Westerstede - Wer schon mal bei einem Regenschauer im Wohnwagen oder im Wohnmobil gesessen hat, der wird vielleicht festgestellt haben, dass das Prasseln auf das Dach auch etwas Gemütliches haben kann. Ein Schauer in zwei Wochen Urlaub würde auch sicherlich keinem Camper etwas ausmachen. In diesem Sommer ist das Regenprasseln und das Verweilen im Wagen oder Vorzelt schon zur Gewohnheit geworden. Das sorgt dafür, dass einige Camper ihren Urlaub abgebrochen und andere ihn gar nicht erst angetreten haben. Die Leidtragenden: Die Campingplatzbetreiber im Ammerland. Nach einem vielversprechenden Saisonstart gucken sie inzwischen mehr als bedient auf den Wetterbericht. Die Saison ist für sie gelaufen.
Besser als Corona
Der Camping- und Wohnmobilstellplatz von Tim Nixdorf in Westerstede spricht vor allem ältere Radurlauber an. Doch eine Radtour durch das Ammerland gibt es in diesem Sommer eigentlich nur mit Regengarantie. Die Folge: Viele freie Plätze. Dabei hatte das Jahr für ihn so gut angefangen. Rhododendronblüte im Ammerland, Rhododendronschau in Westerstede und gutes Wetter – sein Platz war so voll wie noch nie. Vorsichtig nahm er ein mögliches Rekordjahr in den Blick. Das ist inzwischen weit entfernt. Nixdorf bleibt aber optimistisch, sagt, es sei immer noch besser als zu Corona-Zeiten. Er ist auch der Meinung, dass der Camping-Boom der letzten Jahre generell etwas abgeflacht ist. „Die Leute fliegen wieder in den Urlaub“, sagt er. Dennoch spiele auch das Wetter eine große Rolle. „Wir wollen uns nicht beschweren, aber es könnten mehr Gäste sein, natürlich“, so Nixdorf.
Volker Oeltjen vom Campingplatz Oeltjen am Zwischenahner Meer spricht in einem deutlichen Wort aus, was er von der Campingsaison hält: „Beschissen“, sagt er. „Die Leute buchen und sagen dann massenhaft ab. Da kannst du nichts machen“, so Oeltjen. Er sei in diesen Tagen froh, dass er mehrere Standbeine habe. Das vergangene Jahr sei noch „bombastisch“ verlaufen. Inzwischen habe auch er allerdings erfahren, dass viele Urlauber wieder Auslandsreisen anstrebten. Also nicht nur der Regen, auch das Ausland macht den Stellplätzen im Ammerland in diesem Jahr das Leben schwer.
Bei Laune halten
Lars Hanekamp hofft unterdessen, die verbliebenen Besucher im Ferienpark Bernsteinsee in Conneforde bei Laune zu halten. Ein Kinonachmittag und ein Kindernachmittag wurden organisiert. Der See lockt zwar mit angenehmen Temperaturen, doch „wer geht schon bei Regen baden?“, fragt sich Hanekamp. 100.000 Übernachtungen erzielt der Platz in „normalen“ Jahren. Das sei dieses Jahr wohl nicht drin, so der Geschäftsführer. Doch auch ihm bleibt nur die ernüchternde Erkenntnis: „Am Wetter können wir nichts ändern.“ Vor allem der vergangene Montag sei wettertechnisch eine „Vollkatastrophe“ gewesen. Mitten in der Hauptgeschäftszeit gibt es deshalb viele Stornierungen. Die Ferien in den beiden wichtigsten Bundesländern für die Stellplätze (Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen) enden zeitnah. Deshalb glauben die Betreiber nicht mehr an eine Saisonrettung, da die Aussichten weiter düster bleiben. Die Hoffnung auf das ein oder andere schöne Wochenende nach den Ferien bleibt aber bestehen.
Deutlich positiver wird die Saison bei der Bad Zwischenahn-Touristik gesehen. Sie betreibt den Wohnmobilstellplatz „Am Badepark“. Die Saison sei zwar etwas schlechter als die vorherige, allerdings bisher nicht gravierend. „Natürlich macht sich das schlechte Wetter im Juli mit verhalteneren Aufenthalten bemerkbar, aber die Auslastung ist nach wie vor gut“, so die Leiterin Marketing und Tourismus, Ina Schuler. Der Stellplatz ist nicht reservierbar, deshalb gibt es keine Stornierungen.
