Osterscheps - Die Eltern, deren Kinder die Grundschule Osterscheps besuchen, sind sauer. Weil es nicht genügend Lehrkräfte gibt, müssen in mehreren Nebenfächern Klassen zusammengelegt werden. Das wollen die Eltern nicht länger hinnehmen. Ihr erster Erfolg: vier Ammerländer Landtagskandidaten kamen nach Osterscheps, um sich von der Lage einen Eindruck zu verschaffen.
Großes Interesse
„Es ist unheimlich viel in Schieflage“, fasste Mariam Haupt zusammen. Sie hat vor etwas mehr als zwei Wochen mit weiteren Eltern einen Arbeitskreis gegründet, der die Veranstaltung organisierte. Rund 40 Personen trafen sich am Freitag in der Aula der Grundschule, darunter die Landtagskandidaten von CDU, SPD, Grünen und FDP. Eine Wahlkampfveranstaltung sollte es aber nicht werden, da waren sich alle einig.
Wer allerdings fehlte, waren die Lehrerinnen und Lehrer und der kommissarische Schulleiter. Nicht, weil sie nicht kommen wollten, sondern weil das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (ehemals Landesschulbehörde) es ihnen untersagte. Jens Nacke (CDU) mutmaßte, dass der Grund in der gebotenen Zurückhaltung von Behörden vor der bevorstehende Landtagswahl zu suchen ist.
Mehrere Probleme
An der Grundschule Osterscheps kommen verschiedene Probleme zusammen. Das eine ist die „schlechte Unterrichtsversorgung“ aufgrund des Lehrermangels. In den Fächern Religion, Kunst, Musik, Werken und Textiles Gestalten wurden jeweils zwei Klassen zusammengelegt. Daher kann auch der Werkraum nicht mehr genutzt werden, weil für so viele Kinder das Material fehlt, beziehungsweise die Aufsicht nicht ausreicht.
Ihr Eindruck ist, dass hinsichtlich des Lehrermangels immer nur die schlimmsten Brände gelöscht werden, sagte eine Mutter. Und das in Zeiten von Corona-Pandemie und der Integration von Geflüchteten aus der Ukraine. Zudem verschärfe sich das Problem, wenn das Angebot Ganztagsschule verpflichtend wird. Eine andere Mutter regte an, Kooperationen mit Musik- und Kunstschulen einzugehen, um zumindest in diesen Fächern für etwas Entspannung zu sorgen.
Ein weiteres Problem ist die vakante Schullleiterstelle. Aktuell übernimmt Christian Pagels die Aufgabe kommissarisch. Eigentlich leitet er die Grundschule Edewecht. Drittes Ärgernis für die Eltern ist die schlechte Erreichbarkeit des Sekretariats, das drei Tage pro Woche nicht besetzt ist.
Lösungen gesucht
Für diese Stelle ist die Gemeinde Edewecht als Schulträgerin zuständig. Man erfülle den Standard, erklärte Erster Gemeinderat Rolf Torkel. Der Bedarf werde an den Schülerzahlen festgemacht. Die Folge sei, dass sehr kleine Schulen nicht alles abdecken könnten. Ein Vater fragte, ob nicht einfach eine zusätzliche Stelle geschaffen werden könnte.
Die Schwierigkeit dabei: Wenn eine Ausnahme gemacht wird, würden sich auch andere Schulen eine weitere Stelle wünschen. Mehrere Stellen seien aber im Haushalt aktuell nicht darstellbar, erklärte Jörg Brunßen, CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat. Beide verprachen aber, das Thema mitzunehmen und nach einer Lösung zu suchen. Der pragmatische Vorschlag einer Mutter: Das Land könne doch das Geld, das aufgrund der unbesetzten Lehrerstellen nicht ausgegeben wird, den Gemeinden zur Verfügung stellen, um die Lücken zu füllen.
Mit dem Auftakt der Arbeitsgruppe ist die Elternschaft zufrieden. Als nächstes wollen sie einen neuen Termin mit der Landesschulbehörde vereinbaren.
