Elmendorf - Die Idee war eher eine spontane Entscheidung. Den Schiedsrichteranwärter-Lehrgang mitgemacht zu haben, bereut Louis Martin aber nicht. Heute, fünf Jahre später, ist der 20-Jährige noch immer als Schiedsrichter aktiv – er ist einer der wenigen, die dabei geblieben sind.
Ersten Jahre kritisch
„Besonders das zweite und dritte Jahr nach der bestandenen Prüfung sind kritisch“, weiß Dennis Hohmann, der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis Jade-Weser-Hunte. Nach dem ersten Jahr seien meist nur noch 30 Prozent der Jungschiedsrichter dabei, im zweiten Jahr würde noch einmal 30 Prozent davon die Pfeife weglegen. „Wer ins dritte Jahr geht, bleibt meist dabei“, sagt Hohmann.
So war es auch bei Martin. Er leitet pro Wochenende ein oder zwei Spiele, ist mit Partien in der D-Jugend angefangen. Mittlerweile ist er für den TV Elmendorf als Schiedsrichter bis in die 1. Kreisklasse aktiv. „Es macht einfach total viel Spaß. Es ist gleichzeitig aber auch der schwerste Job im Fußball“, weiß der 20-Jährige.
Nach bestandener Prüfung in 2017 leitete er mit 14 Jahren die ersten drei Jugendspiele mit Begleitung. „Das Patensystem des Fußballkreises war damals noch nicht so ausgeprägt wie heute. Aber wenn ich mich nach dem dritten Spiel noch unsicher gefühlt hätte, hätte ich auch bei weiteren Spielen Hilfe bekommen“, sagt der Ammerländer. Er habe Glück gehabt, sagt Martin: „Das waren entspannte Spiele. Ich kann aber auch jeden verstehen, der sofort wieder aufhört, wenn er zu Beginn direkt auf den Deckel bekommt. Da verlierst du den Spaß.“
Ton wird rauer
Auch der junge Referee merkt, dass der Ton auf den Plätzen zuletzt rauer geworden ist. Bei Jugendspielern seien vor allem die Eltern ein immer größerer Störfaktor. „Die sind meist schlimmer als die Jugendlichen auf dem Feld“, sagt Martin. Er selbst hatte erst in einer Partie das Gefühl, dass die Stimmung komplett kippen könnte. Passiert sei aber nichts. „Dennoch machst du dir deine Gedanken, was du machst, wenn das Spiel in so eine Richtung verläuft“, sagt der 20-Jährige.
Zuletzt seien der richtige Umgang mit Gewalt und Rassismus auf den Plätzen auch vermehrt Themen auf den Lehrabenden gewesen. „Das hilft, dort seine Erfahrungen mit anderen Schiedsrichtern auszutauschen. Man weiß dann, dass man nicht alleine ist“, sagt Martin.
Positives Feedback
Er betont aber, dass die meisten Spiele in der Region friedlich ablaufen. Als junger Schiedsrichter habe er häufig positives Feedback erhalten. „In der Kreisklasse freuen die Spieler sich eher, wenn ein jüngerer Schiedsrichter kommt. Einem Zwei-Meter-Typen dann aber eine Ansage zu machen, muss man sich auch erstmal trauen“, sagt Martin mit einem Lachen.
Martin empfiehlt jedem, sich zumindest den Anwärter-Lehrgang anzuschauen. „Man verpflichtet sich dadurch ja nicht gleich für Jahre“, sagt der 20-Jährige. Ihn habe die Schiedsrichterei weitergebracht – vor allem bei der Ausstrahlung und für das eigene Selbstbewusstsein. „Und man lernt als Fußballer einen anderen Blickwinkel kennen. Als Spieler kann ich mich nun besser in den Schiedsrichter hineinversetzen“, sagt er.
Die Kreisklasse soll für Martin aber nicht die Endstation sein. „Ein bisschen höher pfeifen möchte ich schon noch“, sagt der Ammerländer, der als Schiedsrichter-Assistent im Team von Jan Kruse in Partien bis zur Landesliga an der Seitenlinie steht.
