Hahn-Lehmden - Der Schlauchturm des Feuerwehrhauses mit dem roten Hahn auf dem Dach ist das Wahrzeichen von Hahn – und das seit 1927. Seinen 100. Geburtstag wird er allerdings nicht mehr erleben. Das Feuerwehrhaus an der Wilhelmshavener Straße soll erweitert werden, und der Turm ist nicht Teil der Pläne. Am Montagabend im Feuerschutzausschuss hieß es auf Nachfrage der Politik von der Verwaltung: „Der Schlauchturm kann in Abstimmung mit der Feuerwehr weg.“
Das Wahrzeichen
Die Einheit Hahn war 1920 gegründet worden. In einer Scheune der Gastwirtschaft Hahner Hof, die 2016 abgerissen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus ersetzt wurde, stand damals die erste Handdruckspritze. 1927 wurde an der Bundesstraße (der heutigen Ortsdurchfahrt) ein neues Spritzenhaus gebaut. Dort, wo auch heute noch das Feuerwehrhaus steht. 1990 wurde der alte Bau abgerissen und durch ein modernes und größeres Gebäude ersetzt. Nur der Schlauchturm wurde in den Neubau integriert, heißt es in einer Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Hahn.
Einst wurden in dem Turm die Schläuche getrocknet. „Heute wird in Hahn nichts mehr gewaschen und getrocknet“, sagt Ortsbrandmeister Thorsten Menke im Gespräch mit unserer Redaktion. Dies geschieht inzwischen bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Elmendorf.
Seit 1980 ziert der 1,60 Meter hohe Hahn aus rot gebranntem Ton den Schlauchturm. Er war das Wahrzeichen der Ziegelei Zange. Diese befand sich östlich der Bahnlinie an der heutigen Straße „Zum roten Hahn“ und war in den 1920er- und 30er-Jahren der Hauptarbeitgeber in Hahn, Lehmden und Nethen, heißt es in dem Buch „Geschichte und Geschichten des Rasteder Nordens“. 1929 hatte sie etwa 150 Beschäftigte. 1974 wurde der Betrieb der Ziegelei Zange stillgelegt. Ehemalige Gebäude der Ziegelei existieren noch heute.
Die Erweiterung
630.000 DM kostete der Neubau des Feuerwehrhauses 1990. Die jetzt vorgestellte Erweiterung wird deutlich teurer. Die erste Schätzung des Planungsbüros pSH aus Westerstede beläuft sich auf 4,3 Millionen Euro. Hinzu könnten Kosten für den Einsatz regenerativer Energien oder mögliche Auflagen aus dem Genehmigungsverfahren kommen. Auch Abbruchkosten kämen noch hinzu.
Das zurzeit rund 450 Quadratmeter große Gebäude soll um rund 1000 Quadratmeter erweitert werden. Sven Harms, Geschäftsführer der pSH Projektplanung stellte die ersten Überlegungen vor. Linker Hand des jetzigen Gebäudes soll eine neue Fahrzeughalle mit drei Stellplätzen angebaut werden. Außerdem sollen in diesem Anbau Umkleiden, Sanitärräume und Lagermöglichkeiten geschaffen werden.
Berücksichtigt wird dabei die sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung. Damit verschmutzte Einsatzkleidung nicht mit Privatkleidung in direkten Kontakt kommt, gibt es verschiedene Bereiche und Zugänge. Für den 726 Quadratmeter großen Anbau soll auch ein Teil des zurzeit unbebauten Grundstücks genutzt werden, für das es aber noch keinen Bebauungsplan gibt. Auf der verbleibenden Fläche sollen Parkplätze für die Einsatzkräfte entstehen. Die zurzeit vorhandenen Parkplätze vor dem Gebäude fallen dann weg.
Auch rechter Hand des Feuerwehrhauses soll angebaut werden. In dem dort geplanten, 274 Quadratmeter großen neuen Gebäudeteil sollen Räume für die Jugendfeuerwehr und ein Schulungsraum entstehen. Zusätzlich zu der bestehenden Zufahrt auf das Gelände sieht die derzeitige Vorplanung zwei neue Zufahrten vor, eine zur neuen Fahrzeughalle und eine zum neuen Parkplatz. So soll verhindert werden, dass Einsatzfahrzeuge und Privatautos kreuzen müssen.
Der Zeitplan
Die Erweiterung des Feuerwehrhauses muss europaweit ausgeschrieben werden, erläuterte Geschäftsbereichsleiter Stefan Unnewehr von der Gemeindeverwaltung. Fünf bis sieben Monate müssten dafür eingeplant werden. Baubeginn könnte dann im vierten Quartal 2024 sein, die Fertigstellung 2026 – ein Jahr vor dem 100-jährigen Bestehen des Schlauchturms. Während der Turm abgerissen werden soll, soll der rote Hahn als Wahrzeichen erhalten bleiben – voraussichtlich auf einem Sockel auf dem Gelände der Feuerwehr.
