Wiefelstede - „Gemeinsam den Klimaschutz in der Gemeinde Wiefelstede gestalten“: Mit diesem Aufruf hat die Gemeindeverwaltung eine Pressemitteilung überschrieben, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Verwaltung bewirbt darin die für Ende August geplanten Auftaktveranstaltungen zum Klimaschutzkonzept.
Wiefelstede erweckt damit den Eindruck, beim Klimaschutz vorangehen zu wollen. Hinter verschlossenen Türen stellt sich die Situation indes anders dar. Nachdem sich der Bau-, Umwelt- und Klimaausschuss in öffentlicher Sitzung vergangene Woche mühsam dazu durchgerungen hatte, eine Potenzialanalyse für Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Auftrag zu geben, hat der stets nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss diese Empfehlung nach Informationen unserer Redaktion am Montag gleich wieder gekippt.
Eine offizielle Mitteilung aus dem Rathaus steht dazu bislang aus, eine Anfrage unserer Redaktion blieb am Donnerstag zunächst unbeantwortet – so wie zuletzt auch weitere Anfragen an den Bürgermeister.
Überblick liefern
Die Potenzialstudie soll einen Überblick liefern, wo in der Gemeinde Wiefelstede Freiflächen-Photovoltaikanlagen entstehen könnten. Bereits seit November vergangenen Jahres drängt die Verwaltung darauf, dass die Politik dem Erstellen der Studie zustimmt. Die Kosten für eine solche Analyse werden auf 20 000 bis 25 000 Euro geschätzt.
Hintergrund ist, dass der Verwaltung inzwischen vier Anträge von Interessenten vorliegen, die auf ihrem Land Freiflächenanlagen bauen möchten. Weitere Anträge werden erwartet. Um eine Handlungsgrundlage zu haben, wie mit solchen Anträgen umgegangen werden soll, sei es unumgänglich, eine Potenzialanalyse erstellen zu lassen, betonte Bauamtsleiterin Jessica zu Jeddeloh vergangene Woche.
Fahne im Wind
Sie machte auch auf die finanziellen Auswirkungen aufmerksam. Über jeden Antrag einzeln zu beraten sei am Ende teurer, als die Studie erstellen zu lassen.
Andere Kommunen im Ammerland haben längst Potenzialanalysen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen vorliegen. In Rastede und Edewecht fielen die Beschlüsse jeweils einstimmig. In Wiefelstede drücken derweil insbesondere CDU und FDP auf die Bremse. Und die UWG dreht sich wie die Fahne im Wind.
Im öffentlichen Ausschuss stimmte Enno Kruse von der UWG dem Erstellen der Studie noch zu und sorgte so zusammen mit SPD und Grünen für die benötigte Mehrheit. Im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss schlug sich nach Informationen unserer Redaktion sein UWG-Kollege Jan-Gerd Helmers jedoch wieder auf die Seite der Gegner. Damit sorgten CDU, FDP und UWG mit ihrem Nein dafür, dass die Studie nun doch nicht in Auftrag gegeben wird.
Die Gegner der Potenzialstudie sehen vor allem eine Gefahr für die Landwirtschaft. Jörn Eilers (CDU) meinte deshalb im Bauausschuss: „Wir müssen die Landwirte vor grüner Politik schützen.“
Im Verwaltungsausschuss sind die Landwirte stark vertreten. Was diese möglicherweise allerdings nicht bedenken: Es sind eben gerade Landwirte, die auf ihren Flächen gerne PV-Anlagen bauen möchten.
