Westerstede/Bad Zwischenahn/Rastede - Am Montagabend hat es in mehreren Ammerland-Gemeinden wieder sogenannte „Spaziergänge“ von Gegnern der Corona-Impfungen und allen weiteren Einschränkungen durch die Pandemie gegeben. Den größten Demo-Zug gab es in Bad Zwischenahn, auch in Rastede und Westerstede gingen Menschen auf die Straße.
Lob für Klinikpersonal
In Westerstede hatte sich eine Gruppe auf dem Alten Markt versammelt. Allerdings waren es diesmal deutlich weniger Teilnehmer. Nach Schätzungen der Polizei versammelten sich rund 35 Personen. Sehr schnell lösten sie sich aber in Kleingruppen auf und zogen durch die Stadt. Dabei wurden sie von der Polizei im Auge behalten. „Die festgelegten Auflagen wurden größtenteils eingehalten“, so die Bilanz der Beamten. Nur in drei Fällen wurden die Personalien festgestellt und Ordnungswidrigkeiten geahndet, weil Mund-Nasen-Bedeckungen fehlten.
Zeitgleich versammelten sich vor dem Klinikzentrum rund 35 Personen zu einer Gegendemonstration. Die Aktion war durch eine Privatinitiative zustande gekommen. Es habe, wie ein Versammlungsteilnehmer erklärte, keinen öffentlichen Aufruf gegeben. Die Nachricht sei über private Kontakte weitergegeben worden. Man wolle etwas tun und Flagge zeigen, erklärte er die Motivation. Gleichwohl war diese Versammlung auch offiziell angemeldet worden. Warum das die Impfgegner nicht täten, sondern nur Unruhe stifteten, dafür habe man kein Verständnis, hieß es in der Runde.
„Gemeinsam gegen Hass und Hetze“, „Impfen ist mehr Freiheit für alle“ und „Gemeinsam Haltung zeigen“ oder „Ja, ich bin geboostert und das ist richtig so“, stand unter anderem auf Transparenten und Schildern, die die Impfbefürworter bei sich trugen. Applaus gab es zunächst für die Klinikmitarbeiter und ihre geleistete Arbeit während der Pandemie. Später zog die Gruppe zum Alten Markt, wo sie eine Mahnwache abhielt. Hier wurde ausdrücklich auch die Arbeit der Polizei gewürdigt. Zu einer Begegnung oder gar Konfrontation beider Gruppen kam es nicht. Gegen 19.15 Uhr erklärte die Polizei die Versammlung für beendet.
Gegendemo im Kurort
Eine eigentlich für Montag vorgesehene Gegendemo in Bad Zwischenahn ist dagegen spontan abgesagt worden. Stattdessen waren wieder rund 140 Corona-Kritiker unterwegs. Kurz gestört wurden sie durch einen Mann, der sich mit einem Schild mit der Aufschrift „Impfen statt Schimpfen“ an die Spitze des Zuges begeben hatte. Daraufhin änderten die Protestler ihre Laufrichtung, um nicht hinter ihm herzugehen. Laut Polizeiangaben wurden drei Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen fehlenden Mund-Nasen-Bedeckungen eingeleitet.
Nach Absprache mit den Behörden ist die Veranstaltung „Zwischenahn steht zusammen!“ nun auf Mittwoch, 19. Januar, ab 18 Uhr vor dem Rathaus in Bad Zwischenahn verlegt worden. „Sie ist nun auch offiziell angemeldet und wird unter Corona-konformen Bedingungen durchgeführt“, teilt Organisator Edgar Autenrieb mit.
Bei der Versammlung soll es sich um eine Solidaritätsaktion mit denjenigen handeln, die an Corona verstorben, erkrankt sind oder jemanden an der Krankheit verloren haben sowie mit den Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten. Die Versammlung richte sich „nicht gegen berechtigte Sorgen und Ängste vor der Impfung oder den Maßnahmen, sehr wohl aber gegen deren Vereinnahmung durch Extremisten und gegen diese ausufernde Flut von Falschmeldungen und Verschwörungsmythen“.
Wenig los in Rastede
Nach den Krawallen vor zwei Wochen und „Gestapo“-Rufen gegen die Polizei blieb es am Montag in Rastede so ruhig wie schon lange nicht mehr. Zumeist zu zweit wanderten bis zu 60 „Spaziergänger“ mit Abstand die Oldenburger Straße entlang. Es gab lediglich zwei Anzeigen wegen Verstoßes gegen die Maskenpflicht.
Viele von den (auswärtigen) Demonstranten der vergangenen Wochen blieben weg. Auch Familien mit kleinen Kindern waren nicht mehr dabei.
Am Sonntag hatten an die 500 Menschen auf dem Turnierplatz gegen die „Spaziergänge“ protestiert.


