Wiefelstede - Sturmtief „Poly“ konnte rund 100 Bürger auch mit Sturmböen nicht davon abhalten, sich an der Bürgerversammlung in der Aula der OBS Wiefelstede zu beteiligen. Immerhin ging es um den „Einzelhandelsstandort Wiefelstede – Nord“, und der wird nicht nur im Wiefelsteder Rat, sondern auch in der Bevölkerung offensichtlich kontrovers diskutiert.
Erweiterung geplant
Ausgangspunkt ist die angestrebte Änderung des Flächennutzungsplanes für das 2,55 Hektar große Flurstück im Norden der Gemeinde, auf dem sich der Aldi-Markt befindet. Geht es nach der Gemeinde, soll nicht nur der Aldi-Markt Möglichkeiten für eine modernisierte Erweiterung erhalten, sondern auch der Edeka-Markt dort angesiedelt werden, der an seinem Standort an der Mühlenstraße aus allen Nähten platzt. Außerdem soll auf dem Areal der Hol ab-Markt weitergeführt werden und auch ein langersehnter Drogeriemarkt, der seit dem Wegfall von „Schlecker“ von vielen Bürgern nach Mitteilung von Bürgermeister Jörg Pieper schmerzlich vermisst wird, soll dort angesiedelt werden. Dem gegenüber steht die Forderung von Ratsherren und Bürgern, das Erweiterungspotenzial an der Mühlenstraße auszunutzen.
„Nicht am Standort“
Dem erteilte Bürgermeister Pieper allerdings eine klare Absage: „Das geänderte Einkaufsverhalten und die Ansprüche der Kunden lassen sich beim bestehenden Aldi-Markt nicht mehr darstellen. Ebenso ergeht es dem Edeka-Markt. Der Betreiber hat versucht, die Erweiterungsmöglichkeiten auszuloten und entsprechende Gespräche mit den Nachbarn geführt – ohne Erfolg“. Hinzu käme das Problem der Parkplatzgestaltung, denn die auch vom Landkreis geforderten 130 Stellplätze wären an dieser Stelle gar nicht darstellbar. Im Süden der Gemeinde sieht Pieper keine geeigneten Flächen. Hingegen wäre der Norden optimal.
Planung am Anfang
Nachdem der Investor aus Düsseldorf ausgestiegen ist, haben Edeka und Aldi diese Aufgabe selbst übernommen. Dagmar Renneke vom begleitenden Institut für Raum- und Stadtplanung aus Bremen warb für diese aus ihrer Sicht sinnvolle Erweiterung, stellte aber auch klar, dass man ganz am Anfang der Planungen sei: „Hier sind auch ihre Anregungen gefragt.“ Auch Architekt Matthias Knopf von der Projektentwicklungsgesellschaft Beyer+Freitag+Zeh konnte mit seiner per Computer visualisierten Ansicht des Projektes die teilweisen Bedenken der Bürger nicht ausräumen. Dabei versuchte er nicht nur mit einer modernen und energetisch durchdachten Architektur, sondern auch mit Details wie durchgrünten Parkflächen, Stellplätzen für E-Autos und -Bikes oder einer intelligenten Radwegeführung zu punkten.
Schaden für Ortskern?
Befürchtungen gab es auch für die Entwicklung des innerörtlichen Einzelhandels, beispielsweise durch den sogenannten „Donut-Effekt“, eine städtebauliche Fehlentwicklung, bei der durch die Ansiedelung von Wohnraum und Gewerbe in Außenbereichen ein Absterben der Ortsmitte eintritt. Entsprechend war die Forderung nach einem städtebaulichen Entwicklungskonzept für Wiefelstede. Die Gefahr, dass der Oberschule eine Erweiterungsmöglichkeit genommen werde, wurde ebenfalls artikuliert. Und nicht zuletzt würde die moderne Architektur gerade am Ortseingang das Bild der Gemeinde beispielsweise für Touristen verschandeln.
Kaufkraft in Gemeinde
Doch Befürworter fanden sich ebenso reichlich in der Zuhörerschaft: „Ich fahre zurzeit lieber nach Bad Zwischenahn oder Westerstede zum Einkaufen. Das würde sich mit solch einem Einkaufszentrum ändern“, bekräftigte ein Gristeder. Andere Bürger halten eine moderne Einkaufsmöglichkeit für Wiefelstede grundsätzlich für notwendig, um die Kaufkraft in der Gemeinde zu halten.
Nicht zuletzt der Bürgermeister sieht eine große Gefahr für die Zukunft: „Eine moderne Gemeinde braucht einfach einen modernen Einzelhandel. Sonst sind wir auf die Dauer nicht zukunftsfähig.“ Mit der zukünftigen Entwicklung des Standortes an der Mühlenstraße werde sich nach den Ferien eine Kommission befassen.
