Rastede - „Fliegerei macht einfach süchtig. Ich möchte nichts anderes mehr machen.“ Wenn Kirsten Böning über ihren Beruf spricht, ist ihr die Begeisterung anzuhören. Die 35-Jährige ist seit drei Jahren als Einsatzpilotin bei der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen am Standort Rastede tätig. Sie war die erste und ist auch weiterhin die einzige Frau, die diesen Job in Niedersachsen ausübt. Ihr selbst sei das erst bei der ersten Pressekonferenz bewusst geworden, „als auf einmal 20 Journalisten hier standen und fragten: ‚Wie fühlen Sie sich denn als erste Frau?‘ Für mich hat das keinen Unterschied gemacht.“
In der Halle der Polizei-Hubschrauberstaffel in Rastede.
Torsten von Reeken
In der Halle der Polizei-Hubschrauberstaffel in Rastede.
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Vorbereitung: Der Hubschrauber wird auf einem ferngesteuerten Wagen aus der Halle gebracht.
Torsten von Reeken
Bereit zum Abflug: Der Polizeihubschrauber in Rastede.
Torsten von Reeken
Charlotte Meike (links) und Kirsten Böning von der Polizei-Hubschrauberstaffel in Rastede.
Torsten von ReekenSeit einem knappen Jahr gibt es weitere weibliche Verstärkung im Team. Charlotte Meike hat 2021 als Wärmebild-Operatorin angefangen. Damit sitzt die 26-Jährige bei einem Einsatz hinten im Hubschrauber und bedient die Kamera-Systeme. Am Standort Rastede gibt es vier Operatoren, zwei sind fest da, zwei auf ein oder zwei Jahre abgeordnet. Meike hat kürzlich die Zusage für eine der beiden festen Stellen ab 1. Juni bekommen.
„Auf Augenhöhe“
„Ein Büro in der Luft, besser geht es gar nicht“, sagt Meike über ihre Tätigkeit. Die Kollegen am Boden unterstützen zu können sei ein gutes Gefühl. Meike hat 2016 ihre Ausbildung bei der Polizeiakademie in Oldenburg begonnen und war zunächst ab 2019 bei der Bereitschaftspolizei tätig. Da sie ursprünglich einmal Fluglotsin werden wollte, hatte sie von Anfang an Interesse an der Hubschrauberstaffel. „Dass es so schnell klappt, hätte ich nicht gedacht.“
Die Polizeihubschrauberstaffel hat zwei Standorte, einen in Rastede und einen in Hannover, von denen rund um die Uhr mindestens einer besetzt ist. Der Anspruch ist, innerhalb von 30 Minuten jeden Ort in Niedersachsen zu erreichen.
2021 gab es für die Staffel insgesamt rund 1500 Einsätze. Kirsten Böning hat in dem Jahr knapp 120 Flugstunden geleistet.
Sieben Frauen gibt es unter den 57 Beschäftigten der Staffel. Böning ist unter 14 Piloten die einzige Frau. Bei den Wärmebild-Operatoren ist die Quote deutlich höher. Hier kommen drei Frauen auf neun Männer.
Auch sie sieht sich als eine der wenigen Frauen bei der Hubschrauberstaffel nicht in einer Sonderrolle. Ob jetzt ein Mann oder eine Frau im Einsatz sei, werde nicht zum Thema gemacht, sagt Meike. „Man begegnet sich auf Augenhöhe.“
Ein Hubschraubereinsatz funktioniere nur als Gemeinschaftsleistung der drei Besatzungsmitglieder, sagt Kirsten Böning. Die Operatorin sagt, wo sie hin will, um ein gutes Bild zu bekommen, die Pilotin steuert den Hubschrauber nach Möglichkeit entsprechend und der Co-Pilot beziehungsweise Flugtechniker übernimmt die Polizeitaktik, hält also Kontakt zu den Kollegen am Boden und in der Leitstelle.
Auch Böning hat nach einiger Zeit bei der Bereitschaftspolizei im Hubschrauber zunächst als Operatorin angefangen. „So bin ich zur Staffel gekommen. Aber ich hätte nicht gedacht, auch mal vorne Platz zu nehmen.“ Dass es so kam, sei Zufall gewesen. Während ihrer Zeit als Operatorin war die Ausbildung zur Pilotin ausgeschrieben. „Kann man ja mal probieren“, dachte sie sich. Heute weiß sie: „Ich würde für kein Geld der Welt tauschen wollen.“
Frauenbesatzung
Warum wollen so wenige Frauen Polizeihubschrauberpilotinnen werden? „Ich kann es mir selbst nicht erklären“, sagt Böning. Sie vermutet, dass viele Frauen sich davon abschrecken lassen, dass der Beruf viel mit Technik zu tun hat oder sie nicht den Mut haben, sich zu bewerben. Im vergangenen Jahr waren unter 20 Bewerbern für die 22-monatige Ausbildung zwei Frauen. Fragt man Charlotte Meike, ob sie sich auch vorstellen kann, Pilotin zu werden, sagt sie: „Wenn sich die Möglichkeit auftut, werde ich es probieren.“
„Unser Ziel ist es, dass wir mal komplett als Frauenbesatzung fliegen“, sagt Kirsten Böning. Neben Charlotte Meike gibt es noch eine weitere Wärmebild-Operatorin am Standort Rastede. „Aber mir fehlt leider noch die Co-Pilotin oder die Pilotin.“
