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Lockdown im Ammerland Grundschulleiter sorgen sich ums Wohl der Kinder

Ammerland - Niedersachsen stellt es den Eltern von Grundschülern frei, ob sie ihre Kinder zum Präsenzunterricht schicken. Wie bewerten Schulleiter den Schritt?

Edewecht

„Schlechter geht es nicht“, kommentiert Christian Pagels, Leiter der Grundschule Edewecht die Entscheidung vom Land, wie nun während der Verlängerung des zweiten Teil-Lockdowns mit den Grundschülern verfahren werden soll. „Ein Wahlrecht daraus zu machen hat für mich den Anschein, dass der Kultusminister die Wahrnehmung seiner Pflichten und Aufgaben, vor allem hier der Fürsorgepflicht den Schülerinnen und Schülern wie auch den Lehrkräften gegenüber, nicht wahrnehmen möchte und nun auf die Eltern abwälzt“, kritisiert er und lässt deshalb auch auf der Website der Schule mit Verweis auf den dort hinterlegten Brief des Kultusminister die Eltern wissen: „Ich persönlich halte die Weitergabe der Entscheidungsverantwortung an die Eltern für bedenklich.“

Den Schulleiter treibt um, dass nun die Eltern seiner Schüler vor dem Dilemma stehen, auf der einen Seite Angst zu haben, dass ihre Kinder zu viel Unterrichtsstoff versäumen, und auf der anderen Seite befürchten, ihr Kind einem Infektionsrisiko auszusetzen, wenn es doch zur Schule geschickt wird.

Für die Kinder, so sagt Pagels, die nun seit ein paar Tagen erst wieder in der Schule seien, sei diese Situation völlig verwirrend. Dieses Hin und Her, so wird aus den Ausführungen Pagels deutlich, wirke sich psychisch und physisch auf die Kinder aus.

Was die Schule selbst betrifft: Seit Mittwochabend läuft die Abfrage bei den Eltern, wie sie es künftig mit ihrem Kind handhaben wollen. Sorgen bereiten dem Schulleiter dabei die Eltern mit Migrationshintergrund, die vielleicht aufgrund fehlender Deutschkenntnisse das Prozedere nicht verstehen. Schließlich müssen alle Eltern jetzt eine Entscheidung für den gesamten Zeitraum bis zum 14. Februar treffen. Und: Kinder, die nicht zur Schule geschickt werden, dürfen dann auch nicht in die Notbetreuung kommen. Stehen wiederum wichtige Klassenarbeiten an, müssen die Kinder ohnehin in die Schule kommen.

Wie die Abfrage ausgeht, bleibt abzuwarten. An der Grundschule Edewecht wird jetzt erst einmal geplant, um dann allen Kindern irgendwie gerecht zu werden.

Apen

Björn Becker, Leiter der Grundschule Apen, kann die Entscheidung des Kultusministeriums nachvollziehen, wenn man allen Seiten gerecht werden möchte. Aber: „Die Situation in vielen Familien ist angespannt und nun ist es die Entscheidung der Eltern zwischen Ansteckungsrisiko, sozialer Kontaktbeschränkung und den überhaupt in den Familien noch vorhandenen Ressourcen abzuwägen.“

Eine klare Entscheidung für eines der Szenarien und hier vorrangig Szenario C, bei dem alle Schüler ins Distanzlernen wechseln, wäre ihm lieber gewesen. Auf die verschiedenen Szenarien sei man vorbereitet, aber die „Zwischenlösungen“ so spontan nicht. Die Situation jetzt bedeute für seine Kollegen und ihn viel Aufwand, Unsicherheit in der Planung – „und niemand fühlt sich so richtig wohl“, sagt er und verweist auf seine Fürsorgepflicht seinem Kollegium gegenüber. Denn auch das Kollegium habe Sorge, sich oder andere zu infizieren, auch wenn an der Schule alle die Abstands- und Hygieneregeln einhielten. Schlussendlich, so betont er, werde die Schule die Aufgabe aber meistern, doch leicht sei es nicht.

Für die Kinder ist laut Becker gegenwärtig sicherlich das Schwerste der Verzicht auf soziale Kontakte mit ihren Klassenkameraden, das – da stimmt er dem Kultusminister ausdrücklich zu –, müsse immer im Blick behalten werden.

Björn Becker sorgt sich insbesondere um die Kinder, die besondere Unterstützung benötigen. Aus seinen Erläuterungen wird deutlich: Jungen und Mädchen aus schwierigen Verhältnissen sind für die Lehrkräfte oft nur noch schwer erreichbar, wenn die Eltern sich gegen den Präsenzunterricht entscheiden. Denn auch dann haben die Kinder alle Aufgaben im Distanzlernen zu bearbeiten, es besteht schließlich Schulpflicht.

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord
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