Bad Zwischenahn - Drei Versuche hat es gegeben, um zu sehen, welche Auswirkungen eine Sperrung der Ortsdurchfahrt in Bad Zwischenahn auf die Situation auf der „Meile“ und die umgebenden Straßen hat. An drei Sonntagen (7., 14. und 21. Mai) hat sich während dieser Versuche gezeigt, dass die Verkehrssicherheit so stark beeinträchtigt war, dass das Experiment vorzeitig abgebrochen worden ist. Eigentlich hätte es drei Monate dauern sollen. Im Straßen- und Verkehrsausschuss ist jetzt ein Fazit zur Aktion gezogen worden. Dabei wurden verschiedene Perspektiven beleuchtet – ein Überblick:
Die Verwaltung
Die Verwaltung sieht grundsätzlich, dass es durch die Sperrung der Ortsdurchfahrt eine Verkehrsberuhigung auf der Meile gegeben hat. Die Aufenthaltsqualität für Radfahrer und Fußgänger sei deutlich gesteigert worden, womit dieses Ziel der Aktion klar erreicht worden sei.
Bedenken, dass sich das Verkehrsaufkommen auf den umliegenden Straßen drastisch erhöhen könnte, seien nicht bestätigt worden, wie die Auswertung der Beobachtungen zeige. Rückstaus auf der Ausfahrt zur Oldenburger Straße sowie auf der Straße In der Horst seien in abgeschwächter Form aufgetreten. Überlastungserscheinungen auf der Georgstraße oder den Entlastungsstraßen beim Rechtsabbiegen auf die Georgstraße seien ebenfalls nicht festgestellt worden. Und auch die Straße Auf dem Winkel sei während der Sperrungen nicht übermäßig befahren worden.
Dass die Versuchsreihe trotz dieser positiven Effekte abgebrochen wurde, ist auf die zahlreichen Wendemanöver zurückzuführen, die sich an den Sperrungen der Ortsdurchfahrt ereignet haben (insbesondere an der Straße In der Horst). Gefährlich sei die Situation dabei vor allem für Radfahrer gewesen – vor allem, wenn mehrere Fahrzeuge zeitgleich an die Sperrung gekommen seien.
Denn Autofahrer seien dort auf den Radfahrstreifen gefahren, um zu wenden und hätten diesen dabei blockiert. Das habe dazu geführt, dass Radfahrer anhalten mussten oder die wendenden Autos überholt haben. An den ersten beiden Sonntagen konnten insgesamt 740 dieser Wendemanöver registriert werden, Unfälle hat es nicht gegeben.
„Im Ergebnis wird von der Verwaltung derzeit keine realistische, akzeptanzbringende sowie sichere verkehrliche Maßnahme zur Beruhigung der Ortsdurchfahrt als umsetzbar angesehen“, lautet deshalb das Fazit, das die Verwaltung zieht. Anzumerken sei, dass sich immer mehr Verkehrsteilnehmer nicht einsichtig beziehungsweise rücksichtslos verhalten. Das gelte nicht nur bei Sperrungen, sondern auch im Bereich von Baustellen, wo klare Beschilderungen immer häufiger ignoriert würden.
Das Gewerbe
Eine Befragung von Gewerbetreibenden an der Meile, durchgeführt von der Agentur „Stadt + Handel“, ist an zwei Sonntagen lediglich von 37 beziehungsweise 26 der rund 150 Betrieben an der Meile beantwortet worden. Eine methodische Stringenz sei deshalb nicht vollkommen gegeben. Dennoch gibt es Ergebnisse.
Die befragten Betriebe gaben an, dass sich die durchschnittliche Kundenzahl im Mai – im Vergleich zum Juni 2022 als Referenzmonat – insgesamt leicht verringert habe. 70 Prozent gaben auch an, dass es im Mai eine negative Umsatzentwicklung gegeben habe. Nur zehn Prozent der befragten Betriebe verzeichneten eine positive Entwicklung. Die Befragten haben während der Durchfahrtsunterbrechung außerdem folgende Effekte wahrgenommen: Verringerung der Kundenfrequenz (22 Prozent), Verkehrschaos (15 Prozent), Verschlechterung der Aufenthaltsqualität (14 Prozent), Verringerung der Aufenthaltsdauer (12 Prozent), Verbesserung der Verkehrssituation (8 Prozent).
Die Politik
Stefan Pfeiffer (CDU) erklärte den Versuch als gescheitert. Die Entscheidung der Verwaltung für den Abbruch sei aufgrund der Gefahren richtig gewesen. Sarah Harmann (Grüne) bedauerte, dass der Versuch nicht zu Ende geführt worden sei und es zu wenig Rückmeldungen aus dem Gewerbe gegeben habe. Den Ausschluss des Kfz-Verkehrs während der Sperrung der Ortsdurchfahrt bewertete sie als positiv. Tim Hobbiebrunken (CDU) merkte an, dass Besucher, insbesondere am Wochenende, mit Autos in den Kurort kommen und dort vernünftige Parkplätze vorfinden müssten, egal ob die Ortsdurchfahrt gesperrt ist oder nicht. Auf die Kaufkraft könne die Gemeinde nicht verzichten.
