Ammerland - Bekommt der Fußballkreis Jade-Weser-Hunte ein Schiedsrichterproblem? Bei den mehr als 180 Partien, die an einem normalen Wochenende in unserer Region ausgetragen werden, wird der Ton rauer. Viele Schiedsrichter wollen sich das nicht mehr bieten lassen. Was sind die aktuellen Herausforderungen an die Unparteiischen?
Die aktuelle Situation
„Wir sind in unserem Kreis noch ganz gut aufgestellt“, betont Dennis Hohmann, der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis Jade-Weser-Hunte. So werden bis in die D-Junioren Schiedsrichter angesetzt und auch im Männerbereich gelingt es immer noch, für die 1. Kreisklasse und die Kreisliga sogar Schiedsrichter-Gespanne zu stellen. „Dennoch müssen auch wir feststellen, dass es zunehmend schwieriger wird, alle Spiele zu besetzen. Wenn wir jetzt nicht dagegensteuern, kommen wir an unsere Grenzen“, sagt der Vareler, der seit 24 Jahren als aktiver Schiedsrichter tätig ist.
Die Probleme
Auch Hohmann hat schon miterlebt, dass die Stimmung auf den Sportplätzen angeheizter wird. „Wir merken deutlich, dass die Hemmschwelle, den Schiedsrichter anzugehen, gesunken ist. Wir näher uns der zweistelligen Prozentmarke der Spiele an, in denen der Schiedsrichter geschubst oder angerempelt wird“, sagt Hohmann. Zudem würden die Fälle von psychischer Gewalt gegen Schiedsrichter – durch Meckern oder Beleidigungen – zunehmen. „Die Sportler nehmen zu viel mit auf den Platz, was da nicht hingehört. Die Schiedsrichter sind dann zu oft das Ventil dafür. Da sind auch die Erwartungen der Spieler an die Schiedsrichter teilweise zu hoch“, ärgert sich Hohmann. Das führte in den vergangenen Jahren dazu, dass die Zahl der Spielabbrüche und Sportgerichtsverhandlungen gestiegen ist. „Gewalthandlungen und Rassismusvorfälle sind keine Seltenheit mehr. Auch hier erkennen wir einen steigenden Trend“, sagt Kreisschiedsrichterlehrwart Ralf Meinold.
Im Fußballkreis Jade-Weser-Hunte pfeifen aktuell 423 Schiedsrichter. Davon haben 83 in den vergangenen beiden Jahren nur sehr unregelmäßig bis gar nicht gepfiffen. 56 Referees hätten zum Teil langfristig sogenannte Freihaltetermine für sich reklamiert, zum Beispiel, weil sie erkrankt seien. Seit der Saison 2021/22 sind die Zahlen weiter rückläufig.
Dieser Trend ist auch niedersachsenweit erkennbar. Waren in 2019 noch 7548 Schiedsrichter beim NFV gemeldet, ist die Zahl der Unparteiischen in 2022 auf 6198 gesunken.
Es gibt aber auch positive Erkenntnisse. In den vergangenen beiden Jahren konnte der Fußballkreis Jade-Weser-Hunte mehr als 100 neue Schiedsrichter durch die Umstellung auf Online-Ausbildung bei den Anwärter-Lehrgängen gewinnen.
Die Ursachen
Es werde somit immer schwieriger, die Spiele zu besetzen, sagt Meinold: „Grund ist die mangelnde Wertschätzung gegenüber der ehrenamtlichen Aufgabe und wachsende Respektlosigkeit einiger Spieler und Trainer, insbesondere aber auch unter den Zuschauern.“ Ähnlich sieht es Hohmann: „Die Wertschätzung ist das Wichtigste. Wir möchten bei unserem Hobby genauso Spaß haben, wie die Fußballer.“
Blickt mit Sorgen, aber auch mit Hoffnung in die Zukunft: Schiedsrichterausschuss-Vorsitzender Dennis Hohmann.
Die Gegenmaßnahmen
In dieser Saison werden auf den Lehrabenden der Schiedsrichter Themen behandelt, die Sicherheit im Umgang mit Rassismus und Gewalthandlungen vermitteln sollen. So befassten sich die Unparteiischen im September zum Beispiel gemeinsam mit Vertretern der Sportgerichte mit dem Thema Sonderberichte. Auch das Schiedsrichter-Paten-Konzept habe sich bewährt, betont Hohmann. So wurden 70 der 110 in 2022 ausgebildeten jungen Schiedsrichter von einem erfahrenen Referee bei ihren ersten Spielen begleitet und unterstützt. Hohmann hofft zudem, dass positive Beispiele gute Werbung für die Schiedsrichter sein können. So wurde zuletzt Lara Wolf aus Wilhelmshaven zu Deutschlands Nachwuchsschiedsrichterin des Jahres ernannt.
Der Ausblick
Hoffnung macht dem Fußballkreis ein Blick auf die hohen Anmeldezahlen für die aktuellen Schiedsrichter-Anwärterlehrgänge. So fanden sich im Bereich Friesland und Wilhelmshaven 48 Teilnehmer für den kürzlich gestarteten Lehrgang. „So viele Meldungen hatten wir in diesem Bereich noch nie“, sagt Hohmann. Auch für den Lehrgang, der Anfang Januar in Oldenburg stattfindet, sind bereits 34 Meldungen – darunter 16 Mädchen – eingegangen. „Das ist ein Trend, der uns freut. Jetzt geht es darum, dass die Teilnehmer den Lehrgang bestehen und uns danach auch erhalten bleiben“, sagt Hohmann. Auch Meinold möchte sich auf die positiven Aspekte konzentrieren: „Wir blicken positiv in die Zukunft und hoffen darauf, dass die Wertschätzung und Anerkennung der Schiedsrichter in der Gesellschaft wieder zunimmt, damit auch zukünftig Fußballspiele unter der Leitung von Schiedsrichtern in möglichst vielen Spielklassen erhalten bleiben.“
