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Holocaust-Gedenken in Apen „Alle wussten, was auch hier passierte“

Erhard Drobinski
Engagierten sich beim Wettbewerb zum Holocaust-Gedenken in Apen (v.l.): Anja Szyltowski, Matthias Huber, Jule Würdemann, Jasmin Schwarz, Sina Holthusen, Margarete Wempen, Carsten Saber, Dr. Karl-Heinz Utescher, Evelyn Barenbrügge, Julia de Vries, Olaf Kiefer und Norbert Zwingmann; sitzend: Annemarie van Häfen.

Engagierten sich beim Wettbewerb zum Holocaust-Gedenken in Apen (v.l.): Anja Szyltowski, Matthias Huber, Jule Würdemann, Jasmin Schwarz, Sina Holthusen, Margarete Wempen, Carsten Saber, Dr. Karl-Heinz Utescher, Evelyn Barenbrügge, Julia de Vries, Olaf Kiefer und Norbert Zwingmann; sitzend: Annemarie van Häfen.

Erhard Drobinski

Augustfehn - „Einhundert Stühle haben wir hier hingestellt, dazu mussten wir immer noch einige aus einem Klassenraum dazustellen.“ Norbert Zwingmann ist von der riesigen Resonanz überrascht, die am Samstag die Holocaust-Gedenkveranstaltung im Peter Suhrkamp-Foyer der Integrierten Gesamtschule (IGS) Augustfehn ausgelöst hat. Mit verschiedenen Wort- und Musikbeiträgen sowie der Vorstellung verschiedener Arbeiten, die zum Thema „Das Leben unterm Hakenkreuz“ erstellt wurden, wird den vielen Besuchern eine Zeit in Erinnerung gerufen, die nie vergessen werden darf – auch in Hinblick auf die Demokratiegefährdung, die zurzeit droht.

Wettbewerb initiiert

Die Idee zu dieser Veranstaltung hatte der Diakon im Ruhestand, Norbert Zwingmann. In Jasmin Schwarz, Koordinatorin der Fachstelle „Demokratie leben“ bei der Kreisvolkshochschule (KVHS) Ammerland, und Matthias Huber, Bürgermeister der Gemeinde Apen und gleichzeitig Schirmherr der Gedenkveranstaltung, fand er schnell Unterstützer für sein Anliegen. Dazu wurde ein Wettbewerb kreiert, der sich mit dem Leben unter dem Hakenkreuz auseinandersetzen sollte. Es wurden insgesamt neun Arbeiten von acht Personen eingereicht, wobei bei einem Projekt Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede mit eingebunden waren und sind.

Mit dem 27. Januar wurde zur Durchführung der Gedenkveranstaltung ein geschichtsträchtiges Datum gewählt. An diesem Tag wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau durch die russische Armee befreit. Zu diesem Gedenktag fanden bereits in der Vergangenheit verschiedene Aktivitäten statt, der Wettbewerb ist allerdings neu. „Damit wollten wir auch jüngere Leute ansprechen und motivieren, sich mit diesem Teil der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Ich freue mich, dass das gelungen ist“, zieht Norbert Zwingmann auch hier ein positives Fazit.

Acht Arbeiten eingereicht

Neben Olaf Kiefer aus Rastede haben noch Julia de Vries aus Augustfehn, Annemarie van Häfen aus Rastede, Evelyn Barenbrügge aus Apen und Dr. Karl-Heinz Utescher aus Ocholt ihre Arbeiten eingereicht, die von einer Biographie-Arbeit über Geschichtserinnerungen bis zu Collagen reichen. Alle erhalten neben einem Geldpreis noch ein Buch und Bildungsgutscheine. Die Hauptpreise des Wettbewerbs gehen an diesem Samstag an Margarete Wempen aus Ocholt, Carsten Saber aus Apen und Anja Szyltowski, Lehrerin an der KGS Rastede. „Mein Wille zur Teilnahme am Wettbewerb kommt aus meiner persönlichen Betroffenheit“, erklärt Carsten Saber. „Alle wussten, was auch hier in Apen passierte. Vieles habe ich von meinem Vater erfahren. Wir selbst sind familiär vom Leben jener Zeit mit seinen Auswirkungen persönlich betroffen gewesen“, erzählt er weiter. Seine Holzarbeit, die er angefertigt hat, zeigt den Lebens- und Leidensweg einer Jüdin aus Apen bis hin zu ihrer Vernichtung im KZ.

„Radeln gegen Rassismus“

Mit der Klasse 11 d der KGS Rastede hat Anja Szyltowski im Juli 2022 das Projekt „Radeln gegen Rassismus“ ins Leben gerufen. „Zusammen mit dem ADFC werden Radrouten durch das Ammerland erstellt, die zu bestimmten Orten und Plätze führen, die etwas mit Rassismus zu tun haben. Die erste erarbeitete Route führt zur Karl-Jaspers-Klinik nach Wehnen, eine zweite sucht Stationen in Rastede auf.“ Dabei sind auch die herzogliche Familie und der Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern Thema. Dieses Projekt wird weitergeführt, wobei die Schüler und die Lehrerin sich wünschen würden, dass sich auch andere Schulen aus dem Ammerland daran beteiligen.

Eine Präsentation der eingereichten Kunstwerke, ob in Wort, Bild oder Darstellung, wird es nach der Präsentation an diesem Samstag nicht geben. Ob es auch im kommenden Jahr zum Gedenktag einen entsprechenden Wettbewerb geben wird, konnte Norbert Zwingmann nicht sagen.

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