Heubült - Der Schulhof der evangelischen Volksschule Heubült war groß, die Kinder hatten ordentlich Platz zum Spielen. „Und wir haben viel gespielt“, erinnert sich Margot Trump, die dort im Kriegsjahr 1944 eingeschult wurde. Sechs Jahre alt war Margot Trump (geborene Strodthoff) damals. Sie erinnert sich noch, dass sie Angst auf dem Schulweg hatte vor Pfützen und vor Tieffliegern. Lehrer in Heubült war Friedrich Goetsch. „Jeden Montag mussten wir eine saubere Schürze, ein sauberes Taschentuch, geputzte Fingernägel und saubere Schuhe vorzeigen.“ Ab 1945 war Waldemar Thiel Lehrer, der mit den Kindern aus Pole Poppenspäler las. Schulbücher gab es nicht. Vor allem gab es in den ersten Nachkriegsjahren kein Papier. Margot Strodthoff musste den Rand der Zeitung abschneiden.
Kein Heft ohne Altpapier
„Wer ein Heft kaufen wollte, musste Papier mitbringen“, erinnert sich die Heubülterin, deren Eltern eine kleine Landwirtschaft hatten.
Lehrer Thiel starb 58-jährig im Mai 1951. Er wurde in der Schulklasse aufgebahrt (mit unzähligen Kränzen und Blumen geschmückt“, wie die Nordwest-Zeitung am 19. Mai 1951 berichtete), damit die Schüler und Eltern der Schulacht Heubült sowie die Lehrerkollegen Abschied nehmen konnten. Für die Lehrerkonferenz (das war die selbstorganisierte Lehrerfortbildung der Volksschullehrer der Region) sprach Reinhold Denzler (Bekhausen). Zu jener Zeit lebten auch noch Flüchtlingsfamilien im Dachgeschoss des Lehrerhauses, das vorn zur Straße bestand (im hinteren Teil waren die Klassenräume untergebracht). 1953 wurde Margot Strodthoff aus der Volksschule Heubült entlassen. Lehrer Johann Janßen übernahm die Lehrerstelle in Heubült. Er wurde 1961 pensioniert – nach 50 Jahren im Schuldienst (die Ausbildung im Oldenburger Lehrerseminar eingerechnet). Ihm schließlich folgte Erna Gußner. Margot Trumps Tochter wurde noch in Heubült eingeschult, ihr Sohn schon in der Volksschule Lehmden. 1970 wurde die kleine Schule geschlossen. Das Schulgebäude wurde verkauft, es wurde als Wohnhaus genutzt.
Seit 2015 leben die Thiemigs in dem alten Schulgebäude. Janine und Frank Thiemig hatten das alte Schulgebäude entdeckt.
Nur kein Neubau
„Ein Neubau stand nicht zur Wahl“, sagt Janine Thiemig. Zug um Zug haben sie das Gebäude wieder hergerichtet, Fenster, Böden und Türen erneuert, spätere Einbauten rückgängig gemacht. Das Sanierungsvorhaben ist noch lange nicht beendet, aber man hat eine Vorstellung davon, wie es sein kann, in einer alten Schule zu wohnen. Ein Klassenraum war noch im ursprünglichen Zustand, der Sockel zeigte, wo früher ein Kaminofen stand. Am Ende des großen Grundstücks waren die Fundamente, wo früher die Toiletten (Plumpsklo) für die Schüler waren.
