Rastede/Oldenburg - Mohammed Juma steht in einem hellen Ladengeschäft. Der 30-Jährige sagt: „Ich fühle mich wohl.“ Das mag daran liegen, dass er in dem von ihm angemieteten Raum direkt vor Augen hat, was für ihn Freiheit bedeutet.
„Vieles ist in Eigenarbeit passiert“, erklärt er zum Start seines Friseursalons „Haarvanna“ an der Oldenburger Straße in Rastede. Nachdem dort bereits über viele Jahre ein Friseursalon betrieben worden war, hatte zuletzt das Bestattungsunternehmen Fred Janßen die Räume genutzt.
Jumas Wohlfühlen mag aber auch daran liegen, dass der Beginn seiner beruflichen Selbstständigkeit ein lang gestecktes Ziel markiert. „Ich wollte so schnell wie möglich unabhängig sein“, blickt er auf den Anfang in Deutschland zurück.
2015 nach Deutschland
Im Juli 2015 kam Mohammed Juma nach Deutschland, geht aus einer Mitteilung der Handwerkskammer Oldenburg hervor. In seinem Heimatland Syrien tobte der Bürgerkrieg. Millionen Menschen machten sich auf den Weg in Richtung Balkan. Der starke Zustrom von Schutzsuchenden innerhalb kurzer Zeit, auch aus dem Irak, Afghanistan und weiteren Ländern, veranlasste das niedersächsische Handwerk, ein Projekt anzubieten, das Geflüchtete und Betriebe zusammenbringt. „Ihafa“ wurde mit Mitteln des Landes Niedersachsen aus der Taufe gehoben: Integrationsprojekt handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber.
Mittlerweile sind aus dem Projekt 148 Geflüchtete im Kammerbezirk Oldenburg schon Gesellen, sieben haben die Meisterprüfung bestanden und nun ist der erste Ihafa-Teilnehmer selbstständig. „Mohammed hat seinen Weg gemeistert. Er hat die Sprache gelernt, die berufliche Laufbahn vorangebracht und privat sein Glück gefunden“, fasst Hussein Kerri, Integrationsbeauftragter der Handwerkskammer Oldenburg, die vergangenen acht Jahre zusammen. „Gleich bei unserem ersten Treffen hat er Ziele formuliert“, erinnert sich Kerri immer noch sichtlich beeindruckt.
Meisterprüfung bestanden
Offen und neugierig hat Mohammed Juma die Deutschen gefragt, wie die Dinge in diesem Land funktionieren. Nach einer Kompetenzfeststellung durch das Ihafa-Projekt und einem Praktikum begann er die Ausbildung zum Friseur. Das Bestehen der Gesellenprüfung habe ihn „stolz“ gemacht – und das Ergebnis der Meisterprüfung „mega-stolz“. Austausch und intensive Beratung fand er immer bei Hussein Kerri. Juma erzählt weiter: „Danach habe ich als Angestellter in einem Oldenburger Salon bei der Ausbildung der Azubis geholfen und mit dem Chef über Kalkulation und andere Dinge der Betriebswirtschaft gesprochen.“
Im Zuge der Existenzgründung bedauerte Mohammed Juma, dass er für das Programm „Mikrostarter“, ein Darlehen des Landes Niedersachsen, aufgrund seines begrenzten Aufenthaltstitels nicht in Frage kam. Der Friseurmeister fand kurzerhand eine andere Lösung. „Ich habe mein Auto verkauft und das Geld in den Salon gesteckt“, schildert Juma seinen Umgang mit der Situation. Und wie blickt er insgesamt auf die Zeit seit seiner Flucht? „Die wichtigsten Dinge des Lebens habe ich hier erlebt“, betont der zweifache Familienvater zufrieden.
