Edewecht - „Einige Schüler müssen jetzt wieder Windeln tragen.“ Es ist ein Hilferuf, den Anna Hartwig gemeinsam mit Elternvertreter Andreas Loi-Brügger sowie Ludmilla und Artur Hartwig aussendet. „Viele Kinder mit Behinderung schaffen es gar nicht auf den Schulhof und würden sich sonst in die Hose machen“, erklärt Ludmilla Hartwig, warum die mobile Übergangslösung eigentlich keine ist.
Seit die Kita Lüttefehn vor einigen Monaten vergrößert wurde, steht in der Außenstelle der Astrid-Lindgren-Schule für aktuell fünf Klassen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung nur noch eine Toilette im Haus zur Verfügung. Abhilfe sollte eine mobile WC-Anlage schaffen, mit jeweils einer benutzbaren Toilette für Mitarbeiter, für Schüler und für Rollstuhlfahrer. Doch eigentlich nur solange, bis die Förderschule einen neuen Sanitärraum bekommt. Dafür sollte 2021 der Ergotherapieraum umgebaut werden.
Auf Streichliste gesetzt
Doch jetzt hat die Gemeinde aufgrund der prekären finanziellen Situation den Rotstift angesetzt. Die Toiletten mit Gesamtkosten von 150 000 Euro finden sich auf der Streichliste wieder. „Das ist völlig inakzeptabel“, findet Elternvertreter Loi-Brügger. Kurios: Allein die Mietkosten für das mobile WC beliefen sich jährlich auf 22 000 Euro.
Entschieden werden soll über die Pläne für den kommenden Haushalt in der Ratssitzung am Dienstag, 15. Dezember, ab 18 Uhr in der Oberschule Edewecht. Die Verwaltung und Bürgermeisterin Petra Lausch setzen sich für Steuererhöhungen ein, damit die Gemeinde ihre Pflichtaufgaben erfüllen könne. Dazu gehörten auch die Toiletten an der Astrid-Lindgren-Schule.
Bevor die Ratsmitglieder über die Finanzen diskutieren, sollten sie gleich einen Blick in den Werkbereich der Oberschule werfen. Wenn sie denn dürften, denn die baufälligen Räume sind bereits seit einem Jahr wegen Einsturzgefahr abgesperrt oder wegen Asbest in Boden und Wänden sowie zahlreicher anderer eklatanter Mängel nicht nutzbar. Risse in den Wänden, absackende Decken, veraltete Technik, mangelnder Lärmschutz, kaputte Heizungen – diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Zukunft auf dem Spiel
Die Gesamtkosten für die Sanierung des Werkbereichs beziffert Rolf Torkel, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, mit 550 000 Euro. „Wir sehen schon die Notwendigkeit“, meint Torkel.
Doch auch diese Sanierung steht auf der Streichliste. „Wenn wir damit noch warten, haben wir einer ganzen Schülergeneration keinen adäquaten Werkunterricht anbieten können“, warnt Schulleiter Peter Röben. Gerade in Edewecht seien Berufe wie Metall- und Holztechnik wichtig.
Ohne diese Erfahrungen würde man die Zukunft der Schüler aufs Spiel setzen, meint Elternratsvorsitzende Andrea Braue-Höstje. „Ansonsten geht das Praxiswissen verloren“, sagt sie. Ein zum Werkraum umgestaltetes Klassenzimmer werde den Bedürfnissen nicht gerecht. „Hier können wir viele wichtige Elemente gar nicht erst beibringen“, meint Röben.
