Friedrichsfehn - Die Teilnehmerin auf dem Stuhl sieht aus, als hätte ihr jemand ein blaues Auge geschlagen. Würde jemand unverhofft in den Raum kommen, würde er erst einmal einen Schreck bekommen. Doch die Frauen in dieser Gruppe zücken lieber ihre Handys und fotografieren. Denn sie wollen lernen, wie Susanne Becker-Torkler vom Oldenburgischen Staatstheater es fertigbringt, ein Gesicht so zu gestalten, dass es mit seinen Wunden sehr lebensnah aussieht.
Fünf Stunden: Kurs für Maskenbildner aus dem Ammerland
Für gut fünf Stunden hält sich die gelernte Maskenbildnerin am Samstag im Clubraum der Mehrzweckhalle in Friedrichsfehn auf, um ihr Wissen weiterzugeben. Eingeladen wurden zu dieser Fortbildung die Maskenbildner der plattdeutschen Theatergruppen im Ammerland und umzu. Organisator ist der Baas des Späälkrings des Heimatbundes „De Spieker“, Christoph Schildmann. Seine Vorsitzende, Rita Kropp, verfolgt das Geschehen mit großem Interesse.
20 Frauen: Wunden, Narben, Charakterschminken
Die Ansprüche an Laientheatergruppen sind grundsätzlich gestiegen, sind sich beide einig. Die Zuschauer erwarten für ihr Eintrittsgeld ein gewisses Niveau der Laiendarsteller, aber auch ein Aussehen, das den Charakteren der Rollen entsprechen soll. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bietet der Späälkring des Heimatbundes „De Spieker“ jährlich eine Fortbildung an.
„Dieses Mal stehen die Maskenbildner der plattdeutschen Theatergruppen im Mittelpunkt“, so Christoph Schildmann. Unter der Anleitung von Susanne Becker-Torkler lernen die gut zwanzig anwesenden Frauen (Männer gibt es bei den Maskenbildnern offenbar nicht) von neun Theatergruppen das Auftragen einer Basis-Make-ups, die Darstellung von Wunden und Narben und das Charakterschminken.
Wichtig für Laien: Schminktechniken erlernen
„Ich möchte nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zeigen, wie Schminke auf kleinen Bühnen mit wenig finanziellen Mitteln effektiv eingesetzt werden kann, um die gewünschten Erfolge zu erzielen“, so die Mitarbeiterin des Staatstheaters. Dass in dieser Gruppe auch Frauen vertreten sind, die sich erst jetzt mit der Maskenbildnerei beschäftigen, macht die Fortbildung noch interessanter.
Auch Kerstin Wittje lernt an diesem Vormittag einiges, was sie zukünftig in ihrer Theatergruppe „De Plattsnackers“ aus Jeddeloh I verwenden kann. Manches ist für sie, die seit drei Jahren hier für Maske und Frisuren zuständig ist, natürlich neu.
Austausch mit anderen Theatergruppen
Und einige Schwächen sieht sie bei sich auch. Bereits vor zwei Jahren, als der „Späälkring“ eine ähnliche Fortbildung durchgeführt hatte, war sie dabei. „Es ist einfach nur super und für Laien ganz wichtig, solche Techniken zu erlernen. Das ist mit normalem Schminken nicht vergleichbar. Ich habe hier zum Teil ganz neue Erfahrungen gemacht.“
Begleitet wird sie von ihrer Tochter Lina, die bei den Theateraufführungen der „Plattsnackers“ ihre Mutter unterstützt. Und auch wenn das Schminken und die Gestaltung im Mittelpunkt stehen, kommt der Austausch mit den Frauen der anderen Theatergruppen nicht zu kurz. Hier lernen alle voneinander.
