichwohl können die neuen Ansätze nicht den massiven Rückgang in der Luftfahrtindustrie kompensieren“, sagte Neugebauer.
Kurzarbeit hilft nicht
Im Herbst habe sich mehr und mehr verfestigt, dass sich an der Situation so schnell nichts ändern werde. In den kommenden zwei bis drei Jahren werde man nicht wieder das Niveau der Passagierzahlen von 2019 erreichen. Das heißt: Firmen wie Broetje-Automation werden mittelfristig nicht in die Nähe ihrer bisherigen Produktionsraten kommen. „Das können wir auf Dauer nicht mit Kurzarbeit abdecken“, so Steinkemper.
Reaktionen zum Stellenabbau
Martina Bruse, Geschäftsführerin IG Metall Oldenburg: „Die Luftfahrtkrise hat Broetje-Automation voll getroffen. Wir haben da ein Riesenproblem. Gemeinsam mit dem Arbeitgeber versuchen wir jetzt, eine möglichst sozialverträgliche Lösung zu erarbeiten. Wir stehen zurzeit noch ganz am Anfang der Verhandlungen. Zwei Verhandlungsrunden fanden bisher statt. Im Januar werden die Gespräche fortgesetzt. Der Austausch mit dem Arbeitgeber in dieser Situation ist sehr gut, so etwas ist nicht immer selbstverständlich. Wichtig ist es, die Zukunft im Blick zu haben. Es wird auch eine Zeit nach Corona geben.“
Klaas Epkes, Betriebsratsvorsitzender Broetje-Automation: „Die Stimmung in der Belegschaft ist gedrückt, nicht nur wegen der beschlossenen Maßnahmen, sondern wegen des gesamten Jahres, das im Zeichen von Corona stand. Unser Ziel ist es jetzt, so viel Personal wie möglich zu retten und das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.“
Lars Krause, Bürgermeister der Gemeinde Rastede: „Die Gemeinde Rastede hat die Mitteilung, wonach Broetje-Automation ein Drittel seiner weltweit rund 600 Beschäftigten entlassen muss, mit Bestürzung zur Kenntnis genommen. Im Rahmen eines kürzlich geführten Gesprächs mit der Geschäftsführung habe ich zum Ausdruck gebracht, dass die Gemeinde an der Seite der Beschäftigten und des Unternehmens steht.“
