Rastede - Auf sie wartet ein großes Abenteuer, eine ganz besondere Herausforderung. Die Achtklässler der Kooperativen Gesamtschule Rastede (KGS) planen in diesem Halbjahr Projekte, die sie „raus aus der Schule und rein ins Leben“ führen. Es geht um das Meistern selbst gestellter Aufgaben, an denen sie wachsen können, bei denen sie ihr Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit stärken können und ihre eigenen Fähigkeiten zum Tragen bringen.
Zwei Wochen lang, direkt nach den kommenden Sommerferien, werden sie sich ohne Eltern einem außerschulischen Herausforderungsprojekt stellen: Das kann z.B. der Bau eines Baumhauses, das Schreiben eines Theaterstückes oder Buches, eine Radtour an die Nordsee oder das Schwimmen von 100 Kilometern sein. Bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „Herausforderungen 2022“ am Montag in der Mehrzweckhalle Feldbreite gab es erste Anregungen/Ideensammlungen.
Besondere Bedingungen
In kleinen Gruppen von vier bis sechs Schülerinnen und Schülern werden die Jugendlichen vom 26. August bis 8. September unterwegs sein, um ihr besonderes Projekt zu verwirklichen. 150 Euro von den Eltern hat jeder in der Tasche. Davon müssen Lebensmittel, Übernachtungen und Transportmittel finanziert werden, zu Hause schlafen sollen die Schüler in der Regel nicht. Etwas Geld darf unterwegs hinzuverdient werden, oder eine Arbeitsleistung wird als Gegenleistung dafür erbracht, dass die Jugendlichen ihr Zelt z.B. in einem Garten aufschlagen dürfen.
„Es geht darum, die Schule noch mehr zu leben. Wir hoffen auf einen hohen Lerneffekt“, sagt Lehrerin Saskia Duin-Lay, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Kirstin Westerholt das „Herausforderungsprojekt“ leitet. Geplant wird es schon seit mehreren Jahren und sollte eigentlich schon starten, doch Corona verhinderte das. Unterstützt werden beide Pädagoginnen bei der Planung und Umsetzung von zehn weiteren Lehrkräften der KGS.
In dem Projekt werden auch soziale Kompetenzen und der Umgang mit Problemen und Konflikten geschult. „Die Schülerinnen und Schüler müssen planen, einkaufen, Fahrradreifen flicken, sich wieder in der Gruppe zusammenzuraufen, wenn die Stimmung mal kippt, gemeinsam Lösungen finden“, sagt Saskia Duin-Lay, der das Herausforderungsprojekt bei einer Fortbildung von einer Lehrerin einer Göttinger Schule nähergebracht wurde. Rund 70 Schulen bundesweit haben es bereits durchgeführt.
Große Vorfreude
„Ich finde, das Projekt ist eine gute Idee. Ich glaube, es wird sehr schön und man lernt etwas“, sagt Achtklässlerin Smilla Janout. Die 13-Jährige überlegt noch, welche Aufgabe sie angehen möchte. „Ich würde gern irgendwo hinfahren, vielleicht wandern gehen, mit dem Zelt. Aber dann eher in kleineren Dörfern und im Wald.“ Auch bei Achtklässler Ole Bohmbach (14) ist die Vorfreude groß: „Das ist mal was ganz anderes.“
Begleitet wird jede Schülergruppe in den zwei Wochen von einem/einer speziell dafür ausgebildeten und in Erster Hilfe geschulten Studenten/Studentin der Universität Oldenburg. Ihre Handys sollen die künftigen Neuntklässler zu Hause lassen. Einzig der Student/die Studentin hat eines dabei, mit dem einmal am Tag ein Foto an die Eltern der Schüler geschickt wird.
Langfristiges Ziel
„Wir machen das erst mal als Pilotprojekt“, sagt Kirstin Westerholt. Doch das Ziel sei es, das Herausforderungsprojekt langfristig zu etablieren und in den Schulalltag bzw. den Unterricht zu integrieren. Wie viele Schülerinnen und Schüler dann als Neuntklässler nach den Sommerferien an der Projektpremiere teilnehmen, steht noch nicht fest. Rund 280 gehören insgesamt zum aktuellen achten Jahrgang der KGS (alle Schulformen zusammengenommen). Die Teilnahme ist freiwillig. Die Eltern müssen in einem „Vertrag“ ihr Einverständnis geben. Auch eine Risiko- bzw. Gefahrenanalyse der Herausforderungen erfolgt seitens der Schule.
Die Video-AG der KGS Rastede dokumentiert das neue Projekt in weiten Teilen. Mit einem Abschluss- und Präsentationstag am 9. September geht es dann zu Ende.
