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NWZonline.de Region Ammerland

Zucht: Ohne Stau in Richtung Ostsee

05.09.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-09-05T09:06:50Z 280 158

Zucht:
Ohne Stau in Richtung Ostsee

Burgforde/Usedom Ganz unauffällig sieht der Transporter aus, der auf einem Firmengelände in Burgforde steht. Aber er birgt eine kostbare Fracht: rund 1400 Hochleistungs-Brieftauben. Die Vögel sind von Usedom nach Westerstede gebracht worden, damit sie im Anschluss über den Luftweg zurückfinden sollen.

Organisatorische Hilfestellung beim Start leistet der Brieftaubenzuchtverein „Ammerlandbote“ aus Bad Zwischenahn. Vorsitzender Hartmut Fischer und einige Zuchtfreunde sind vor Ort, um tatkräftig mitzuhelfen und zu versichern, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Denn beim Finalflug nach Usedom geht es um einiges: Als erster Preis sind 13 000 Euro für die schnellste Taube ausgelobt. Es gilt, insgesamt 410 Kilometer Luftlinie in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen.

„Die Tauben sind an den Standort Usedom gewöhnt, obwohl sie internationale Besitzer haben“, erklärt Fischer. Auch wenn die Tiere alle erst in diesem Jahr geboren wurden, haben sie doch schon ein großes Trainingsprogramm hinter sich. Ihre Flugfähigkeit wurde bereits auf kleineren Strecken getestet, um sie fit zu machen für den Finalflug.

Während die Experten immer wieder gen Himmel sehen, um Wind und Wolkenformationen zu beurteilen und auf die günstigsten Witterungsbedingungen für den Start zu warten, erhalten die Tauben Futter und Wasser. „Die sind ja wie Hochleistungssportler“, sagt Fischer. Nur gut versorgte und gesunde Tauben könnten solche Entfernungen problemlos zurücklegen. Allerdings, das weiß er auch, würden immer einige Tiere durch Raubvögel oder Hindernisse verloren gehen.

Als ob die Tauben den großen Moment des Starts vorausahnen würden, werden sie unruhig, als die Züchter schon mal vorsorglich die Haken ihrer Käfige umlegen. Nachher muss alles ganz schnell gehen – die Klappen müssen kurz hintereinander aufgehen, damit alle Vögel beim Abheben dieselben Bedingungen haben.

Längst haben die Tauben das Interesse an Futter und Wasser verloren und beginnen, ihre Flügel zu dehnen. Manche sind hell, andere dunkel. Eine einheitliche Linie ist nicht auszumachen. „Bei unserer Zucht geht es nicht um Schönheit, sondern um Leistung“, erklärt der Fachmann. Was er an diesem Hobby so schätze? „Die Heimatliebe der Tauben“, sagt Fischer. Bei den Wettkämpfen könne man außerdem sofort die eigenen Zuchtergebnisse beurteilen.

Auch für die Usedomer Tauben kommt nun der große Moment: Alle Klappen gehen auf, und Sekunden später ist der Himmel schwarz vor Vogelschwingen. Ein riesiger Schwarm bewegt sich in Richtung Ostsee. Das wird jedoch nicht so bleiben, weiß Fischer. Sie werden sich in kleinere Gruppen aufteilen. „Manche legen Tempo vor, andere bleiben zurück, wie bei den Sportlern.“

Während sich die Vögel durch die Lüfte kämpfen, haben die Züchter auf Usedom die Uhr im Blick. Pünktlich um 9.45 Uhr sind die Tauben abgehoben, wenige Stunden später sollten sie zurückgekehrt sein. Wer wie schnell ist, wird per Chip-Ring ermittelt. „Mit einer Fluggeschwindigkeit von 1324 m/min trafen um 14.54 Uhr zwei Tauben gemeinsam an der Schlaganlage in Neppermin ein und konnten den Tagessieg unter sich ausmachen, da sie einen geringfügigen Vorsprung vor einer kleinen Verfolgergruppe herausgeflogen hatten“, heißt es am Ende des Wettkampfes. Die letzten Heimkehrer erreichen ihr Ziel allerdings erst in den Abendstunden. Für die Usedomer Tauben ist damit erst einmal ihre Mission beendet – bis zum nächsten Wettkampf.