Ammerland - Die Zahlen der mit dem Coronavirus infizierten Ammerländer ist wieder gestiegen. 132 meldete die Pressestelle des Landkreises am Freitag – 15 mehr als noch tags zuvor. Noch höher liegt die Zahl der Kontaktpersonen, die in häuslicher Quarantäne ausharren müssen: 403 sind es, ein Plus von 31 im Vergleich zum Vortag. Zahlen, hinter denen neben aller Brisanz und Information vor allem auch viel Arbeit steckt. Denn diese Menschen müssen erst einmal ermittelt, informiert und dann abgestrichen werden.
Recherchearbeit
Ein Job, den das Gesundheitsamt stemmt. „Wir kämpfen, es ist tatsächlich schwierig“, stellte Dr. Elmar Vogelsang, Chef des Gesundheitsamts im Landkreis Ammerland, während der Sozialausschusssitzung des Landkreises jetzt fest. „Aber wir sind flexibel aufgestellt“, sagte er und verwies auf Kooperation mit dem Landkreis, der bei Bedarf Mitarbeiter abstellt, aber auch auf die gute Kooperation mit dem DRK, das immer aushilft.
So hätten beispielsweise vergangenes Wochenende bei einem plötzlichen Anstieg um 35 Infizierte spontan mehrere Helfer am Sonntag das Ermittlungsteam unterstützt, Kontaktpersonen ausfindig gemacht und informiert. Zum Glück, so Vogelsang, denn um allein 70 Kontaktpersonen zu ermitteln, benötigten zwei Mitarbeiter 17 Stunden – der Zeitaufwand für die Recherche und Kontaktaufnahme sei einfach immens.
Schulleiter besorgt
Eine wachsende Herausforderung ist die Pandemie auch für die Schulen – und eine latente Gefahr. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Landkreises funktioniere trotz der großen Arbeitsbelastung dort sehr gut, sagte Klaus Friedrich, Schulleiter des Gymnasiums Bad Zwischenahn-Edewecht, am Freitag. Bisher sei es allerdings so, dass die Schule sich an das Amt wende, wenn es von Erkrankungen oder Kontakten bei Schülern erfahre. Wünschenswert wäre seiner Einschätzung nach auch eine direkte Information an die Schulen, wenn für einen Schüler Quarantäne angeordnet wird. Nur so könnten die Schulleitungen sicherstellen, dass keine Schüler trotzt Quarantäne zum Unterricht kommen und das Virus verbreiten. „Bisher sind wir da auf die Schüler und Eltern angewiesen.“ Auch Jürgen Boy, Leiter der Oberschule Bad Zwischenahn, bestätigt die gute Zusammenarbeit mit dem Kreis, unterstützt aber den Wunsch seines Kollegen nach einer direkten Information über neue Quarantäne-Fälle.
Informationskette
Allerdings: Diese gibt es wohl. So teilte Sozialdezernent Ingo Rabe vom Landkreis Ammerland auf Nachfrage mit, „dass das Gesundheitsamt bei einer Corona-Infektion an einer Kita, Schule oder sonstigen Einrichtung selbstverständlich auch sofort die jeweiligen Leitungen informiert. Diese Vorgehensweise trägt dazu bei, die Kontaktpersonen schnellstmöglich zu identifizieren und Infektionsketten zeitnah nachzuverfolgen.“
Virusverbreitung
Mit Blick auf die Infizierten-Zahlen in Schulen und Kindergärten konnte Vogelsang übrigens im Sozialausschuss eine für die Zuhörer interessante Feststellung machen, wobei diese, wie er betonte, nur eine Momentaufnahme sei: „Kinder spielen wohl eine geringere Rolle bei der Verbreitung.“ Grund für die Einschätzung: In den Kitas im Ammerland, in denen bislang mal ein Kind oder eine Erzieherin infiziert war, hat es nur wenige oder gar keine weiteren infizierten Kinder gegeben. Die meisten Ansteckungen gab es im Landkreis Ammerland bislang innerhalb von Familien.

