Halsbek - Sie heißen Napoleon, Roter Brasil oder Karl Peters - alte Apfelsorten, die nur noch selten bis gar nicht mehr gepflanzt und geerntet werden. Manche gelten gar als ausgestorben.
Alt aber lecker
Doch nun sind einige von ihnen zurück: Die Naturschutzgemeinschaft Ammerland hat auf einem ehemaligen Acker in der Nähe von Halsbek insgesamt 55 Obstbäume unterschiedlichen Alters gepflanzt. Neben den oben erwähnten Äpfeln wachsen alte lokale Obstsorten auf dem Feld: Pannemanns Tafelapfel beispielsweise, der Bremer Doodapfel, der Rote Papenburger, der Ostfriesische Herbstcalvill, die Wildeshauser Goldrenette oder die Zeteler Zuckerbirne. Vom Apfel über Birne, Kirsche, Zwetschge und Mirabelle bis zur Walnuss reicht das Sortiment.
„Es geht uns aber nicht nur darum, lokale Sorten anzupflanzen, sondern auch darum, etwas für den Erhalt seltener oder gar vom Aussterben bedrohter Sorten aus dem norddeutschen Raum zu tun“, erklärt Dr. Christoph Sextroh, der das Projekt auf den Weg gebracht hat.
Vom eigenen Apfel
Diese seltenen Arten hat die Naturschutzgemeinschaft Ammerland über den Verein Konau 11 - Natur bezogen, der sich für den Erhalt von Streuobstwiesen und Obstbaumalleen im Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe einsetzen. „Wir sind gespannt, wie sich diese Raritäten im Ammerland entwickeln werden“, so Sextroh. Viele Menschen in der Region könnten eine Geschichte vom ersten Apfel aus dem eigenen Garten erzählen. „Damit dies auch in Zukunft so bleibt, dürfen wir nicht vergessen diese Vielfalt zu erhalten“, resümiert der Hobby-Pomologe.
Vielfalt
Neben diesem Beitrag für die Biodiversität und die Erhaltung regionaler oder seltener Obstsorten, wollen die Organisatoren zudem einen alternativen Lebensraum für die hiesige Tier- und Pflanzenwelt sichern. Vor diesem Hintergrund haben Sextroh und seine Mitstreiter auf der Obstbaufläche eine Blumenwiese gesät, Insektenhotels aufgestellt und Nistmöglichkeiten für Vögel geschaffen.
Wissenschaftliche Studien belegen immer wieder: Je vielfältiger der Bewuchs auf Ackerflächen ist und je weniger intensiv diese Fläche genutzt wird, umso größer die Artenvielfalt der Pflanzen, Tiere und der Bodenmikroorganismen. Im Fall der Fläche in Halsbek dürfte der Erfolg feststehen: Aus der ursprünglichen Mais-Monokulturfläche entsteht nun über die Jahre ein vielfältiges Biotop.
Kinder begeistern
Christoph Sextroh wird die Fläche von rund 8000 Quadratmetern in den kommenden Jahren pflegen: „Die Pflanzung ist ja nur der Anfang, die Obstbäume und die Blühwiese müssen gepflegt werden, damit sie ihre Vielfalt entwickeln.“
Bis Christoph Sextroh den ersten Napoleon-Apfel im Ammerland pflücken wird, wird es vermutlich noch ein paar Jahre dauern, aber mittelfristig möchte er die Wiese auch anderen Menschen zugänglich machen: beispielsweise Kindern, um ihnen die bunte Apfelvielfalt näher zu bringen – auch geschmacklich!
