Friedrichsfehn/Edewecht - Um die Bienen steht es schlecht – und damit ist unser gesamtes Ökosystem gefährdet. Doch nicht nur Honigbienen haben es schwer: Landschaften ohne Hecken und Wildblumen, der Einsatz von Pestiziden und die Überdüngung setzen laut WWF vor allem den fast 600 heimischen Wildbienen-Arten zu. In der Gemeinde Edewecht wurde nun ein Fachgutachten erstellt, im Zuge dessen der Friedrichsfehner Diplom-Biologe Holger Witt seit November 2019 Wildbienen auf ausgewählten Sandwegen um Friedrichsfehn herum untersucht hatte.
Konkrete Maßnahmen
Unter dem Titel „Erfassung und Verbesserung der Lebensbedingungen für Wildbienen und Solitärwespen (Hymenoptera Aculeata exkl. Ameisen) in der Gemeinde Edewecht am Beispiel ausgewählter Sandwege“ stellte der Wissenschaftler heraus, wie es möglich ist, die für unsere Umwelt so wichtigen Insekten zu schützen. Im Zuge dessen stellte Hergen Erhardt (Grüne) im jüngsten Klimaausschuss den Antrag, dass die ökologische Pflege des öffentlichen Grüns mehr in den Fokus gerückt werden soll. Dieser wurde einstimmig angenommen. Die Thematik wird nun im Arbeitskreis Freiraumkonzept politisch weiter behandelt.
Konkrete Maßnahmen sind dabei bereits herausgekommen: Pauschal rät Holger Witt dazu, entsprechende Areale, in denen sich Wildbienen aufhalten könnten, nur extensiv zu pflegen, die Nutzung der Sandwege durch Fahrzeuge gering zu halten, Blüh- und Nistangebote an den Wegrändern zu schaffen und insbesondere nährstoffarmen Sand zum Nisten anzubieten. SPD-Ratsherr Hans Fittje bat die Verwaltung, die vorgeschlagenen Maßnahmen zum Erhalt und zur Unterstützung der Wildbienen-Populationen mit den Mitarbeitern des Bauhofes zu erörtern, um zeitnah die Pflegepraxis an den betroffenen Arealen zu verändern.
Wildbienen gefährdet
Laut Witt gehören Wildbienen zu den am stärksten gefährdeten Insekten in Deutschland. Dabei stellen sie die wichtigste Bestäubergruppe für unsere heimischen Wild- und Nutzpflanzen dar. Dazu kommen noch fast 600 Arten sehr nahe verwandter harmloser Solitärwespen und parasitärer Kuckuckswespen. Die Wildbienen sind nicht zu verwechseln mit den Honigbienen, die als Nutztier eingestuft werden und in ihrem Bestand nicht gefährdet sind.
Die meisten Wildbienen und Solitärwespen nisten nicht im Totholz oder Nisthilfen wie den sogenannten Bienenhotels, sondern sind auf nährstoffarme und trockenwarme Offenlandbiotope in enger Vernetzung mit langfristig blütenreichen, naturnahen Standorten angewiesen. Vor allem sandige Habitate können bei naturnaher Ausprägung potenziell sehr wertvolle Lebensräume für Wildbienen bieten. Diese werden allerdings immer seltener. Zudem wird ihr ökologischer Nutzen durch Ausbauten oder eine intensive Pflege vor allem der Wegsäume stark gemindert.
