Edewecht - Es ist ein vertrauter Ort für die neun geflüchteten Frauen, die im Vereinsheim des VfL Edewecht zusammengekommen sind. Hier lernen sie seit Monaten regelmäßig Deutsch. Unterrichtet werden sie von Hella Fittje-Oltmanns, unterstützt vom Helferkreis Edewecht. Doch an diesem Morgen geht es um etwas anderes: um Ausbildung, um Arbeit und um die Vereinbarkeit von Familien und Beruf.
Wege auf den Arbeitsmarkt
Organisiert hat die Veranstaltung der Verein pro:connect. Seit der Gründung 2015 hat der Verein es sich zum Ziel gemacht, arbeitssuchende geflüchtete Menschen aus den Städten Oldenburg und Delmenhorst sowie den Landkreisen Ammerland und Oldenburg mit potenziellen Arbeitgebern aus der Region zusammenzubringen. Dazu gehört es auch, über das System der dualen Ausbildung in Deutschland zu informieren und Wege aufzuzeigen, wie sich Arbeit und Familienleben miteinander verbinden lassen.
Denn dieser Punkt ist wichtig für die Frauen, das wird bei der Veranstaltung deutlich. Aus dem Nebenraum ist immer wieder Kinderlachen zu hören. Parallel wird hier eine Kinderbetreuung angeboten, sonst wäre der Besuch des Deutschkurses oder des Informationsangebots von pro:connect für viele nicht möglich.
Viele Antworten
So können sie sich voll auf die wichtigen Informationen für ihre Zukunft konzentrieren, die ihnen Vertreterinnen des Vereins, der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven und des Jobcenters Ammerland präsentieren. Es geht um Antworten auf Fragen rund um die Ausbildung. Was ist das überhaupt, welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es, ist eine Ausbildung auch in Teilzeit möglich? Wie ist das mit den Anforderungen in der Berufsschule und warum sind Arbeit eine Ausbildung so wichtig – gerade für Frauen?
Berichtet wird über die Bedeutung eines Berufsabschlusses und die Möglichkeiten für alleinerziehende Mütter in der Ausbildung. Auch um den Stellenwert von Chancengleichheit und Gleichberechtigung geht es. Dazu gibt es einen vom Verein erstellten Leitfaden mit Infos und Tipps zur Teilzeitausbildung für die Frauen.
Bericht aus der Praxis
Doch da alle Theorie bekanntermaßen grau ist, hinterlässt der Bericht von Gol Haweri sicher den größeren Eindruck. Die junge Frau aus dem Irak absolviert eine Ausbildung zur Verkäuferin, befindet sich im letzten Ausbildungsjahr. „Ich habe immer gedacht, ich schaffe das nicht. Aber ich schaffe das doch“, sagt sie mit berechtigtem Stolz. Und sich macht den anderen Frauen Mut. „Es macht soviel Spaß in der Ausbildung. Bitte gebt nicht auf, auch Ihr bekommt Eure Chance“, betont sie.
Ihre Chance hat sie beim Edeka-Markt Husmann in Metjendorf erhalten. Alle vier Monate, so berichtet sie, arbeitet sie in anderen Abteilung des Marktes. Was ihr am meisten Spaß macht? Dass sie soviel mit Menschen zu tun hat, mit Kunden und Kollegen. „Sie sind wie mein zweites Zuhause. Es macht so viel Spaß, dass ich sogar oft die Zeit vergesse“, sagt sie in die Runde und lächelt. Ihre positive Ausstrahlung und Begeisterung übertragen sich auf die Runde, das ist deutlich zu spüren.
Schon Anfang Dezember werden die Beraterinnen von pro:connect erneut bei den Frauen in Edewecht zu Gast sein. Dann geht es in Einzelgesprächen unter anderem um die weitere Planung beim Weg in die Ausbildung und auf den Arbeitsmarkt.
