Holger Koch leitet den Kurs „Energiesparen ohne Frieren – Wie ich mein Heizsystem selbst optimieren kann“. Im Interview erzählt er, was die Teilnehmer erwartet.
Herr Koch, wie wird Ihr Haus beheizt?
KochInzwischen mit einer Luft-Wärmepumpe, bis letztes Jahr mit einer Gasheizung – und die läuft bei mir zum einen auf die Heizkörper, zum anderen auf die Fußbodenheizung.
Wie viel Gas haben Sie im vergangenen Jahr mit der Gasheizung verbraucht?
Koch Das waren 11 000 Kilowattstunden für ein Haus mit 140 Quadratmetern. Eine vierköpfige Familie in so einem Haus braucht im Durchschnitt 20 000 Kilowattstunden zum Heizen. Ich war mit unserem Wert sehr zufrieden..
Wie viel Gas verschwendet denn ein Haushalt durchschnittlich?
KochDa gibt es keine allgemeingültige Aussage. Das hängt sehr individuell von verschiedenen Parametern ab, wie Nutzerverhalten, Qualität der Gebäudedämmung. Es kommt auch auf die Lage an, ob das ein freistehendes Haus ist oder am besten eine Wohnung im Mehrfamilienhaus. Dann sind natürlich die Wärmeverluste geringer. Und es hängt natürlich davon ab, wie schlecht die Heizung derzeit eingestellt ist, bzw. wie alt die Heizung ist.
Und wie viel Gas kann ein Haushalt durch Selbstoptimierung der Anlage ungefähr einsparen?
KochEinen Durchschnittswert, den kann man nicht seriös angeben. Meine Einschätzung wäre: zehn Prozent und darunter. Wenn ich ein perfekt isoliertes Haus habe – und die Einstellungen sind schon nahe am Optimum, dann wird das wahrscheinlich minimal sein. Aber meine Überzeugung ist, dass man 50 Euro im Jahr immer sparen kann.
Können Sie sagen, mit welcher Vorlauftemperatur Ihre eigene Heizung ursprünglich eingestellt war, und wie der Wert nach Ihren Optimierungen war?
KochIn meinem Haus war die Vorlauftemperatur ursprünglich auf 70°C eingestellt. Der Außenfühler war defekt und funktionierte nicht. Inzwischen reicht mir eine Vorlauftemperatur von max. 42°C, meistens reichen 38°C.
Bei welcher Einstellung setzt man am besten an? Was bringen Sie den Leuten bei?
Koch Es gibt den einen Knopf, das ist die Vorlauftemperatur. Die Vorlauftemperatur muss runter. Und je weiter man die Vorlauftemperatur runter drehen kann, desto mehr Geld kann man sparen. Jetzt ist es aber so: Wenn man die Vorlauftemperatur runter dreht, dann wird das Haus an einer Stelle – und das ist meistens wirklich eine Stelle – nicht mehr richtig warm. Der Rest des Hauses schon, aber eine Stelle eben nicht mehr. Und jetzt muss man eben das Augenmerk drauf legen: Welche Stelle ist das? Warum wird es da nicht mehr warm? Und da gibt es Möglichkeiten, an verschiedenen Ventilen zu drehen, um dann zu gewährleisten, dass es an dieser Stelle auch bei einer niedrigeren Vorlauftemperatur noch warm wird. Außerdem geht es aber auch noch um Witterungsführung und etliche andere Details.
Aber kann ich nicht durch eine falsche Einstellung auch Schäden verursachen?
KochAlso, ich kann natürlich keine Garantie übernehmen. Aber das Risiko, was Sie eingehen, ist vor allen Dingen, dass Sie irgendeinen Raum nicht mehr warm kriegen. Wir drehen ja nicht an Stellen der Heizung, bei denen man nicht dran darf. Wir bauen kein Heizungsgerät um. Es geht ausschließlich um Einstellungen. Die werden in der Regel schon von Fachleuten durchgeführt, aber es ist nicht so, dass man dran dreht – und wenn irgendwas schief läuft, dann geht die Heizung kaputt.
Wie wird der Kurs ablaufen? Sie werden ja nicht reihum bei den Teilnehmern die Heizung umstellen?
KochDer Kurs ist als „Hands-On“-Kurs Hilfe zur Selbsthilfe. Er ist im Prinzip in drei Teile unterteilt. Teil 1 ist: Wie funktioniert ein Heizungssystem, welche Bauteile gibt es da drin? Und auf welche Art funktionieren die, also was bewirken die? Dann gibt es das nächste: Was für Konsequenzen hat es, wenn ich an Thermostaten drehe? Das Dritte ist – und dafür ist ausdrücklich Raum vorgesehen: eine Rückmeldung. Deswegen geht der Kurs auch über vier Termine. Mir ist wichtig, dass die Leute das, was im Kurs theoretisch vermittelt worden ist, an ihrer eigenen Anlage finden. Jede Anlage ist anders. Und diese Rückmeldung ist ein Teil des Kurses. Die Teilnehmenden drehen die Vorlauftemperatur runter und gucken, an welcher Stelle es nicht mehr reicht. Und wir schauen dann, was für Möglichkeiten es gibt, um das anders zu regeln und diese Situation zu verbessern. Außerdem gibt es Tipps zu einfachen Dämm-Maßnahmen, die nicht viel kosten, deren Einbau nicht lange dauert und die jeder selber umsetzten kann, der nicht gerade zwei linke Hände hat.
Referent Holger Koch (52)
ist in der Heizungsoptimierung „Autodidakt mit professionellem Hintergrund“. Der Maschinenbauingenieur hat in seinem eigenen Haus das Heizungssystem über viele Jahre optimiert und gibt seine Erfahrungen weiter. Seine Überzeugung: Die Standardwerte, mit denen Heizungen üblicherweise eingestellt werden, passen nur selten zur speziellen Situation und bieten viel Spielraum und Einsparpotenzial.
