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„Ik hang an di mien Leven lang“ So lebendig ist Plattdeutsch in der Region

Yvonne Gertje bei einer Probe der Speelköppel Ekern.

Yvonne Gertje bei einer Probe der Speelköppel Ekern.

Lena Hruschka

Oldenburg/Ammerland - Ist die plattdeutsche Sprache vom Aussterben bedroht? Zur Zeit der Hanse, zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert, war das undenkbar. Denn da war „Plattdeutsch“ oder auch „Niederdeutsch“ in Norddeutschland die wichtigste Sprechsprache. Und überall auf der Welt gab es Hansekontore, in denen Plattdeutsch gesprochen wurde. Vor allem in Lübeck. „Lübeck war die Königin der Hanse. Das lübsche Platt war das Plattdeutsch der Rechts- und Schriftsprache“, erzählt Stefan Meyer von der Oldenburgischen Landschaft. Er befasst sich schon seit vielen Jahren mit der Entwicklung des Niederdeutschen und ist mit der Sprache groß geworden.

Ein Auf und Ab in der Entwicklung

Für ihn ist Plattdeutsch „ein fester Bestandteil der Identität und des Lebensalltags“. Doch auch Stefan Meyer wird immer wieder mit der Diskussion um das Aussterben der Sprache konfrontiert. Und diese gibt es nicht erst seit einigen Jahren. Mit dem Niedergang der Hanse, ging Plattdeutsch von der Schriftsprache zurück in den privaten Raum. „Es gab immer wieder dieses Auf und Ab“, so Stefan Meyer. Viele haben Plattdeutsch nur noch zuhause gesprochen und weitergegeben.

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Weitergabe durch die Eltern

Heute ist die Weitergabe im Elternhaus nicht mehr so ausgeprägt. Dennoch ist die plattdeutsche Sprache in einigen Regionen noch sehr lebendig. Heimatvereine, Schulen und Theatergruppen versuchen sie aufrecht zu erhalten. Yvonne Gertje aus Edewecht und ihr Lebensgefährte Wilfried Weinkauf haben sich bei der Speelköppel Ekern kennen gelernt. Anders als Wilfried hat Yvonne die Sprache schon von ihren Eltern gelernt. „Wenn wir Kinder zuhause was verstehen wollten, dann war es logisch, dass auch wir Plattdeutsch lernen und verstehen mussten“, erzählt die 30-Jährige. „Meine Mama konnte bis zur Grundschule tatsächlich nur Plattdeutsch, kein Hochdeutsch“. Wilfried hingegen lernte die Sprache so richtig erst durch das Theater.

„Uncool“ oder mordern

Auch die Speelköppel Ekern nimmt gerne neue Mitglieder auf, die vorher noch keine Berührungspunkte mit dem Niederdeutschen hatten. Leider sei die Sprache für Jugendliche aber oft zu „uncool“, so Wilfried Weinkauf. Dabei werden auch in der plattdeutschen Theaterlandschaft immer häufiger aktuelle Themen wie Rassismus, Homosexualität oder Politik aufgegriffen. „Diese Sprache ist eben sehr gut dafür geeignet, durch ihre Tiefe und ihre Farben und durch Bilder, die entstehen, aktuelle Probleme kritisch zu betrachten“, sagt Stefan Meyer.

Junge Menschen erreichen

Das Problem liege, laut Andrea Alberts, aber vor allem darin, dass viele Kinder zwar Plattdeutsch in der AG lernen, aber zu wenig sprechen. Für Detlef Lohse, der ebenfalls im Theater mitspielt, ist Plattdeutsch ein Heimatgefühl. Genau da stellt sich laut Stefan Meyer die Frage: „Erreichen wir damit noch die jungen Menschen?“. Die Oldenburgische Landschaft möchte dort ansetzen. Neben „Plattdeutsch in der Pflege“ und „Plattdeutsch im Geschäftsleben“, soll es viele weitere Projekte - vor allem für die jüngere Generation - geben, um auf die Sprache aufmerksam zu machen und dem Aussterben entgegenzuwirken. „Wir müssen den Leuten weismachen, dass es viel Spaß macht, diese Sprache zu sprechen.“

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Liza Steenemann
Liza Steenemann Online-Redaktion
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