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nordwest-zeitung

Geschichte In Edewecht Das Rätsel um die verschwundene Glocke

Günter Marken

Edewecht - Fast genau 70 Jahre ist es her: Im September 1950 wurde der hölzerne Glockenturm in Edewecht mit einer Gesamthöhe von 11,50 Metern wieder fertiggestellt. Er war im zweiten Weltkrieg zerstört worden. Am 10. September erfolgte dann die offizielle Einweihung mit einem plattdeutschen Gottesdienst. 75 Jahre nach Kriegsende und seit 70 Jahren läuten jetzt wieder die Glocken im Wahrzeichen von Edewecht zu friedlichen Anlässen.

Zum Ende des 2. Weltkrieges war Edewecht im April 1945 größtenteils zerstört worden. So verloren auf dem Gebiet der Gemeinde Edewecht bis Anfang Mai 1945 über 800 Personen durch Kampfhandlungen ihr Leben. Fast 1000 Wohnhäuser und landwirtschaftliche Gebäude wurden völlig und ein weit größerer Anteil teilweise zerstört.

Hunger und Wohnungsnot

Nachdem Hinrich Oetken aus Jeddeloh II nach dem Krieg als Bürgermeister der Gemeinde Edewecht abgesetzt wurde, bestimmten die Alliierten Georg Oltmer aus Osterscheps zu seinem Nachfolger. Ihm folgte im April 1946 August Heidkämper. Neben den alltäglichen Problemen, unter anderem Nahrungsmittelknappheit und Wohnungsnot, mussten nach dem Krieg Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht werden.

Geraubte Glocke

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche 1305. Die erste bekannte Glocke war die Marienglocke, die 1440 aufgehangen wurde. Als Edewecht 1538 zerstört wurde, raubten die Truppen des Bischofs von Münster auch die Marienglocke. Anschließend soll der hölzerne Glockenturm aus Edewechter Eichenholz gebaut worden sein, aber nachweisbar erst ab 1777.

Die geraubte Edewechter Marienglocke von 1440 hängt heute in der St. Bartholomäus Kirche in Golzwarden, Brake.

Ab etwa 1950 entspannte sich die Situation wieder langsam in Edewecht und eine rege Bautätigkeit begann. So wurden nicht nur abgebrannte Höfe und Wohnhäuser wieder neu aufgebaut, sondern auch das Wahrzeichen der Gemeinde Edewecht, der am 20. April 1945 von Jagdbombern in Brand geschossene hölzerne Glockenturm, sollte in seiner alten Form wieder neu errichtet werden.

Feier zum 800-jährigen Jubiläum

Da im September 1950 auch die Feierlichkeiten für das 800-jährige Jubiläum von Edewecht geplant waren, sollte der Glockenturm offiziell geweiht werden. Ende Juni 1950 vergab der Kirchenrat die Arbeiten für den Wiederaufbau, und bereits am 29. Juli konnte unter Leitung von Pastor Martin Reinke das Richtfest gefeiert werden.

Anschließend wurde die 1804 gegossene große Glocke wieder im Gebälk befestigt, die beim Brand herabgestürzt war. Eine andere Glocke musste während des Krieges zum Einschmelzen an die Wehrmacht abgeliefert werden, so dass übergangsweise zusätzlich zwei kleine Schiffsglocken genutzt wurden. Eine dieser Glocken wurde zunächst neben der großen Glocke befestigt und später ausgetauscht.

Glocke wurde geraubt

Die wenigsten Ammerländer werden wissen, dass die alte Edewechter Glocke von 1440 heute in der Kirche in Golzwarden hängt. Nach kirchlichen Aufzeichnungen in Golzwarden haben die Golzwardener diese Glocke von einem Beutezug mitgebracht. Im letzten Jahr hatte die Kirche in Golzwarden gebrannt. Ob die Golzwardener die Glocke eigentlich an Edewecht zurückgeben müssten, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden.

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