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Werkstatt in Jeddeloh I Er hat 3000 Räder für Geflüchtete flott gemacht

Arbeitet ehrenamtlich in der Fahrradwerkstatt der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Jeddeloh I: Axel Rulfs hat inzwischen 3000 Fahrräder repariert.

Arbeitet ehrenamtlich in der Fahrradwerkstatt der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Jeddeloh I: Axel Rulfs hat inzwischen 3000 Fahrräder repariert.

Stefan Greiber/Johanniter

Jeddeloh I - Axel Rulfs zieht die letzte Schraube an. „Fertig“, sagt er und strahlt über das ganze Gesicht. Vor ihm steht ein kleines Kinderfahrrad. Frisch überholt und verkehrssicher ausgestattet wartet es auf einen neuen Besitzer. Wie jedes andere Fahrrad, das der 46-Jährige fertig gestellt hat, wird auch dieses sorgfältig in ein Buch eintragen. Doch dieses ist ein ganz besonderes Rad: Es ist das dreitausendste, das Axel Rulfs in der Fahrradwerkstatt der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GUK) der Gemeinde Edewecht und der Johanniter-Unfall-Hilfe in Jeddeloh I aufbereitet hat – alles ehrenamtlich.

„Ich habe Zeit und Lust, was zu tun“, sagt der ehemalige Maurer, der aufgrund eines Rückenleidens seinen Beruf aufgeben musste. Helfen liegt dem gebürtigen Auricher im Blut. Früher war er bei der Feuerwehr, doch der kaputte Rücken lässt auch das nicht mehr zu. Als 2015 die Menschen aus Syrien nach Deutschland flüchteten, stieg er bei den Johannitern ein. Von Beginn an baute er eine Fahrradwerkstatt auf.

Gesellschaftliche Teilhabe

„Mobil sein ist für die Menschen, die bei uns Schutz suchen, enorm wichtig für die gesellschaftliche Teilhabe“, sagt er. Ein Auto können sich die Geflüchteten nicht leisten, der öffentliche Personennahverkehr ist nicht gut genug ausgebaut. Bleibt das Rad. Aber eines zu kaufen ist für jene, die oft mit nichts als ihrer Kleidung am Körper in Deutschland ankommen, nicht möglich. „Viele können noch nicht einmal Radfahren, weil es in ihren Heimatländern nicht üblich ist“, erzählt Axel Rulfs. Deshalb hat er auch zusammen mit der Polizei in der Vergangenheit Kurse in Verkehrserziehung angeboten. Corona hat dem erstmal ein Ende gesetzt. „Aber wir werden das jetzt wieder aufgreifen.“

Die Fahrräder werden von Privatleuten und Zweiradgeschäften oder vom Fundbüro der Gemeinde gespendet. Die noch gut in Schuss sind überholt Rulfs, die vollkommen kaputten dienen als Ersatzteillager. „Gebrauchen kann ich eigentlich so gut wie alles.“ Unterstützt wird Axel Rulfs von der Gemeinde Edewecht mit Verschleißteilen, die er nicht aus Wracks ausbauen kann. Die Johanniter selbst kaufen Zubehör ein, zum Beispiel Warnwesten für Kinder.

Geflüchtete helfen mit

Ganz wichtig ist Rulfs, die neuen Besitzer der Drahtesel mit in die Verantwortung zu nehmen. Sie müssen die Räder pflegen, sie mit selbst angeschafften Fahrradschlössern sichern und Ersatzteile selbst finanzieren. Falls sie die Gemeinde verlassen, müssen sie das Fahrrad zurückgeben. Die Räder werden bei der Polizei auf die Gemeinde registriert, die rein rechtlich Eigentümerin ist. Ein Verkauf ist dadurch nicht möglich. „Schließlich geht es darum, mit den Fahrrädern Mobilität zu ermöglichen. Wenn jemand sein Rad nicht mehr braucht oder in eine andere Kommune umzieht, wird es an den nächsten weitergegeben“, erklärt Rulfs.

Ein Problem war das nie, im Gegenteil. „Die meisten unserer Bewohnenden packen selbst in der Fahrradwerkstatt mit an“, berichtet er. Ziel sei es, bei den Geflüchteten Eigeninitiative zu wecken und ihnen zu ermöglichen, ihren Beitrag zu leisten. Beim Werkeln in der Werkstatt im Keller der Gemeinschaftsunterkunft kommen Rulfs und die Geflüchteten auch ins Gespräch. „Das wird manchmal sehr emotional“, erzählt er. Viele haben bedrückende Dinge erlebt, Trennung von ihren Liebsten, Gewalt, Verfolgung, Folter bis hin zur Tötung von Angehörigen. „Dann lege ich das Werkzeug zur Seite und höre einfach nur zu.“ Für ihn sei das auch immer eine Erinnerung daran, wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht. Sagt es und nimmt sich das nächste Fahrrad. Die Nummer 3001.

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