Westerstede/Rhodos - Nele Peiffer hat sich mit ihrem Mann und ihrem Sohn auf Rhodos ein kleines Paradies geschaffen. Die gebürtige Westerstederin ging nach ihrem Schulabschluss zunächst nach Nordirland, wo sie internationalen Tourismus studierte, war dann bei der TUI als Reiseleiterin und Teamleiterin angestellt und landete 2014 beruflich auf der griechischen Insel. Über ihr Hobby, das Reiten, lernte sie ihren späteren Mann kennen und machte sich selbstständig: Seit 2018 betreibt das Ehepaar in Kalithies ein Gästehaus mit mehreren Appartements, die Eliá Boutique Studios. „Wir haben hier eine wunderschöne ruhige Oase, inmitten von Olivenbäumen mit Pferden und vielen anderen Tieren“, erklärt die 34-Jährige.
Eliá Boutique Studios in Kalithies: die Ferienanlage des Ehepaares. Sie liegt abseits vom Trubel im Inselinneren.
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Eliá Boutique Studios in Kalithies: die Ferienanlage des Ehepaares. Diese und andere Regionen der Insel blieben vom Feuer verschont.
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Idyllisch: Anthony Quinn Bay. Rhodos lockt auch nach den Bränden mit schönen Küstenabschnitten.
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Bilder wie dieses gingen durch die Medien: Ein Feuerwehrmann verließ das Dorf Vati auf der Ferieninsel Rhodos, als die Flammen des Waldbrandes auf ihn zukamen.
Petros Giannakouris/dpaDoch seit den Waldbränden ist nichts mehr, wie es war. Vor rund zwei Wochen begannen die Flammen in einem eher unzugänglichen Waldgebiet im Herzen der Insel sich auszubreiten, angefacht von Wind und Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius. Schnell wurde klar, dass es sich um mehrere Brandherde handelte und vieles deutete auf Brandstiftung hin. Die Flammen breiteten sich stellenweise bis zur Küste aus. Die Sorge war groß, dass es auch in anderen Regionen noch brennen könnte.
Große Hilfsbereitschaft
„Alle waren sehr unruhig. Aber wir sind verschont geblieben. Es gab nur zeitweise Ausfälle von Strom und Wasser“, erklärt sie rückblickend die Situation. Betroffen von den Bränden seien vor allem einige wenige Bergdörfer und ein Strandabschnitt im Südosten der großen Insel mit mehreren großen Hotels. Bilder von der Evakuierung und den in Sicherheit gebrachten Touristen gingen durch die Medien. Auch Nele Peiffer und ihr Mann nahmen für eine Nacht eine Familie in ihrem Gästehaus auf. Die Hilfsbereitschaft der Insulaner sei riesengroß gewesen, erzählt die Westerstederin. Die meisten Touristen aber seien von der Brandkatastrophe unbeeinträchtigt geblieben.
Touristen bleiben weg
„Vieles wurde sehr aufgebauscht, beispielsweise in manchen Beiträgen in den sozialen Medien. Dadurch entsteht ein falsches Bild von der Situation“, erklärt die Fachfrau. Und das bekämen nun auch die Inselbewohner zu spüren, weil die Touristen wegblieben. In den Hotels, aber auch in Gästehäusern wie ihrem, die auf Individualreisende angewiesen seien, hagele es Stornierungen und neue Buchungen kämen kaum herein. Ohnehin sei nur von Mai bis Oktober Saison, gibt sie zu Bedenken. Wer vom Tourismus lebe, müsse in dieser Zeit das Geld verdienen.
Sehenswürdigkeiten verschont
„Seit drei Tagen sind die Feuer gelöscht. Auch Flüge werden angeboten. Aber ich höre immer wieder, dass Touristen wegen der Auswirkungen der Bände nicht kommen wollen“, berichtet die Westerstederin von ihrem Alltag. „Die Insel ist riesengroß, man kann mit dem Auto überall hinfahren. Es sind keine Sehenswürdigkeiten betroffen“, unterstreicht Nele Peiffer. „Der gesamte Norden und die gesamte Westküste mit den Hauptattraktionen sind verschont geblieben.“
Gerade jetzt sei es wichtig, dass über den Tourismus, der die Haupteinnahmequelle für viele Einheimische darstelle, wieder Geld ins Land komme. „Das hilft den Menschen, die von den Bränden betroffen sind, und finanziert die Wiederaufforstung.“
