Godensholt - In vielen Orten gibt es sie – ausrangierte Telefonzellen oder kleine, umgestaltete Gartenhäuschen zum Beispiel, wo man kostenlos und anonym und ohne jegliche Formalitäten Bücher tauschen oder mitnehmen kann. Statt derartige öffentliche Bücherschränke hatte Godensholt acht Jahre lang eine Bücherbank, die nun in die Jahre gekommen ist und nicht mehr genutzt wird. 2012 war sie – bemalt von Mädchen und Jungen aus dem örtlichen Kindergarten – am Drakamp-Platz aufgestellt worden.
Was wurde aus der alten Bücherbank?
„Wir nutzen sie zwar nicht mehr, aber sie bleibt an ihrem Standort“, sagt Anke Frerichs, Mitglied im Godensholter Basarkreis, die sich um das dörfliche Bücherprojekt kümmert. Einmal habe jemand in die leere Bank sogar ein paar ausrangierte Schuhe gestellt und wenig später jemand anders mitgenommen, lacht sie.
Ein Buch tauschen und eines mitnehmen oder nur ein Buch mitnehmen – das kann man jetzt an anderer Stelle ganz in der Nähe der ausrangierten Bücherbank.
Was gibt es nun anstelle der Bücherbank?
„Wir haben einen Tisch für den hölzernen Pavillon bauen lassen und dieser Büchertisch wird rege genutzt“, freut sich Anita Röben, Schriftführerin im Basarkreis. Bärbel König habe den Vorschlag gemacht und aus Papier sogar ein kleines Modell gebaut. Um zu ermitteln, wie groß der Büchertisch maximal sein dürfe, habe man im Pavillon zunächst Probe gesessen. Denn der Tisch sollte zwar seinen Zweck erfüllen, aber nicht zu groß sein und die Bewegungsfreiheit rastender Menschen einengen.
1983 wurde der Godensholter Basar von Annegret Meyer erstmals angeboten, obwohl der damals Neuzugezogenen viele seinerzeit versichert haben, dass es an einer solchen Veranstaltung kein Interesse im Dorf gäbe. Vergangenes Jahr fand der Basar zum 33. Mal statt.
Begonnen hat alles mit einem Tapeziertisch im Godensholter Schießstand, an dem 1983 Wilma Reil, Irma Albrecht, Regine Reiners, Elfriede Ahlhorn und Gerda Borchers allerlei anboten. Von 1992 bis 1994 fand der Basar im Saal des Godensholter Schützenhofes statt und ab 1995 dann im Godensholter Gasthof „Zum Alten Erbkrug“. Seit 2003 leitet Annegret Rothenburg den Basarkreis. Am längsten ist Ulrike Wittpahl dabei, sie kam 1986 zum Basarteam.
Heute gehören neben Leiterin Annegret Rothenburg und der „Dienstältesten“ Ulrike Wittpahl, Anita Röben, Hanna Gertje, Bärbel König, Helga Oetken, Anne Soorholtz, Elfriede Ahlhorn, Edith Janssen, Anke Frerichs, Wiebke Wittpahl, Simone Gertje, Milena Gertje, Gudrun Wortmeyer, Irina Ludwig, Annika von Grönheim und Karina Vohlken zum Basarkreis. Als Aushilfen sind Verena Vohlken und Heike Helms dabei. Ausgeschieden sind Hannelore Mansholt, Christa Prüsener und Anne Backer.
Bis Januar dieses Jahres hat der Basarkreis 36 595,77 Euro an Spenden zusammengetragen, davon flossen allein 12 750 Euro in Godensholter Projekte bzw. örtliche Vereine.
„Unser Problem waren jedoch unsere Finanzen. Da wir dieses Jahr keine Einnahmen erhalten – unser großer Basar am 15. November musste ja wie viele Veranstaltungen wegen der steigenden Corona-Zahlen abgesagt werden – haben wir nur 300 Euro zur Verfügung“, so Anita Röben. Doch wer baut einen einen solchen Tisch für diese Summe?
Im Internet wurde man fündig und stieß auf einen Hobbyhandwerker aus Kleinsander, der Blumenkübel produziert und nach den Godensholter Vorstellungen den Tisch baue. Ende August hätten die Planungen begonnen, Ende September sei der Tisch mit Hilfe von Uwe Hobben aufgestellt worden. Heike Lübben sorgte noch dafür, dass am Büchertisch noch ein Schild angebracht werden konnte.
Wie ist die Nachfrage nach den Büchern?
„Eigentlich ist das Projekt ja ein Tauschprojekt, aber viele nehmen sich nur Bücher heraus“, so Anke Frerichs. Schon mehrfach sei jedoch der gesamte Büchertisch ausgeräumt worden. Das sei an Wochenenden mit gutem Wetter gewesen, wo viele einen Spaziergang im Loher Forst unternommen hätten. Außerdem besuchten viele Familien den Loher Forst, um „Ronja Räubertochter“ zu spielen, ein Angebot der Kulturscheune Barßel für das Smartphone.
Probleme, einen leeren Büchertisch zu füllen, hat Anke Frerichs nicht. „Wir haben noch Mengen an Bücherspenden“, berichtet sie und immer wieder kämen welche nach. Wer noch etwas abzugeben hat, kann sich bei Anke Frerichs (
Die Herrichtung des Büchertisches ist das einzige Projekt des Basarkreises im Corona-Jahr 2020. „Anfang des Jahres konnten wir vom Erlös des Basars 2019 noch vier Projekte unterstützen“, so Anita Röben. So habe man der Aper Wunschbaumaktion 200 Euro zukommen lassen und dem Ammerland-Hospiz in Westerstede 300 Euro. 200 Euro wurde auch der Jugend des Schützenvereins Godensholt gespendet und die gleiche Summe wurde als Zuschuss für eine Sitzgruppe am Oskar-Padd in Godensholt gewährt.
Wer profitiert von den Erlösen des Basarkreises ?
In den Anfangsjahren spendete Basarkreis-Gründerin Annegret Meyer den Erlös dem „Weißen Ring“ und einem Kinderkrankenhaus in Jerusalem, später wurde auch dörfliche Projekte berücksichtigt. Seit über 15 Jahren geht der Großteil der Erlöse an Projekte der Dorfgemeinschaft oder in der Gemeinde.
