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Aufforstungsprobleme In Edewecht Dilemma mit dem Dauergrün

Ingo Schmidt

Edewecht - Es waren stürmische Zeiten im Ammerland in diesem Herbst und Winter. Wie viele Stürme es genau waren, vermag kaum noch jemand zu sagen. Fest steht aber, dass viele Bäume auf dem Gemeindegebiet dem Starkwind nicht trotzen konnten. Bauhofleiter Tim Hobbiebrunken referierte in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Landwirtschaft und Umweltschutz über den aktuellen Stand der Wiederaufforstung. Dabei gibt es ein Problem – besser gesagt, es sind gleich zwei.

Bäume müssen Krone ausbilden können

„Zu den Sturmschäden ist zu sagen, dass mehr als 100 Bäume über Kopp gegangen sind“, erklärte Hobbiebrunken. „Bisher konnte die Hälfte wieder aufgeforstet werden“. Aber es gebe ein Hemmnis bei der Sache, weil man nicht genau wisse, wo man noch mehr Bäume hinpflanzen solle, so der Bauhofleiter weiter. Schließlich sei einst politisch festgelegt worden, für jeden gefallenen Baum drei neue anzupflanzen. Macht insgesamt mehr als 300.

Nun gibt es zwei Kernprobleme: Im Hier und Jetzt fehlt es einfach an geeigneten Flächen für eine sinnvolle Anpflanzung, denn, und darin besteht auf lange Sicht ein zweites Problem, in Zukunft „brauchen die natürlich auch genug Platz, damit sie Kronen ausbilden können“, schilderte Hobbiebrunken weiter. Und: „Jedes Jahr“, so der Bauhofleiter, „tauschen wir Bäume im Wert von 4000 bis 5000 Euro aus.“

Nicht alle Straßen zupflanzen

Erschwerend bei der aktuellen Wiederaufforstung: „Die zeitliche Komponente hat nicht immer gepasst.“ Das nötige Personal konnte nicht in ausreichendem Maße für derlei Tätigkeiten abgestellt werden. Andererseits war es der Gemeinde aus Kostengründen aber auch nicht möglich, alle Arbeiten fremdzuvergeben.

Grundsätzlich gilt: Ein guter Platz für Neuanpflanzungen von Bäumen sind Straßenbermen. „Aber die können wir ja auch nicht alle komplett zupflanzen, weil sie dann keine Kronen mehr ausbilden können“, beschrieb Hobbiebrunken das Dilemma. Auch am Regenrückhaltebecken könne man nicht noch dichter werden mit der Bepflanzung. „Sonst fehlt uns hinterher das Stauvolumen.“

Gelände an der Vegesacker Straße wäre gut gewesen

Einige Tage vor der Ausschusssitzung war dann eine Lösung aufgekeimt, die aber alsbald beerdigt wurde. „Das Gelände an der Vegesacker Straße wäre gut gewesen“, sagte Hobbiebrunken im Ausschuss. Das Areal, auf das er sich bezog, liegt in der Nähe des Setjewegs und gehört der Gemeinde.

Und die wollte die feuchte Wiese eigentlich, wie am 28. Oktober 2019 im Landwirtschaftsausschuss beschlossen, der Natur zurückgeben und auf dem vorderen Drittel Bäume anpflanzen – als sogenannten Trittstein, einen Rückzugsraum für Tiere, wie es sie in landwirtschaftlich geprägten Regionen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen gibt. Doch diese Vision, ebenfalls Thema in der vergangenen Ausschusssitzung, hatte inzwischen eine andere Wendung genommen.

Landkreis Ammerland lehnt Pläne ab

Die Gemeinde hatte schon im Vorfeld angedeutet, dass der Landkreis eine derartige Bepflanzung nicht gutheißen würde. Denn: Es handele sich um eine Dauergrünfläche, die aus ökologischen Gründen, etwa für Bodenbrüter, wie auch aus landschaftlichen Gründen wichtig sei für das Ammerland. Flächen wie diese würden nämlich im Ammerland immer seltener. Deshalb solle sie als Grünland erhalten bleiben. Diese Vermutung bestätigte sich in einer tiefergehenden Erörterung mit dem Landkreis schließlich.

Der Landkreis sähe lieber den hinteren Bereich mit Baumbewuchs, denn dort seien bereits zwei kleinere Birkenwäldchen, die allerdings nicht der Gemeinde gehören – eine Aufforstung dort könne sinnvoll sein. So ließe sich ein großer Trittstein schaffen. „Die Aufforstung dort ist nur dann schwierig, wenn man keine Birken haben möchte“, merkte Dr. Hans Fittje (SPD) an. Er selbst kann mit dem Plan des Landkreises aber leben. Ein weiterer Grund für die ablehnende Haltung des Landkreises, den vorderen Teil zu bepflanzen: Die Fähigkeit von extensiven Grünlandflächen auf Moorstandorten, CO 2 im Boden zu binden. Diese Funktion würde durch Waldbewuchs verhindert.

Moor und Torf als CO2-Speicher

Nur: Der vordere Bereich ist längst abgetorft und liegt 1,5 Meter unter Straßenniveau. Einzig in dem hinteren Teil, den der Landkreis als Waldfläche bevorzugt, ist die Torfschicht erhalten. „Torf“, hieß es im Ausschuss, „muss wiedervernässt werden, um CO 2 speichern zu können, da kann man keine Pflanzen draufsetzen, die den Boden auflockern und das Wasser verdunsten.“ „Und das“, sagte Kirsten Meyer-Oltmer (CDU), „ist gegenteilig zu dem, was wir eigentlich erreichen wollen“. Uwe Heiderich-Willmer (Grüne) kommentierte überspitzt: „Eigentlich müsste man das, was dort gewachsen ist, wieder wegnehmen. Wenn man CO 2 speichern will, ist das unsinnig.“

Das Thema Vegesacker Straße wurde erst einmal vertagt – Der ursprüngliche Beschlussvorschlag, im hinteren Dritteeine Bepflanzung der Fläche mit heimischen Bäumen anzulegen, vertagt. Das Thema soll im Herbst erneut beratschlagt werden.

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