Gristede - Weder Schutzmasken noch Gummihandschuhe sind zu sehen. Und doch machen sich Menschen auf in die „rote Zone“, in der sie umgeben sind von Korona. Vorsichtsmaßnahmen sind auf dem Erdbeerfeld des Eytje-Hofs in Gristede freilich auch nur bedingt nötig. An der Zwischenahner Straße liegt statt des Duftes von Desinfektionsmittel der süßlich-fruchtige Geruch von Erdbeeren in der Luft. Eine der fünf angebauten Erdbeersorten ist nicht etwa nach dem Coronavirus benannt. Sie verdankt ihren Namen ihrem herzförmigen Aussehen: Korona.

Und Korona ist beliebt: Dietrich Hobbie hat einen Zehn-Liter-Eimer voll mit den roten Früchten gepflückt. Etwa eine Stunde ist er dafür in der von den Angestellten vorgegebenen Bahn auf dem Feld unterwegs gewesen. „Die sind wunderbar und haben einen guten Geschmack“, urteilt der 85-Jährige. Was von seinem prall gefüllten Eimer nicht umgehend verspeist wird, landet im Gefrierschrank, um daraus etwa Marmelade zu machen. Auch die anderen Selbstpflücker sind heute auf dem Korona-Feld unterwegs. Ganz ohne Einschränkungen wird hier jedoch nicht gepflückt. Auch auf dem Feld des Eytje-Hofs muss auf den Sicherheitsabstand geachtet werden, daher wird nur in jeder zweiten Reihe gepflückt. Außerdem haben sich die Eytings dazu entschieden, die Erdbeer-Reihen mit etwas mehr Abstand als sonst zu pflanzen.

Korona ist neben der Polka-Erdbeere eine der beiden Hauptsorten, die auf dem Eytje-Hof gepflanzt worden sind. Und sie wird nicht nur von den Selbstpflückern geerntet, sondern auch von drei Erntehelfern. Zwei davon kommen aus Polen. Ende Mai sind die beiden Erntehelfer in Gristede angekommen, zu einer Zeit als die Beschränkungen für die so wichtigen Arbeiter aus dem europäischen Ausland bereits gelockert wurden.

Für den Eytje-Hof erwies sich der Verzicht auf den Spargelanbau in diesem Jahr als Glücksgriff, denn die zur Erdbeerernte angereisten Helfer konnten im Gegensatz zu den deutschlandweit benötigten Spargelerntehelfern ohne Probleme einreisen. „Wir mussten dokumentieren, dass wir sie brauchen“, so Johanna Eyting.

In den Vorjahren halfen auf dem Hof im Schnitt fünf Polen bei der Spargel- und Erdbeerernte. Auch in diesem Jahr werden es wieder fünf Erntehelfer sein, drei kommen jedoch aus der Region. „Die Unterbringung der ausländischen Erntehelfer ist für viele ein großes Problem“, sagt Eyting. So müssen die Helfer in Einzelunterkünften wohnen, um den nötigen Abstand einhalten zu können. Für manche Betriebe kann dies existenzgefährdend werden. „Der Gurkenbauer, bei dem wir einkaufen, sagt, er kann die gestiegenen Kosten ja nicht einfach auf den Preis umlegen.“

Daniel Kodalle
Daniel Kodalle Thementeam Soziales