Ammerland - Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, kaum Zukunftsperspektiven: Wer sich nicht in die Gesellschaft integriert, wird es nicht leicht haben. Integration und Teilhabe am sozialen Leben sind entscheidend – aber wie? Ein neues Projekt der Kreisvolkshochschule (Kvhs) Ammerland will die Antwort wissen: Bildung und Arbeit. „Ammerland@(Net-)Work“ zielt darauf ab, Menschen ab 15 Jahren, die aus einem Land außerhalb der Europäischen Union in das Ammerland kommen, zu beraten und zu unterstützen bei der Integration in Schule, Arbeit, Aus- und Weiterbildung.
Das Projekt wird im Rahmen des Programms „WIR – Netzwerke integrieren Geflüchtete in den regionalen Arbeitsmarkt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus gefördert.
Kostenlose Beratung
„Die Integration in den regionalen Arbeitsmarkt verknüpft mit dem Spracherwerb trägt zur gesellschaftlichen Integration bei“, weiß Projektleiter Dirk Weißer von der Kvhs Ammerland. Das Projekt spricht zwei Seiten an: geflüchtete Menschen und heimische Betriebe. Das kostenlose Beratungsangebot richtet sich an Jugendliche und Erwachsene, die beispielsweise einen Schulabschluss oder eine Ausbildung anstreben oder fortsetzen wollen, Unterstützung beim Übergang oder Einstieg in das Arbeitsleben wünschen oder Familie und Beruf besser vereinbaren wollen.
Interessierte Betriebe erhalten unter anderem Unterstützung bei der Besetzung freier Stellen, bei der Vermittlung potenzieller Auszubildender oder Mitarbeiter sowie Beratung zu möglichen Aus- und Weiterbildungen.
Ziel nicht unmöglich
Dirk Weißer bezeichnet es als „besonderes Projekt, das zur richtigen Zeit kommt“. Von Januar 2023 bis September 2026 läuft es: „In dieser Zeit müssen wir insgesamt 607 Personen der Zielgruppe nachweisen können, die integriert wurden“, so der Projektleiter. Das sei aber kein unmögliches Ziel.
Eine regionale Vernetzung und enge Kooperation mit den Partnern sollen dazu beitragen. An „Ammerland@(Net-)Work“ wirken nicht nur alle Gemeinden des Ammerlandes mit, sondern auch die Kreiswirtschaftsförderung, das Jobcenter Ammerland, die Agentur für Arbeit, die Kreishandwerkerschaft, zahlreiche Schulen und die Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe.
Vorbild für Betriebe
Ein Vorbild für die Integration Geflüchteter in regionalen Betrieben ist das Deutsche Milchkontor in Edewecht. Hier werden sechs Ukrainer beschäftigt – weitere Anstellungen sind geplant. Die fehlenden Sprachkenntnisse seien anfangs eine Herausforderung gewesen, sagt Stephan Götz, Werkleiter in Edewecht. Doch mithilfe sechs anderer russischsprachiger Mitarbeiter wurden die neuen Arbeitskräfte eingearbeitet.
Erste Ergebnisse
Erste Ergebnisse kann das Projekt bereits vorweisen. In Apen wurde eine Beratungsstelle eingerichtet, die von ersten Teilnehmern besucht wird. Die Berufsbildenden Schulen Ammerland haben in den Osterferien ein Sprachcamp veranstaltet sowie wöchentliche Sprechstunden für geflüchtete Jugendliche eingerichtet. Und im Mai soll in Rastede ein Angebot für Frauen zur Erweiterung der deutschen Sprachkenntnisse etabliert werden.
Fest steht: Das Projekt ist noch am Anfang und es steckt eine Menge Arbeit darin. Für die Projektkoordinatorin Maren Niehuis ist aber auch klar: „Die vorgegebenen Zahlen sind eher niedrig gesetzt. Wir wollen noch viel mehr Menschen im Ammerland helfen.“
